In einer Protestwoche fordern Bremer Studierende den Erhalt von 130 Mitarbeitern ihrer Universität Kissenschlacht gegen Kürzungspläne

Um gegen den geplanten Stellenabbau an der Universität zu demonstrieren, führen Bremer Studierende derzeit auf dem Campus und in der Innenstadt zahlreiche Aktionen durch. Die angekündigte Protestwoche ist in vollem Gange. Die Kürzungen werden sie wohl trotzdem nicht verhindern können.
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Kissenschlacht gegen Kürzungspläne
Von Max Polonyi

Um gegen den geplanten Stellenabbau an der Universität zu demonstrieren, führen Bremer Studierende derzeit auf dem Campus und in der Innenstadt zahlreiche Aktionen durch. Die angekündigte Protestwoche ist in vollem Gange. Die Kürzungen werden sie wohl trotzdem nicht verhindern können.

An der Universität fliegen die Federn. Rund 80 Studierende haben sich vor dem Mehrzweckhochhaus am Campus versammelt und schlagen sich gegenseitig Kissen um die Ohren. Damit wollen sie gegen den geplanten Abbau von Stellen an Bremens größter Hochschule demonstrieren. „Die Einsparungen frustrieren uns, und diesen Frust müssen wir jetzt abbauen“, sagt Student Max Sudhoff und holt mit einem aufgeschlitzten Daunenkissen zum nächsten Schlag gegen seine Kommilitonen aus. „Es kann nicht sein, dass Kürzungen bei unserer Ausbildung über unsere Köpfe hinweg entschieden werden.“

Die Kissenschlacht ist eine von zahlreichen Aktionen im Rahmen der Protestwoche, die die Studierenden gemeinsam mit Mitarbeitern der Universität ausgerufen haben. Weil die Einrichtung jährlich Defizite in Höhe von rund fünf Millionen Euro einfährt, sollen in den kommenden Jahren insgesamt 130 Stellen abgebaut werden – einerseits bei den wissenschaftlichen Mitarbeiter, wie beispielsweise Doktoranden, andererseits in den Bereichen Technik und Verwaltung. Dagegen wollen sich Studenten und Mitarbeiter gemeinsam wehren.

Seit Montag steht deshalb zu Vorlesungen und Seminaren auch Außergewöhnliches auf dem Stundenplan der angehenden Akademiker: Workshops, in denen gemeinsam Protestplakate gestaltet werden, Diskussionsrunden zu den Sparmaßnahmen und zahlreiche Aktionen, die auf die drohenden Kürzungen sowohl in der Universität, als auch in der Stadt aufmerksam machen sollen.

Geld sammeln für Dozenten

„Die Notstände an der Uni sind extrem“, berichtet Politikstudent Nelson Janßen, der gestern bei einer Aktion symbolisch Geld für seine Dozenten auf dem Marktplatz sammelte. „Die Hörsäle sind überfüllt, die Bausubstanz ist marode, und jetzt sollen auch noch 130 Stellen eingespart werden.“ Vom Prädikat „exzellent“, mit dem sich die Universität schmücken darf, sei als Student nichts zu merken, findet Janßen. „Wir fordern von der Stadt deutlich mehr Mittel für unsere Ausbildung “, so der Student.

Diese Forderung stellen auch die wissenschaftlichen Mitarbeiter und Verwaltungsangestellten der Universität. In einer Personalversammlung stimmten gestern 450 Beschäftigte einstimmig dafür, die geplanten Sparmaßnahmen der Bildungsbehörde abzulehnen. „Angesicht der bereits bestehenden Überlastung und immer weiter ansteigender Arbeitsverdichtung fordern wir eine Abkehr von der Kürzungspolitik und deutliche Schritte zur Verbesserung der aktuellen Situation“, sagte Christel Wienrich, Vorsitzende des Personalrats der Universität. „Der Zuschuss des Landes für die Uni soll deutlich und dauerhaft aufgestockt werden.“ Besonders betroffen von den Kürzungen könnten Doktoranden sein, die ihre Promotion nicht in den dafür vorgesehenen drei Jahren schaffen, erklärt Wienrich. „Wenn diese Stellen gestrichen werden, sind sie arbeitslos und müssen ihre Promotion aus der eigenen Tasche bezahlen – das wäre katastrophal.“

Bildungssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) betonte, sie habe Verständnis für die Proteste der Mitarbeiter, die Kürzungen seien aber erforderlich. „Die Grundfinanzierung der Universität Bremen macht den Abbau von insgesamt 130 Stellen notwendig“, erklärte Quante-Brandt. „Das ist mit der Universität verabredet und Teil des Konsolidierungspfades.“

Darüber hinaus forderte die Wissenschaftssenatorin vom Bund eine deutlich größere finanzielle Unterstützung. „Die Unterfinanzierung der Hochschulen ist ein bundesweites Problem“, so Quante-Brandt. „Um die Finanzierung des Wissenschaftssystems künftig besser auszugestalten, sind sich alle Länder darüber einig, dass der Bund stärker in die Pflicht genommen werden muss.“

Es scheint also, als könnten die Bremer Studierenden noch so viel Bambule veranstalten – die Personalkürzungen werden sie, aller Voraussicht nach, nicht verhindern können. Weiter protestieren wollen sie trotzdem: Für heute und morgen sind weitere Aktionen an der Universität und in der Innenstadt geplant.

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