Acht bis zehn Wochen später Kita-Container verzögern sich

Viele Eltern mussten sich darauf einstellen, dass ihre Kinder nicht in eine Kita in einem festen Gebäude gehen, sondern in eine im Container. Nun werden einige davon nicht rechtzeitig fertig.
06.04.2017, 21:17
Lesedauer: 3 Min
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Kita-Container verzögern sich
Von Sara Sundermann

Viele Eltern mussten sich darauf einstellen, dass ihre Kinder nicht in eine Kita in einem festen Gebäude gehen, sondern in eine im Container. Nun werden einige davon nicht rechtzeitig fertig.

Hunderte Eltern in Bremen mussten sich bereits darauf einstellen, dass ihre Kinder nicht in eine Kita in einem festen Gebäude gehen, sondern in eine Kita im Container. Nun werden einige dieser Container-Kitas nicht rechtzeitig zum Start des Kindergartenjahrs am 1. August fertig, sondern erst zwischen acht und zehn Wochen später.

An fünf Standorten verzögert sich die Aufstellung der Container. Das bestätigt die Bildungsbehörde. Konkret betroffen sind der Standort „Zwischen Dorpen“ in Huchting, ein Gelände der Schule Grolland, der Standort der Bezirkssportanlage Süd, das Gelände der Oberschule Helsinkistraße in Burgdamm und das der Schule an der Theodor-Billroth-Straße in Kattenturm. Für die an diesen Standorten geplanten Container hat die Behörde nach eigenen Angaben noch keine Zusagen an Eltern verschickt.

Sondersitzung von Bau- und Bildungsdeputation

Zu den Verzögerungen ist auf Antrag der CDU am Donnerstag eine Sondersitzung von Bau- und Bildungsdeputation einberufen worden. In der Mittagspause der Bürgerschaftssitzungen kamen die Deputierten beider Ressorts zusammen, um über die Ursachen zu diskutieren. Eine Sitzung in angespannter Atmosphäre, bei der Oppositionspolitikerinnen Sandra Ahrens (CDU) und Sofia Leonidakis (Linke) die Behörden scharf angriffen.

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Regierungs- und Behördenvertreter betonten dagegen, man sei dabei, nun in einem „ressortübergreifenden Kraftakt“ ganz im Gegenteil extrem beschleunigt Kita-Plätze für den Sommer zu schaffen. Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) betonte, bei 21 Standorten werde dies bis zum 1. August gelingen, an fünf Standorten komme es zu Verzögerungen.

Wie kommt es dazu, dass nun mehrere Container nicht wie zuvor angekündigt zu Anfang August fertig werden? Fehlende Baugenehmigungen seien nicht der Grund für die Verspätung, betonen Vertreter von Bau- und Bildungsbehörde. Im Gegenteil: Es sei ein verkürztes Verfahren für die Genehmigung von Mobilbauten eingeführt worden, sodass bereits nach vier Wochen Genehmigungen erteilt wurden.

Planungsschwierigkeiten der Behörden

An vier der sechs Standorte, an denen es nun länger dauert, sind die Schwierigkeiten den Behörden zufolge vor allem darauf zurückzuführen, dass es nicht einfach war, gleichzeitig einen Container und ein richtiges Kita-Gebäude auf demselben Gelände zu planen. Mal sorgten der Behörde zufolge zudem eingeschränkte Zufahrten für Baufahrzeuge für Verzögerungen, mal musste erst die Stromzufuhr geklärt werden, mal werden archäologische Funde im Boden des Grundstücks vermutet.

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Für Aufruhr sorgte am Donnerstag eine Begründung, die von den Behörden gleich für zwei Standorte genannt wurde: Unterirdische Gasleitungen, die nicht überbaut werden dürfen, hätten für Probleme gesorgt. Das wurde von der Linken kritisiert: Es sei nicht möglich, dass diese Leitungen in den Rettungsplänen den benachbarten Schulen nicht markiert seien, bemängelten Sofia Leonidakis und Claudia Bernhard. Sandra Ahrens (CDU) kritisierte, es habe auch Schwierigkeiten in der Abstimmung von Bildungsbehörde und Immobilien Bremen gegeben.

Überraschend antwortete die Bildungssenatorin auf eine Nachfrage von Thomas vom Bruch (CDU), ob Eltern nach jetzigem Kenntnisstand im Sommer nun ohne Kita-Platz bleiben würden: „Ich gehe im Moment davon aus, dass wir auskömmlich sind“, sagte Claudia Bogedan.

1700 Kita-Kinder unversorgt

Bei der Elternvertretung sieht man die Lage anders. „Auskömmlich ist gar nicht zu schaffen“, sagt Andreas Seele von der Zentralelternvertretung. „Nach meinem Kenntnisstand sind noch insgesamt 1700 Kita-Kinder unversorgt, dazu kommen rund 1000 Schulkinder, die für einen Hort- oder Ganztagsplatz angemeldet sind und auch noch nicht versorgt sind.“ Wie viele Kinder tatsächlich im Sommer einen Kita-Platz brauchen werden, kann derzeit noch niemand genau sagen, weil viele Eltern ihr Kind nicht schon im Januar, sondern erst deutlich später für die Kita anmelden.

Sowohl die Elternvertretung als auch langjährige Oppositionspolitikerinnen machen nicht vorrangig das jetzt für die Kitas zuständige Bildungsressort für Bremens verspäteten Kita-Ausbau verantwortlich, sondern das zuvor zuständige Sozialressort. „Es fehlen schon lange Plätze, man hätte schon vor sieben Jahren mehr ausbauen müssen“, sagt Andreas Seele.

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