Dagmar Herrmann und ihre Enkelin Miriam Esdohr zeigen ihre Werke in Kassenärztlicher Vereinigung King of Pop trifft futuristische Comicwelten

Zwei ganz unterschiedliche Kunstrichtungen sind noch bis Ende Dezember unter dem Titel „Hinauswollen“ in einer Ausstellung in der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen zu sehen. Miriam Esdohr zeigt unter anderem ihren Comic-Zyklus „Iakes“. Großmutter Dagmar Herrmann präsentiert Künstler-Porträts, aber auch Gemälde, in denen sie die Dämonen der Vergangenheit aufarbeitet.
07.09.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sigrid Schuer

Zwei ganz unterschiedliche Kunstrichtungen sind noch bis Ende Dezember unter dem Titel „Hinauswollen“ in einer Ausstellung in der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen zu sehen. Miriam Esdohr zeigt unter anderem ihren Comic-Zyklus „Iakes“. Großmutter Dagmar Herrmann präsentiert Künstler-Porträts, aber auch Gemälde, in denen sie die Dämonen der Vergangenheit aufarbeitet.

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Dagmar Herrmann fühlt sich immer noch mit Michael Jackson verbunden, seit dem sie dem „King of Pop“ anlässlich der Bambi-Verleihung im Berliner Nobel-Hotel „Adlon“ begegnete. „Dieses persönliche Treffen werde ich nie vergessen“, schwärmt die Autodidaktin, deren tiefgründige Gemälde noch bis Ende Dezember in den Räumen der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen, Schwachhauser Heerstraße 26/28, zu sehen sind. Genauso wie die fantastisch-futuristischen Kunstwerke ihrer Enkelin Miriam Esdohr.

Dagmar Herrmann hatte Uri Geller, der gut mit Michael Jackson bekannt war, auf einer Zugfahrt getroffen und ihm ihre Mappe mit Porträts des „King of Pop“ gezeigt. Und der war auf Anhieb begeistert von den Konterfeis und lud die Künstlerin prompt nach Berlin ein, um sich zwei Gemälde auszusuchen. Dagmar Herrmann weiß noch genau, welche Porträts sich Jackson damals aussuchte: „Eher glorifizierende Bilder, auf denen er als Mozart des Pop oder als Retter dargestellt ist.“

Einige der Porträts aus der Michael Jackson-Serie, die dem „King of Pop“ wie aus dem Gesicht geschnitten sind, werden nun auch in der Kassenärztlichen Vereinigung gezeigt. Ein Bild zeigt Michael Jackson im vertrauten Gespräch mit seiner mütterlichen Freundin Elizabeth Taylor. Auf dem Porträt mit dem Titel „Escape – Entrinnen“, dessen Augen dem Betrachter zu folgen scheinen, wird die Zerbrechlichkeit des „King of Pop“ deutlich. Aber auch sehr gelungene, ganz natürliche Porträts von Marilyn Monroe, in denen die Verletzlichkeit des personifizierten Männertraumes aufscheint, werden ausgestellt. Eine Fragilität, die auch andere, äußerst empfindsame Arbeiten von Dagmar Herrmann prägt, in denen sie auch Autobiografisches aufarbeitet. Eine junge Frau steht da mit großen, traurigen Augen im „Abseits“. Dagmar Herrmann hat dem Bild eines ihrer Gedichte eingeschrieben, in dem von den „verdammten, immer wiederkehrenden Illusionen“ die Rede ist. Für die Träume, die oft so viele Frauen in ihrem Leben begraben müssen, steht ein Gemälde, in dem Braut-Schuhe und -Schleier davon fliegen, während in einer anderen Ecke „Glaube, Liebe, Hoffnung“ zu Grabe getragen werden. Das Metallstück, das im Hintergrund zu sehen ist, symbolisiert die Wucht der Erinnerung, die wie ein Dämon immer wieder aus den Schatten der Vergangenheit auftaucht.

„Wir drücken uns durch unsere Bilder aus, nur hat jede etwas anderes zu sagen“, unterstreichen die Künstlerinnen. Die Schatten der Vergangenheit tauchen auch in dem Mystery-Thriller „Iakes“ auf, der von dem Berliner „Comic Culture“ Verlag herausgebracht wurde und den Miriam Esdohr auch schon auf der Leipziger Buchmesse präsentierte. Ausschnitte daraus sind jetzt in Schwachhausen zu sehen, wie die Helden, die aus einem „film noir“ oder aus einem Krimi von Raymond Chandler entsprungen zu sein scheinen. Die diplomierte Grafik-Designerin, die an den Hochschulen in Bremen und Hamburg studiert hat, erzählt darin die Geschichte des Geistersehers und erfolgreichen Kriminalpsychologen Rik Wigand, der von dem Tod seiner Partnerin Nang aus der Bahn geworfen wird und dem Alkohol verfällt.

Eines Tages bittet ihn die tote Nang um Hilfe. „Eine Geschichte mit Fortsetzungs-Potenzial“, betont die Autorin. „In meinen Werken lösen sich die Grenzen zwischen Comic, Manga und Graphic Novel auf“, sagt die Grafik-Designerin, die ein Faible für Japan hat. Schon sechs Mal hat sie das Land der aufgehenden Sonne bereist, dessen Sprache sie gut spricht. Für das Internet hat sie sich ein künstlerisches Alter ego auf Japanisch zugelegt: Miri Chuuei.

Ein Bild, auf dem ein Löwe zu sehen ist, veranschaulicht die aufwendigen Arbeitsphasen am Computer, bis die sogenannten digital paintings entstanden sind. Zu ihren fantastisch-futuristischen Welten, die sie auch klassisch malt, hat sich Miriam Esdohr von Videospielen inspirieren lassen.

Kolorierte Märchenillustrationen

In der obersten Etage sind die detailgetreuen, kolorierten Märchenillustrationen und Opernbilder zu sehen, die die Enkelin, die in der Bahnhofsvorstadt lebt und die Großmutter, die im Lindenhof-Viertel wohnt, schon vor 20 Jahren gemeinsam zeichneten. „Ich habe die Figuren gezeichnet und Miriam die Tiere“, erzählt Dagmar Herrmann. Auf einem Bild ist beispielsweise eine Szene aus der Mozart-Oper „Die Zauberflöte“ zu sehen, in der Tiere fröhlich miteinander tanzen, als Prinz Tamino auf seiner Flöte spielt. Ein anderes zeigt ein schwarzes Aschenputtel. „Vielleicht ist der Comic ja auch ein modernes Märchen“, vermutete Jörg Hermann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung, in seiner Laudatio.

Die Ausstellung „Hinauswollen“ ist bis Ende Dezember in den Räumen der Kassenärztlichen Vereinigung, Schwachhauser Heerstraße 26/28, zu sehen und zwar montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Informationen unter Telefon 3 40 40.

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