40 Mädchen und Jungen führen integratives Tanzprojekt in der Heilig-Geist-Kirche auf

Kinder leben Integration

Neue Vahr. Nach zehn Wochen emsigen Probens war es nun endlich soweit: 40 Kinder aus 24 Nationen führten in der Heilig-Geist-Kirche der Evangelischen Gemeinde in der Neuen Vahr in der Adam-Stegerwald-Straße 42 ihren Tanz auf. Unter dem Motto „Von Kindern Integration lernen“ hatte Gigy Golez einen Tanz mit ihnen einstudiert.
23.06.2016, 00:00
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Kinder leben Integration

Aus 24 Nationen kommen die Kinder, die unter Anleitung von Gigy Golez in der Heilig-Geist-Kirche tanzten. „VAHReint“ steht auf ihren Shirts und vereint hat sie das Tanzprojekt in der Vahr, das mit der Aufführung im Gottesdienst endete.

Petra Stubbe

Nach zehn Wochen emsigen Probens war es nun endlich soweit: 40 Kinder aus 24 Nationen führten in der Heilig-Geist-Kirche der Evangelischen Gemeinde in der Neuen Vahr in der Adam-Stegerwald-Straße 42 ihren Tanz auf. Unter dem Motto „Von Kindern Integration lernen“ hatte Gigy Golez einen Tanz mit ihnen einstudiert. Der erfolgreiche Choreograf, der nicht nur deutschlandweit Workshops und Tanzevents veranstaltet, ist außerdem studierter Sozialarbeiter: „Es ist sehr entspannend, mit Kindern zu arbeiten. Ich bin in Osterholz-Tenever aufgewachsen und dadurch viel mit gelebter Integration in Kontakt gekommen.“

Integration ist auch in der Vahr ein großes Thema. Zwei Drittel der Kinder aus der Heilig-Geist-Kindertagesstätte kommen aus zugewanderten Familien, darunter auch sechs Familien mit Asylstatus aus Afghanistan, Iran und Syrien. 30 Prozent aller Migranten des Stadtteils beziehen hier ihre erste Bremer Wohnung: „Es ist nicht einfach, diese Kinder zu integrieren, da der Anmeldeschluss für das neue Kindergartenjahr in Bremen bereits im Januar ist. Für die Familien, die erst später zu uns kommen, ist das nicht mehr zu schaffen“, erklärt Liselotte Warnecke, Einrichtungsleiterin des Kindergartens, „außerdem ist das System, dass bereits dreijährige Kinder in den Kindergarten gehen können, in vielen Regionen der Erde nicht so entwickelt wie bei uns.“ Und auch der Inklusionsgedanke ist in weiten Teilen der Welt nicht sonderlich ausgeprägt: „Hier ist Bremen wirklich Vorreiter.“ Sie sieht das Tanzprojekt als „gelebte Integration“.

„Davon können wir alle lernen“

Dieser Meinung ist auch Christoph Buße, Sozialdiakon der Gemeinde: „Für Kinder ist es einfach und normal, Integration zu leben, Unterschiede spielen für sie keine Rolle. Davon können wir alle lernen.“ Nicht ohne Grund hat sich die Vahrer Sozialdiakonie deshalb auch den Slogan „VAHReint“ als Motto auf die Fahne geschrieben. Und nicht nur dort: Auch auf den schwarzen T-Shirts der fünf- bis sechsjährigen Kinder prangt in hellem Orange der Schriftzug auf der Brust.

Auf die Frage, warum es gerade der Tanz sein muss, hat Buße eine einfache Antwort: „Weil tanzen Freude macht!“ Ursprünglich war angedacht, das Tanzprojekt als eine gesundheitsfördernde Maßnahme von der Krankenkasse finanzieren zu lassen. Als das nicht klappte, sprang die Bremische Evangelische Kirche ein und übernahm die Kosten des Tanzprojekts.

Angela Walther, Pastorin der Kirchengemeinde in der Neuen Vahr, sieht das Tanzprojekt als Möglichkeit, Kirche auch mal anders zu erleben: „Wir haben den Tanz der Kinder in den Gottesdienst eingebaut. Unter dem Motto ,Der verlorene Sohn’ werden heute die Kinder verabschiedet, die demnächst eingeschult werden.“ Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder Christen, Muslime oder anderweitig gläubig oder auch nichtgläubig sind: „Wir laden Menschen ohne Rücksicht auf Religion ein, am Gottesdienst teilzunehmen.“

Es ist tatsächlich ein besonderer Gottesdienst: Nicht nur die Kinder laufen aufgeregt durcheinander, auch die erwartungsfrohen Eltern sind gespannt auf die Darbietung. Und als dann die zweiminütige Aufführung beginnt, ist die vollbesetzte Kirche begeistert von den lange einstudierten Tanzschritten zu angesagter Hip-Hop-Musik. So begeistert, dass der lange einstudierte Tanz gleich noch einmal aufgeführt werden muss. Dann brandet starker Applaus auf.

Die anschließende Segnung der Kinder und das darauf folgende Sommerfest der Gemeinde zeigen, dass die Neue Vahr als gutes Beispiel für praktizierte Integration dienen kann. Nicht nur die vielen Kinder, auch die Erwachsenen bedienen sich mit Freude an den Speisen aus vielen Nationen – gemeinsam, nicht getrennt.

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