„German Folding Bike Open“

Klappradrennen im Schottenrock

Skurrile Fahrer sorgen bei den „German Folding Bike Open“ für britisches Flair am Wall. Besonders auffällig war ein Bremer, der sein Faltrad zum Junggesellenabschied bekommen hatte.
08.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Klappradrennen im Schottenrock
Von Pascal Faltermann
Klappradrennen im Schottenrock

Ob Klapprad oder Faltrad – Sakko und Fahrradhelm gehören zum Standard bei den German Folding Bike Open.

Jonas Völpel

Skurrile Fahrer sorgen bei den „German Folding Bike Open“ für britisches Flair am Wall. Besonders auffällig war ein Bremer, der sein Faltrad zum Junggesellenabschied bekommen hatte.

In einem knielangen Rock, hochgezogenen Kniestrümpfen, bunter Krawatte und dunkler Weste sitzt Werner Keppel auf seinem Faltrad. Immer wieder fährt er die Straße am Wall hoch und runter. Unermüdlich. Sein modischer Fahrradhelm sitzt fest auf seinem Kopf, die silbernen Knöpfe an der Weste funkeln in der Sonne.

Der 61-Jährige hat sich für das Halbfinale des 100-Meter-Klapp- und Faltradsprints qualifiziert. Im Viertelfinale setzte er sich gegen einen jüngeren Kontrahenten durch. Während sein Gegner noch in aller Ruhe im Fahrerlager sitzt, fährt sich der Bremer warm. Sein Ziel: „Als großer Werder-Bremen-Fan will ich ein Mal den DFB-Pokal in die Höhe heben“, sagt Keppel.

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Bei der Premiere der German Folding Bike Open am Sonntag in der Bremer Innenstadt an der Bischofsnadel ist das möglich. Der Gewinner des Klapp- und Faltradsprints darf mit der Fußball-Trophäe posieren, da sich die Veranstalter den DFB-Pokal ausgeliehen haben. Es ist eine originalgetreue Nachbildung, die gerade zum „Heimataufenthalt“ bei der Bremer Silbermanufaktur Koch & Bergfeld ist, die ihn angefertigt hat. Aber Werner Keppel verliert sein Rennen.

Gewinner Alexander Schenkl (rechts) überlässt Kilt-Träger Werner Keppel den DFB-Pokal

Gewinner Alexander Schenkl (rechts) überlässt Kilt-Träger Werner Keppel den DFB-Pokal

Foto: Jonas Völpel

Kuriose Randgeschichten

Er muss sich dem späteren Zweitplatzierten Ingo Bartau auf einem Klapprad geschlagen geben. Doch bei der Siegerehrung steht Heppel dann doch auf der Bühne und reckt den Pokal in den Himmel. Gewinner Alexander Schenkl aus Nürnberg überlässt dem Schottenrock-Träger den Siegerpreis. „Wir haben uns gestern kennengelernt, und ich habe ihm von meinem Wunsch erzählt“, sagt Heppel.

Es ist nur eine dieser kuriosen Randgeschichten bei der verrückten und skurrilen Veranstaltung. Auf der Bühne spielt die Dudelsack-Kapelle „Crest of Gordon“, Menschen in merkwürdigen Kostümen radeln durch die Gegend, und am Theaterberg sitzen die Fahrer in Kilt, Sakko, Fahrradhelmen und Kniestrümpfen in Liegestühlen im Schatten der Bäume. Es ist das erste Mal, dass Klappradfahrer auf Faltradflitzer treffen.

In den vergangenen Jahren gab es bei den Brompton National Championship nur Starter mit den neueren Falträdern. Die beiden Bremer ­Organisatoren, Stephan Menke und Jens Heeren, nahmen nun die älteren Klappräder mit ins Boot und freuen sich, dass die Verknüpfung funktioniert. Im Sprint-Finale muss sich Ingo Bartau als Fahrer eines Old-School-Modells aber Gewinner Schenkl auf einem Faltrad geschlagen geben.

Jubelnde Zuschauer

Neben der Sprint-Wertung steht das Hauptrennen mit rund 120 Startern im Mittelpunkt. Auf der etwa 13 Kilometer langen Rennstrecke kommen Harald Wilenski und Alexander Schenkl zeitgleich unter dem Jubel der Zuschauer ins Ziel. Alle Teilnehmer müssen den Kurs von 2,15 Kilometern sechs Mal fahren.

Dabei geht es über die gesamte Breite der Allee am Wall, durch die Bremer Wallanlagen und die Contrescarpe hindurch. Vor allem am Theater Bremen und Wilhelm-Wagenfeld-Haus stehen die Schaulustigen und applaudieren. In einem entscheidenden Sprint setzt sich erneut der Nürnberger Schnekl, der mit Dreiviertel-Hose, orangen Socken und roter Krawatte fährt, durch. Sein Erfolgsrezept: „Fränkisches Bier, Bratwurst, Brot und tägliches Training.“

Christian Enck mit Grenadiermütze.

Christian Enck mit Grenadiermütze.

Foto: Jonas Völpel

Faltrad zum Junggesellenabschied

Zumindest in der Teamwertung gewinnen die Klappräder: Das Team „20-Zoller sind toller“, angeführt von „Steve Steelsucker“, der eigentlich Karsten Stumpf heißt und stets in seinem Renndress aus Ballonseide fährt, sichert sich den Sieg.

Der Teilnehmer mit dem auffälligsten Outfit ist definitiv Christian Enck. In roter Uniform und großer Grenadiermütze fährt der Bremer auf seinem Rad. „Heute Morgen wusste ich davon noch gar nichts“, sagt Enck. Sein Trauzeuge und weitere Freunde überraschten den jungen Mann in der Frühe, steckten ihn in die Verkleidung und gaben ihm ein Faltrad mit Getränkehalter. Der Sonntag wurde für Enck kurzerhand zum Junggesellenabschied. Mit klappernden Dosen am Zweirad musste er von Schwachhausen zur Bischofsnadel fahren und umgehend am Hauptrennen teilnehmen. Die wichtigere Aufgabe wartet auf ihn im September – seine Hochzeit.

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