Heilpädagogische Tagesgruppe in Tenever gestaltet Kunstwerke für Ausstellung in der Weserburg um

Kinder erleben Freiheit in der Kunst

Osterholz. „Anders Leben“ – auf diese Ausstellung in der Weserburg arbeitet die Bremer Künstlerin Delia Nordhaus mit Kindern einer heilpädagogischen Tagesgruppe der St. Petri Kinder- und Jugendhilfe in der Otto-Brenner-Allee hin.
04.11.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von EDWIN PLATT
Kinder erleben Freiheit in der Kunst

Künstlerin Delia Nordhaus mit den Kindern der heilpädagogischen Tagesgruppe in Tenever, die Kunstwerke aus der Weserburg für ihre Ausstellung in der Weserburg umgestalten.

PETRA STUBBE

Osterholz. „Anders Leben“ – auf diese Ausstellung in der Weserburg arbeitet die Bremer Künstlerin Delia Nordhaus mit Kindern einer heilpädagogischen Tagesgruppe der St. Petri Kinder- und Jugendhilfe in der Otto-Brenner-Allee hin. „Ich sehe anders“, hat die Malerin ihre Aktion mit den Mädchen und Jungen überschrieben. Delia Nordhaus besuchte mit Kindern die laufende Ausstellung „Mir ist das Leben lieber“ mit Objekten der Sammlerin Reydan Weiss in der Weserburg und ließ die Kinder auf Laufzetteln ankreuzen, was sie beeindruckte.

Nordhaus fertigte große Fotoausdrucke der jeweiligen Objekte in Farbe an und ließ sie von den Kindern im ersten Schritt in Schwarz-Weiß übermalen. Im zweiten Schritt bekamen die Kinder der heilpädagogischen Tagesgruppe Schwarz-Weiß-Ausdrucke und durften diese dann farbig übermalen. Was vielen der Kinder schwerfällt, sich zu konzentrieren, gelang durch die fantasieanregende Beschäftigung mit der Kunst viel besser als sonst.

Im dritten und letzten Schritt schnitt Delia Nordhaus Formen der Fotografien aus und ließ die Kinder damit spielen und sie verändern. Menschen, Tiere, auch Gebäude konnten so nach eigenen Vorstellungen umgestaltet werden. „Ich möchte den Kindern Freiheit in der Kunst nahebringen“, erklärt Delia Nordhaus den Anspruch, den sie auch unter erschwerten Arbeitsbedingungen und mit einem hohen pädagogischen Aufwand mit den Kindern halten konnte. „Die Kinder waren ungewöhnlich konzentriert und wir haben immer nach dem Essen Gespräche über unser Projekt geführt“, sagt Nordhaus über die Stimmung bei der Arbeit.

Der Tod ist in vielen Bildern dieser Kinder erkennbar oder spielt eine Rolle, aber auch Regenbogen sind unter Verwendung von Leuchtfarben entstanden. „Sie wollen ihre Bilder in der Weserburg hängen sehen“, sagt Delia Nordhaus über einen wesentlichen Antrieb der Kinder, sich immer wieder auf das Projekt einzulassen, daran zu arbeiten, ehrgeizig und kreativ zu werden, statt sich jeder Ablenkung zuzuwenden.

„40 Gruppen arbeiten in der ganzen Stadt“, erklärt Andrea Siamis von der Quartier gGmbH (siehe Bericht unten). Unter anderem Rosa Jaisli im Spielhaus Pfälzer Weg an „Schöne Perlen – wilder Schmuck“, Gertrud Schleising im DRK-Kinderhaus Arche an „Kinder machen Leute“, Peter Friemer an der Grundschule Pfälzer Weg entwirft „Wunschfänger“ und Ulrike Schulte in der Seniorenwerkstatt der Egestorff Stiftung lässt „Selbst-Bilder“ entstehen.

Weitere fünf Gruppen sind in Hemelingen, zwei in der Vahr und 24 weitere in ganz Bremen aktiv, deren Arbeiten in die Ausstellung „Anders Leben“ in der Weserburg zusammenfließen.

„Kreativität richtet sich nicht nach sozialer Herkunft, ist nicht von Bildung abhängig und hält sich nicht an Ländergrenzen, das zeigt ,Anders Leben‘ ganz deutlich“, resümiert Andrea Siamis von Quartier, und ergänzt: „Niemand wird erkennen können, ob ein Bild aus Kattenturm oder einem anderen Ortsteil kommt, ob das Kind gymnasial unterrichtet wird oder heilpädagogisch betreut.“

„Anders Leben“, die Ausstellung in der Weserburg ist ab 17. November zu sehen. Geplante, aber noch nicht terminierte Aktionen zur Ausstellung sind „Ein Adler unter Hühnern“, eine Bildermitmalaktion mit Celina Ziebarth, Jette van Düllen. „Wer erklärt die Welt? Der junge Blick auf die Kunst“ mit Kindern als Museumsführer, Natalia Schätz, Leena Tanner, Kinder der St. Johannes Schule. „Double Vision“, Postkartenaktion zu Kinderkunstwerken, Bilder bewegen – Was sagst du dazu? Kinder philosophieren über Kunst mit Ute Knoop, Universitäre Kunstvermittlung Bremen. Auskunft zu den Aktionen gibt es unter der Telefonnummer 59 83 90.

„Die Kinder waren ungewöhnlich konzentriert.“ Künstlerin Delia Nordhaus
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