12.500 Beschäftigte legen die Arbeit nieder Kitas und Ämter schließen

Gestrichene Flüge in Bremen, Verkehrschaos in Hannover, geschlossene Kindertagesstätten im ganzen Norden – die Auswirkungen des Warnstreiks im öffentlichen Dienst sind für die Bürger am Dienstag deutlich zu spüren.
26.04.2016, 13:52
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Kitas und Ämter schließen
Von Pascal Faltermann

Gestrichene Flüge in Bremen, Verkehrschaos in Hannover, geschlossene Kindertagesstätten im ganzen Norden – die Auswirkungen des Warnstreiks im öffentlichen Dienst sind für die Bürger am Dienstag deutlich zu spüren.

Die Gewerkschaften machen vor den nächsten Tarifverhandlungen weiter Druck, weil sie das Angebot der Arbeitgeber – ein Prozent Lohnerhöhung ab Juni 2016 sowie zwei Prozent ab Juni 2017 – für nicht akzeptabel halten. Insgesamt 12 500 Beschäftigte des gesamten öffentlichen Dienstes legten am Dienstag in Niedersachsen und Bremen ihre Arbeit nieder. Für Mittwoch hat Verdi erneut zu Streiks aufgerufen, weitere Flüge fallen aus.

In Bremen waren die Folgen des Streiks an zahlreichen Orten zu spüren. In den städtischen Kindertagesstätten gab es kein Mittagessen, und eine Notbesetzung betreute die Kinder. Der Müll blieb liegen, die Bürgerämter hatten die Türen geschlossen, und auch der Bremer Flughafen war betroffen. An der Kundgebung auf dem Marktplatz nahmen laut der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi 3000 Personen aus Nord-Niedersachsen und Bremen teil, die Polizei sprach von 2500 Streikenden.

Mit Regenponchos und Schirmen ausgerüstet, versammelten sich an der Bühne vor der Bürgerschaft aber nur noch etwa 1000 Demonstranten, die dem Regen trotzen. Die Teilnehmer waren am Kulturzentrum Schlachthof (Bürgerweide) gestartet und durch die Stadt gezogen, um Schilder und Transparente mit Sätzen wie „Wir sind es wert“ oder „Gute Arbeit – gutes Geld“ zu präsentieren.

„Es ist ein dreistes Angebot der Arbeitgeber“, sagte die 23-jährige Frieda Bettels, Auszubildende zur Gesundheits- und Krankenpflegerin im Klinikum Bremen-Mitte. Ein Entgegenkommen sehe anders aus. Der Streik traf in Bremen vor allem Eltern und Kinder. Rund 500 Mitarbeiter von Kita Bremen legten laut Grit Wetjen, Personalratsvorsitzende von Kita Bremen, ihre Arbeit nieder. Acht Kindertagesstätten seien komplett geschlossen, alle anderen von Einschränkungen betroffen gewesen.

Am Flughafen der Hansestadt fielen zehn Flüge aus. Acht wurden gestrichen, zwei nach Paderborn umgeleitet, teilte Andrea Hartmann, Pressesprecherin des City Airport Bremen, mit. Dabei handelte es sich um die Hin- und Rückflüge nach München, Frankfurt, Kopenhagen und Istanbul. Außerdem mussten die Flüge von und nach Antalya nach Paderborn umgeleitet werden. In der Zeit von 10.30 Uhr bis 14 Uhr kam es zu den Einschränkungen im Flugbetrieb. Gegen 14 Uhr sei der Normalbetrieb wieder hergestellt worden, sagte Sprecherin Hartmann.

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Am Flughafen streikten die Arbeitnehmer der Feuerwehr, der Betriebswerkstätten, der Verkehrsaufsicht und des Bodenverkehrsdienstes. Am Mittwoch kommt es erneut zu Auswirkungen auf den Flugbetrieb, da an mehreren Flughäfen in Deutschland gestreikt werden soll. Betroffen sind die Flughäfen in Frankfurt und München, wodurch am Dienstagabend bereits sechs Hin- und Rückflüge von Bremen nach Frankfurt und zehn nach München gestrichen wurden. Jeweils elf Starts und Landungen fallen am Flughafen Hannover aus.

Mit dem Warnstreik machen die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes ihren Forderungen nach sechs Prozent mehr Gehalt und 100 Euro mehr Lohn für die Auszubildenden Druck. Darüber hinaus fordern die Lehrlinge eine unbefristete Übernahme nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 28. und 29. April in Potsdam statt.

Der mehrstündige Streik bei Bus und Bahn in Hannover löste ausgerechnet während der besucherstarken Hannover-Messe ein Verkehrschaos aus. Kilometerlange Autokolonnen stauten sich in der Landeshauptstadt, im morgendlichen Berufsverkehr gab es kein Weiterkommen mehr. An der Kundgebung in Hannover nahmen 6000 Streikende teil. Auch in der Metall- und Elektroindustrie drohen ab Donnerstag Warnstreiks.

Die Tarifpartner kommen dann zu ihrer dritten Verhandlungsrunde in Lübeck zusammen. Allerdings gehen die Positionen noch weit auseinander – die Zeichen stehen auf Konfrontation. Die IG Metall hat für die insgesamt 140 000 Beschäftigten der Branche in Norddeutschland fünf Prozent mehr Geld für zwölf Monate verlangt. Der Arbeitgeberverband Nordmetall hatte zuletzt ein Lohnplus von 0,9 Prozent sowie eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent angeboten. Sollte sich die Arbeitgeberseite nicht bewegen, ist die Gewerkschaft in Bremen auf Warnstreiks im Daimler-Werk und auch bei ­Airbus vorbereitet.

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