Rettungssicherheit im Viertel Keine Chance fürs Anwohnerparken

Steintor·Ostertor. Wer sein Auto vor der Haustür parken will, sollte nicht im Viertel wohnen - oder starke Nerven haben. Wie berichtet, greift die Innenbehörde gegen Falschparker durch. Seit Ostern wird abgeschleppt, wenn Rettungswege blockiert sind. Damit wächst der Parkdruck im Ostertor, Steintor und Fesenfeld. Wer davon profitiert, sind Garagenvermieter und der Car-Sharing-Anbieter Cambio mit zweistelligen Zuwachsraten.
18.04.2010, 08:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Niels Kanning

Steintor·Ostertor. Wer sein Auto vor der Haustür parken will, sollte nicht im Viertel wohnen - oder starke Nerven haben. Wie berichtet, greift die Innenbehörde gegen Falschparker durch. Seit Ostern wird abgeschleppt, wenn Rettungswege blockiert sind. Damit wächst der Parkdruck im Ostertor, Steintor und Fesenfeld. Wer davon profitiert, sind Garagenvermieter und der Car-Sharing-Anbieter Cambio mit zweistelligen Zuwachsraten.

Wo stelle ich mein Auto ab? Vor dieser Frage stehen alle Fahrzeugbesitzer, die einen kostenlosen Parkplatz suchen. Besonders betroffen sind Berufstätige und Besucher, die nach 19 Uhr ins Viertel fahren. Dann ist schon alles zugeparkt. Doch zu der Sucherei gibt es keine Alternative. Garagen und Parkhaus-Dauerstellplätze sind rar gesät. Es gibt Wartelisten - für den, der es sich leisten kann.

Beispiel Tiefgarage Ostertor/Kulturmeile: Dort offeriert die Parkhausgesellschaft Brepark ein limitiertes Kontingent an Dauerstellplätzen zum 'Nachbarschaftstarif'. Kosten: vergleichsweise günstige 54,74 Euro. Allerdings stehen 30 Leute, die ihren Wohnsitz im Umkreis von 500 Metern per Meldebescheinigung nachweisen müssen, auf einer Warteliste. 'Jederzeit verfügbar', so teilte die Brepark auf Anfrage mit, seien hingegen Tagplätze (Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr nutzbar) für 64,26 Euro sowie Tag-/Nachtplätze (rund um die Uhr nutzbar) für 101,15 Euro. Alle Preise pro Monat, versteht sich.

Die Viertelbewohner möchten am liebsten bevorzugt behandelt werden. Doch der immer wieder erneuerte Vorschlag, das sogenannte Bewohnerparken (früher Anwohnerparken) einzuführen, löst das Problem nicht. 'Damit ist den Anwohnern nicht geholfen', betont die stellvertretende Ortsamtsleiterin Andrea Freudenberg. Nichts habe man so oft in den Beiräten Mitte und Östliche Vorstadt diskutiert wie das Thema Bewohnerparken, sagte unlängst Beiratsmitglied Reinhard Werner (SPD). 'Aber das geht bei uns nicht.' Jeder, der ins Viertel ziehe, müsse wissen: 'Das Problem ist insgesamt nicht lösbar!' B

remenweit existieren mittlerweile zehn Bewohnerparkzonen. Im Oktober 2000 hatte das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) das Modell erstmals im Bereich Barkhof eingerichtet. Doch die Ausweisung von Bewohnerparkplätzen setzt zwingend voraus, dass für jedes angemeldete Auto ein legaler Parkplatz zur Verfügung steht. Statistisch gesehen, kommen jedoch im Viertel 1,4 Autos auf einen legalen Parkplatz. Halblegale Parkplätze, die von den Behörden und Ordnungskräften derzeit geduldet werden, würden beim Bewohnerparken ganz wegfallen. Außerdem müssten Parkplätze für Besucher vorbehalten werden. Ein Bewohnerparksystem ist damit im Viertel völlig ausgeschlossen.

Ausgeschlossen scheint auch der Versuch zu sein, neue Parkhäuser im Viertel zu bauen. An den veranschlagten Kosten und an den Protesten der Nachbarschaft scheiterte schon im Ansatz der Plan, die öffentliche Parkfläche in der Lübecker Straße aufzustocken. Auch die Idee, auf dem BunkerGrundstück hinter dem Ortsamt Mitte/Östliche Vorstadt am Dobben zusätzliche Parkplätze zu schaffen, ist längst vom Tisch. Bleibt die vage Hoffnung auf Entlastung durch den geplanten Bau eines Parkhauses auf dem dann neugestalteten Klinikgelände des Zentralkrankenhauses Mitte. Doch das ist Zukunftsmusik.

Die Autodichte (Autos pro Einwohner) im Viertel sei geringer als in anderen Stadtteilen, erklärt der Sprecher des Beirates Mitte, Michael Rüppel. Viele Haushalte verzichten schon auf ein Auto. Wer das eigene Fahrzeug abschafft, kann auf einen Gemeinschaftswagen umsteigen. Car-Sharing-Anbieter wie das Bremer Unternehmen Cambio mit Sitz in der Humboldtstraße haben starken Zulauf. Die Zahl der Cambio-Kunden in Deutschland ist 2009 erneut um 20 Prozent auf über 22700 gestiegen. Rund 690 Fahrzeuge gehören inzwischen zum Fuhrpark des Unternehmens.

In Bremen unterhält Cambio 35 Verleihstationen, davon acht im Viertel oder in Viertelnähe: Lübecker Straße, Gesundheitsamt Horner Straße, Kreuzstraße, Albrechtstraße, Parkplatz Haltestelle Am Dobben, Dammweg/Graf-Moltke-Straße, Parkplatz Frauenklinik Am Schwarzen Meer und Brommyplatz. Nach Auskunft von Cambio-Sprecherin Jutta Kirsch zählt das Unternehmen im Postleitzahlbereich 28203 (also im Viertel) genau 1221 Fahrer, im Jahr davor waren es 1102. Einzelne Fahrer seien aber unter mehreren Kundennummern angemeldet, um private und dienstliche Fahrten getrennt abrechnen zu können.

Cambio ist inzwischen in zehn bundesdeutschen Städten sowie im Nachbarland Belgien vertreten. Immer dort, wo ein hoher Parkdruck herrscht, der öffentliche Personennahverkehr gut ausgebaut ist und im Wohnquartier eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe besteht, sind Car-Sharing-Unternehmen besonders gut aufgestellt. All das trifft auf das Viertel zu.

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