Hans Peter Schneider im WESER-KURIER-Interview

"Keine Miesen, bestimmt nicht"

Bremen. Messe-Chef Hans-Peter Schneider, der im kommenden Januar erstmals die Sixdays veranstaltet, sieht das Sechstagerennen auf einem guten Weg. Im WESER-KURIER-Interview spricht er über rote Zahlen, Sponsoren und den Stand der Vorbereitungen.
02.12.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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"Keine Miesen, bestimmt nicht"

Hans Peter Schneider will das Sechstagerennen von Grund auf erneuern. Wesentliche Finanzzusagen für das 1,6-Millionen-Euro-Budget liegen nach seinen Angaben bereits vor.

Frank Thomas Koch

Bremen. Die Sixdays sind in diesem Jahr zu einem Politikum geworden. Erstmals gab es eine Ausschreibung, das Ziel dabei: Frank Minder, seit 40 Jahren Veranstalter des Sechstagerennens, sollte außen vor bleiben. Zum Zuge kamen denn auch andere. Ausrichter ist jetzt die Bremer Veranstaltungs- und Event GmbH, hinter der die Nehlsen-Tochter Elko und der Party-Veranstalter Theo Bührmann stecken. Von städtischer Seite ist die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) dabei. In der Öffentlichkeit hatte das für Irritationen gesorgt hatte: Soll die Stadt dafür gerade stehen, wenn die Sixdays in die roten Zahlen rutschen? Über den Stand der Vorbereitungen unterhielt sich Jürgen Hinrichs mit dem zuständigen WFB-Geschäftsführer Hans Peter Schneider.

Herr Schneider, sechs Wochen noch bis zu den Sixdays, findet das Rennen statt?

Hans Peter Schneider:Was für eine Frage! Natürlich wird es die Sixdays geben. Wie kommen Sie darauf?

Sechstagerennen sind in Deutschland unbeliebt geworden, zuletzt auch in Bremen. Vor Kurzem wurde eines in Hannover abgesagt - sechs Wochen vor dem Startschuss.

Es fällt mir schwer, das von außen zu kommentieren. Ein Grund war aber sicherlich, dass sich bei den Veranstaltern alles auf eine Person konzentriert hat, die dann leider erkrankt ist. Hinzu kommt, dass es in Hannover jahrzehntelang keine Sixdays mehr gegeben hat, die mussten also von Null auf Hundert kommen.

Geht Ihnen das nicht auch so? Nach dem Abgang von Frank Minder ist eine völlig neue Crew am Start.

Mag sein, aber das sind erfahrene Leute, und sie übernehmen mit den Sixdays in Bremen eine Traditionsveranstaltung. Es ist deshalb kein Neuanfang, wir setzen im Gegenteil etwas fort, schaffen dafür aber neue Grundlagen. Die Sixdays reloaded, wenn Sie so wollen.

Warum eigentlich? Warum die Sixdays nicht sterben lassen? In anderen Städten hat man's ja auch getan: Stuttgart, Dortmund, München - die Rennen dort sind Vergangenheit.

Erst einmal glaube ich, dass die Sixdays generell eine Zukunft haben in einem Land, das so viele radsportbegeisterte Menschen hat. Dann müssen Sie aber auch die Unterschiede sehen. In Bremen sind die Sixdays so etwas wie die fünfte Jahreszeit, ein gesellschaftliches Ereignis, das über den Sport hinaus Menschen zusammenbringt.

Stimmt das tatsächlich? Haben die Sixdays eine Bedeutung wie Freimarkt, Werder oder Weihnachtsmarkt, wie es die Werbeleute der Stadt immer behauptet haben? Beim Rennen in diesem Jahr sind über die sechs Tage verteilt gerade einmal 15000 Karten verkauft worden.

Diese Frage habe ich mir selbst natürlich auch gestellt, ich glaube aber, dass wir die Sixdays in eine neue Zeit führen können und alles besser machen als in der Vergangenheit.

