21. Bremer Kindertag Kinder erobern den Bürgerpark

Bremen. Kindertag im Bürgerpark, und wieder haben sich Tausende auf dem weitläufigen Gelände vergnügt, Kinder genauso wie Eltern. Die Veranstaltung ist in Bremen längst zur Institution geworden.
08.08.2010, 19:10
Lesedauer: 3 Min
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Kinder erobern den Bürgerpark
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Kindertag im Bürgerpark, und wieder waren es Tausende, die sich auf dem weitläufigen Gelände vergnügten, Kinder genauso wie Eltern. Die Veranstaltung, sie fand am Sonntag zum 21. Mal statt, ist in Bremen längst zur Institution geworden. Und genießt in all den Jahren so etwas wie eine Wettergarantie. Dräuten am Morgen noch die Wolken und gaben auch ein wenig Regen ab, schien über Tag dann überwiegend die Sonne. Die angekündigten Schauer setzten erst am späten Nachmittag ein.

Emma schmollt. Sie würde gerne auf eines der Pferde steigen und eine Runde reiten, aber das kostet Geld, und Geld hat die Mutter nicht, sie hat's zu Hause vergessen. Was nun? Doch plötzlich wendet sich das Pech, jemand kommt vorbei und leiht ihnen was, ein Bekannter, ein Zufall. Emma nimmt's wie selbstverständlich hin: 'Mit dem nächsten Geld, das wir bekommen, gehen wir zum Trampolinspringen', kündigt sie an.

Sie könnten auch zum Basteln, Bauen oder Schminken gehen, sie könnten malen, Rätsel lösen, mit Korken zielschießen, in der Schubkarre rennfahren, oder in ein riesiges Holzpferd steigen, das einen Schwanz aus Ketchupflaschen hat, ein Hinweis auf den Sponsor. Überall präsentieren sich Unternehmen, die mit mal findigen, mal auch sehr einfachen Spielen den Kindern Vergnügen bereiten.

'Ohne die Sponsoren bekommen sie so ein Fest nicht auf die Beine', sagt Lothar Pohlmann, der den Kindertag organisiert. Er schätzt die Teilnehmerzahl auf bis zu 40000. Und in der Tat wirkt das fast karawanenartig, wie die Kinder mit ihren Eltern am Vormittag zum Bürgerpark ziehen.

An vielen der insgesamt 80 Stände, die zum Teil auch von Vereinen und Organisationen wie Unicef beschickt werden, bilden sich lange Schlangen. Begehrt ist das Reiten, aber auch das Go-Cart fahren durch einen Verkehrsparcours. Gegen Bezahlung können sich Kinder ab sieben Jahren hinter dem Lenkrad bewähren. Die kleineren werden von Mutter oder Vater begleitet, mit Ehrgeiz geht?s dann in die Kurven.

Eine Warteschlange auch vor dem Kletterturm, den der WESER-KURIER aufgestellt hat. Siebeneinhalb Meter hoch und mit zwei Schwierigkeitsgraden. Kiara wählt die anspruchsvolle Variante, sie war schon häufiger klettern und geht etwas ungestüm an die Aufgabe heran. 'Langsamer', ruft ihr der Trainer zu, 'flach an die Wand!' Die Neunjährige ist mit einem Seil gesichert, es kann ihr nichts passieren, und so bleibt sie trotz des schwierigen Aufstiegs locker und schafft es bis ganz nach oben.

Die Kinder stark machen - das ist das Motto des Kindertages. Stark machen im sportlichen Sinn, durch Bewegung und gesunde Ernährung, zwei Hauptthemen der Veranstaltung. Stark machen aber noch anders: 'Wir wollen die Kinder ermuntern, auch mal nein zu sagen', hebt Jürgen Linke vom Landesbetriebssportverband (LBSV) hervor, der neben dem WESER-KURIER Veranstalter des Kindertages ist.

Wie in jedem Jahr wurde wieder ein Kinder-Oskar verliehen. Er ging an die Macher der WDR-Kindersendung mit dem Elefanten, die ihren Schwerpunkt auf die Sprachförderung von Vorschulkindern legt. 'Vorbildlich', lobte Staatsrat Joachim Schuster aus dem Sozialressort, der den Preis übergab. 'Es gibt viele Kinder mit Migrationshintergrund, und es ist wichtig, dass wir alle eine Sprache sprechen.' Schuster wurde auf der Bühne gefragt, was Bremen speziell für die Kinder tut; er sprach dann vom Ausbau der Kindergärten, von kostenlosem Mittagessen in den Kindertagesstätten, von der Forderung, Kinderrechte in das Grundgesetz aufzunehmen und von dem Fürsorgesystem, das Bremen entwickelt hat. Schuster: 'Es darf kein Zufall sein, wenn Kinder gut aufwachsen.'

Hehre Worte, die bei den Eltern vor der umlagerten Bühne gut ankamen, die aber von den Kindern schon nicht mehr gehört wurden - sie hatten anderes zu tun. Fiete und Filip zum Beispiel sind gerade damit beschäftigt, klebrige Zuckerwatte in den Mund zu manövrieren. Bei Filip klappt das nicht richtig, der Zweijährige trägt die Watte am Kinn. Sein älterer Bruder schafft es dagegen locker und mit der Routine von vier Lebensjahren. Die Eltern, Claudia und Tobias Faßbender aus Hastedt, finden's gut auf dem Kindertag. Sie waren im vorigen Jahr schon mal da. 'Es ist dieses lose Angebot, man kann, aber muss nicht', sagt der Vater. Als die Kinder ihre Zuckerwatte vertilgt haben, geht?s weiter, es gibt noch so viel zu entdecken.

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