Kita-Notdienste

Kitas wieder am Limit

Im vergangenen Frühjahr hatten zahlreiche Eltern wegen der Kita-Notdienste während der Krankheitswelle Alarm geschlagen. Ein Jahr später ist die Lage nun wieder angespannt, warnt die Zentrale Elternvertretung.
17.02.2019, 22:06
Lesedauer: 3 Min
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Kitas wieder am Limit
Von Lisa-Maria Röhling
Kitas wieder am Limit

Nachdem bereits im vergangenen Jahr viele Eltern den krankheitsbedingten Personalausfall in Bremer Kitas beklagten, sieht die Situation in diesem Jahr ähnlich aus.

Monika Skolimowska /dpa

Krankheitsbedingte Ausfälle sorgen auch in diesem Winter wieder für Ärger in den Kitas: Zahlreiche Eltern sowie der Zentrale Elternverband (ZEV) beklagen Notdienste und Gruppenschließung in mehreren Stadtteilen. „Die Erzieher sind am Limit“, sagt die ZEV-­Sprecherin Petra Katzorke. Die Situation belastet nicht nur das Personal, sondern vor allem berufstätige Eltern. Manche hätten Probleme, den vorübergehenden Betreuungsnotstand mit ihrem Job zu vereinbaren. Besonders verärgert ist Katzorke über die Bildungsbehörde: Die, sagt sie, tue das Problem ab.

Bereits im vergangenen Frühjahr hatten ­Eltern in ganz Bremen Alarm geschlagen, weil in der Grippezeit in zahlreichen Kindertagesstätten nur noch Notdienste angeboten ­wurden. Damals hatte die Initiative „Kitanot­stand Bremen“ gegen den Personalmangel protestiert, zahlreiche Politiker hatten auf die Forderungen der Eltern mit Verständnis reagiert. Getan habe sich seitdem nichts, sagt Katzorke. „Es sind immer wieder diese Wellen“, erklärt sie das stetig wiederkehrende Problem.

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Der Notdienst umfasse drei ­Stufen: Die erste sei die Einschränkung der ­pädagogischen Arbeit, die zweite eine Verkürzung der Betreuungszeit. „Das Dritte und Schlimmste ist, eine Gruppe zu schließen“, so Katzorke. Ginge man nach dieser Auflistung, sagt Katzorke, gebe es in vielen Kitas eigentlich ständig Notdienste. Denn die pädagogische Arbeit müsse schon ohne Notdienste vielerorts eingeschränkt werden. Den Kita-Mitarbeitern sei dabei kein Vorwurf zu machen, vielmehr sei der Personalmangel in vielen Einrichtungen das zentrale Problem. „Das Erzieherpersonal ist inzwischen wie ein Kaugummi, das immer weiter gezogen wird, um alle Kitas abzudecken“, erklärt Katzorke.

Einige Kitas melden keine Notdienste

Eine statistische Erhebung der Notdienste sei schwierig, sagt Katzorke. Zum einen wegen der unterschiedlichen Träger in Bremen, zum anderen, weil einige Kitas die Notdienste gar nicht meldeten: „Viele wollen die Situation aushalten. Aber das ist keine Option.“ Die Erzieher seien oft dem Ärger der Eltern ausgesetzt und würden durch den verschärften Personalmangel während der Krankheitswelle von ihrem Bildungsauftrag abgehalten. Dass die Betreuung einmal reibungslos ablaufe, sei selten.

Auch Christian Gloede, Landessprecher der Bildungsgewerkschaft GEW, findet die Situation besorgniserregend: „Damit bestätigen sich alle Befürchtungen, die wir hatten.“ Sowohl der Platzausbau als auch die Erzieherakquise gehe zu langsam voran. Das werde auf dem Rücken der Eltern und der Kita-Mitarbeiter ausgetragen. Viele Kitas seien jetzt schon an ihrer Handlungsgrenze: „Der Notdienst ist die letzte Möglichkeit, wenn sie nicht mehr können“, so Gloede.

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Annette Kemp, Sprecherin der Bildungs­behörde, kennt die Notlage der Eltern. „Es ist sehr bedauerlich“, sagt sie. „Wir hätten es auch gerne anders.“ Gerade in der Grippezeit werde es oft knapp in den Kitas. Das habe aber mit dem Fachkräftemangel und nicht mit dem Mangel an entsprechenden Erzieherstellen zu tun. Stellen im Vertretungspool beispielsweise gebe es, diese blieben aber durch den Fachkräftemangel oft unbesetzt.

Dass die Lage so ernst sei, wie die Eltern beschreiben, könne sie an den der Behörde gemeldeten Fällen allerdings nicht ablesen, sagt Kemp. Es habe Notdienste gegeben, im Dezember beispielsweise in drei Kitas von Kita Bremen. Allerdings seien es wesentlich weniger als im vergangenen Jahr gewesen.

Situation nur bei Kita Bremen gesichert zu berichten

Trotzdem könne die Behörde nur gesichert über die Situation bei Kita Bremen berichten: Der städtische Träger ist der einzige, der direkt an die Bildungsbehörde berichte, 84 der 400 Kitas in Bremen gehören dazu. Dabei werden sowohl Notbetreuungen als auch Gruppenschließungen gemeldet. Bei den Einrichtungen anderer Träger werde ein Notdienst nur gemeldet, wenn eine verkürzte Betreuung gar nicht mehr möglich sei. Die Behörde sei über zwei solcher Gruppenschließungen in den vergangene Monaten informiert worden, sagt Kemp.

Die Behörde bemüht sich, den Fachkräftemangel zu beheben, beispielsweise indem mehr sozialpädagogische Fachkräfte in den Kitas eingesetzt werden. Auch die berufsbegleitende Erzieherausbildung mit dem Programm Pia gehöre dazu. „Es liegt nicht am Willen“, sagt Kemp. Aber es brauche Zeit, bis die Maßnahmen wirken: „Wir müssen einen Weg zurücklegen.“

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