Häusliche Gewalt

Kinder stärker berücksichtigen

Ein Projekt hat untersucht, wie Frauen bei häuslicher Gewalt besser unterstützt und Kinder mehr einbezogen werden können. Zentrales Ergebnis: Es gibt viele Angebote, aber sie arbeiten oft aneinander vorbei.
28.06.2019, 21:20
Lesedauer: 2 Min
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Kinder stärker berücksichtigen
Von Sabine Doll
Kinder stärker berücksichtigen

Die Bremer Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm.

Kuhaupt

Gewalt zwischen Partnern betrifft auch Kinder, allerdings arbeiten die Hilfesysteme in Bremen oft aneinander vorbei. Das ist das zentrale Ergebnis eines Modellprojekts, das seit 2017 untersucht hat, wie man Frauen besser unterstützen und Kinder mehr einbeziehen kann. Es ist eines von bundesweit fünf Projekten und wurde mit 79 000 Euro vom Bundesfamilienministerium gefördert.

„Die Bremer Hilfsangebote sind gut, aber sie müssen besser miteinander vernetzt werden“, sagt die Landesfrauenbeauftragte und Leiterin der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF), Bettina Wilhelm. Gemeinsam mit der Sozialbehörde hatte die ZGF die Förderung für das Modellprojekt beim Bund beantragt. „Insbesondere die Kinder müssen intensiver als bisher bei der Zusammenarbeit der einzelnen Hilfsangebote in den Blick genommen werden, wenn sie Gewalt im häuslichen Umfeld zwischen den Erwachsenen miterleben und -ansehen“, forderte Wilhelm.

Auf der Verwaltungsebene soll dies künftig dadurch geschehen, dass der Runde Tisch „Häusliche Gewalt und Kinder“ direkt beim Sozialressort angesiedelt ist, kündigte Wilhelm am Freitag an. Für die Umsetzung des Landesaktionsplans gegen Gewalt, den die Bürgerschaft im März beschlossen hat, fordert die Frauenbeauftragte außerdem die Einrichtung einer unabhängigen Koordinierungs- und Steuerungsstelle. „Nun muss es an die Umsetzung und die Bereitstellung der Mittel für die Umsetzung des Aktionsplans gehen“, so Wilhelm. Die Höhe der Projektmittel beziffert sie auf rund 200 000 Euro.

Trygve Ben Holland vom Institut für Polizei- und Sicherheitsforschung in Bremen hat untersucht, wie die Hilfesysteme bei häuslicher Gewalt in der Praxis ineinandergreifen, wo es Defizite und Verbesserungsbedarf gibt. Dazu haben die Experten auch Akten der Staatsanwaltschaft analysiert: „Oft geht aus den Akten nicht hervor, ob Kinder in der Wohnung waren, als die Polizei gerufen wurde, was die Folgen waren, ob etwa das Amt für Soziale Dienste informiert wurde.“ Grund dafür sei häufig, dass sich die Kinder sehr ruhig verhielten, nicht auffallen wollten, weil sie Angst davor hätten, ihre Familie zu verlieren. „An dieser Stelle wären Fortbildungen etwa bei der Polizei sinnvoll, um die Kinder gezielt in den Fokus zu nehmen und dies auch in den Berichten zu berücksichtigen. „Auf Grundlage der Akten wird später gehandelt – insbesondere bei der Unterstützung“, betont Holland. Es gebe auch mehrsprachiges Infomaterial für solche Polizeieinsätze, das müsse gezielter als bisher eingesetzt werden.

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