Sagen Sie, was. Was war schlecht?

Viel zu laut. Viel zu wenig geboten für das viele Geld. Immer das Gleiche. Keine Innovation. Diese Kritik habe ich jetzt immer wieder auch bei den Sponsoren gehört, die ich besucht habe. Man kann ein Sechstagerennen heute nicht mehr so machen wie in den 60er- oder 70er-Jahren, kein Wunder, dass dann die Besucher wegbleiben - deswegen jetzt die Neuausrichtung mit mehr Sport und mehr Atmosphäre, besserem Licht, besserem Ton, einer höherwertigen Inszenierung.

Welches Publikum sprechen Sie an, doch nicht nur Radsportfans, oder?

Nein, natürlich nicht, aber solche Gäste bekommen jetzt wieder mehr geboten, auch drumherum, mit Fahrradausstellern zum Beispiel. Es gibt aber viele Gründe, zu den Sixdays zu gehen, man will dort Spaß haben, tanzen, etwas trinken, andere Menschen treffen, so etwas. Wir laden ganz besonders auch die Jungen ein, in die Party-Lounge in Halle 3.

Party, okay, und die Live-Musik? Statt Klaus&Klaus nun Hot Chocolate. Soll das die neue Qualität sein?

Na, hören Sie! Wir haben sehr gute Bands verpflichtet, für den Kidsday zum Beispiel "The Black Pony", was glauben Sie, was da los sein wird. "Hot Chocolate" steht für Disko, das gehört dazu. Oder nehmen Sie "Marquess", Salsa zum Tanzen. Es wird auch eine klassische Rockband geben, den Namen verrate ich aber noch nicht.

Musik und Show sind noch die geringsten Posten in Ihrem Etat. Sie planen mit einem Gesamtbudget von 1,6 Millionen Euro. Wie soll das finanziert werden?

Unter anderem natürlich über die Eintrittspreise.

Da müssen aber schon die Massen strömen, nach den Zahlen von diesem Jahr kann beim Eintritt so viel nicht zusammenkommen.

Warten Sie's ab. Der Vorverkauf hat begonnen, und wir konnten bereits 4000 Karten absetzen. Am Ende, wenn's gut läuft, werden es 25000 verkaufte Tickets sein und noch einmal 25000, die wir an unsere Sponsoren abgeben.

Gutes Stichwort, wo ist denn nun eigentlich der Hauptsponsor, von dem immer die Rede war?

Ich selbst habe nie von einem Hauptsponsor gesprochen...

...aber andere in Ihrem Team.

Mag sein, jedenfalls gibt es mittlerweile einige wesentliche Sponsoren. Einen davon werden wir in der kommenden Woche während einer Pressekonferenz präsentieren.

Und die anderen? Sagen Sie bitte ein paar Namen. Wer unterstützt die Sixdays?

Die SWB, zum Beispiel. Und dieses Mal nach drei Jahren Pause erfreulicherweise auch wieder die Sparkasse Bremen. Sie übernimmt ein Fahrerteam und das Frauenrennen. Nehlsen ist auch dabei und wird das Nachwuchsrennen promoten. Oder Schmidt+Koch oder Becker+Brügesch oder Lotto oder Dodenhof oder Moneymaker. Und die Überraschung spare ich mir für die Pressekonferenz auf.

Sie fühlen sich auf gutem Wege?

Ich sag's mal so: Genug ist nicht genug, es wäre Unsinn, jetzt schon zufrieden zu sein. Bei den Sponsoren liege ich bei 300.000 Euro, ich will aber noch 100.000 Euro mehr. Fast erreicht ist bereits das Ziel bei der Vermietung der 56 Logen. Kalkuliert wurde dort mit einer Auslastung von 70 Prozent, und die haben wir in der kommenden Woche erreicht. Das sind immerhin auch schon wieder 300.000 Euro.

Keine Miesen also am Ende, und kein Ärger mit der Stadt?

Keine Miesen, bestimmt nicht.

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