Geschenke fürs Pflegepersonal Facebook-Mitglieder verteilen Steine der Dankbarkeit

Normalerweise liegen die bunten Steine auf Mauern oder Spazierwegen. Aktuell jedoch malt die Gruppe #Bremersteine kleine Mutmacher für das Krankenhauspersonal. Sie sollen ein Zeichen der Dankbarkeit sein.
28.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Facebook-Mitglieder verteilen Steine der Dankbarkeit
Von Rebecca Sawicki

„Ihr seid unglaublich!“, schreibt OP-Schwester Hedi Kotschi in einem Eintrag in der Facebook-Gruppe „#BremerSteine“. Die Mitglieder der Gruppe sind Steinkünstlerinnen und hatten Kotschi einen bemalten Stein für eine an Corona erkrankte Kollegin geschenkt. Seit mehreren Jahren verschönern die Frauen Steine, die sie an unterschiedlichen Orten auslegen. Dort werden die kleinen Kunstwerke üblicherweise von anderen Menschen gefunden, mit nach Hause genommen oder woanders platziert. So wandern die Kreationen umher. Dass die Gruppe nun aber auch auf Nachfrage Steine produziert, ist nicht üblich.

„Ich habe in der Gruppe gefragt, ob sie das für mich machen würden“, erinnert sich Kotschi. Mit dieser Anfrage habe sie einen Stein ins Rollen gebracht – und das im wahrsten Sinne des Wortes. „Die Anfrage hat mich sehr berührt“, erinnert sich Bettina Michaelis. Sie ist die Gruppengründerin und arbeitet ebenfalls in der Pflege. „So sind wir darauf aufmerksam geworden, dass wir mit unseren Steinen dem Krankenhauspersonal danken könnten.“ Gemeinsam mit einer Gruppe Steinemalern aus Stuhr seien mittlerweile 1224 Steine entstanden, die meisten davon bereits an verschiedene Krankenhäuser verteilt.

„Das 'Geklatsche' ist schon längst vergessen, aber diese Steine bleiben uns für immer erhalten“, sagt Kotschi. Das Klatschen habe sie genervt, weil sie es für überflüssig gehalten habe. „Wir machen unseren Job, auch wenn er momentan schwieriger ist, als sonst“, sagt sie. Ihre erkrankte Kollegin, für die der erste Stein der Aktion bestimmt war, ist wieder gesund. Mittlerweile hat Kotschi aber auch an viele andere Kollegen Steine verteilt. Für die Intensivstation und die Notfallambulanz packte sie Tüten und das OP-Team bekam einen gemeinsamen Korb. „Ich bin selber OP-Schwester und wir arbeiten eng beieinander, deshalb war es auf dieser Station okay“, sagt sie.

Auf die Idee, bemalte Steine zu verteilen, ist Kotschi durch eine Reise nach Amerika gekommen. „Dort habe ich meinen ersten Stein gefunden“, sagt sie. Als sie Mitglied der Steinegruppe Arizona werden wollte, um sich zu bedanken, sei ihr der Beitritt verweigert worden. „Die wollten nur Amerikaner aufnehmen.“ Daraufhin habe sie geschaut, ob es auch in Bremen eine solche Gruppe gebe. Und sie wurde fündig.

Dass die Dankessteine am Ende die richtigen Adressaten erreichen, dafür ist Bettina Michaelis verantwortlich. Sie hatte die Facebook-Gruppe 2019 gegründet. Wenn es nicht gerade eine Pandemie mit Kontaktbeschränkungen gebe, träfen sich einige Malerinnen auch im echten Leben, um die Steine gemeinsam zu gestalten, sagt sie. Für die Aktion nimmt die Initiatorin die kleinen Kunstwerke nun im Empfang, desinfiziert und verstaut sie abgezählt in Körben und Boxen. „Mitarbeiter aus den Krankenhäusern können sie hier dann abholen und untereinander verteilen“, erklärt sie.

Vor gut einer Woche hat Michaelis ein Video in der Facebook-Gruppe geteilt. Darin zu sehen sind etliche der bemalten Steine in verschiedenen Größen und Formen. Sie liegen in Körben, auf denen Strichlisten abgelegt sind. „Gezählt und durchsortiert. 1087 #Dankessteine von uns Bremern für unsere gemeinsame Aktion mit #Stuhrocks für die Bremer Krankenhäuser und Co.“, schrieb Michaelis dazu.

„Insgesamt 25 Frauen haben alle Steine bemalt“, sagt Michaelis. Sie sei überrascht gewesen, dass sich nicht mehr beteiligt hätten. Denn in der Facebook-Gruppe gäbe mehr als 5400 Mitglieder, viele von ihnen seien aktiv. „Die Begeisterung innerhalb der Gruppe war sehr groß“, sagt Michaelis. Allerdings gebe es aktuell einen Versorgungsengpass. „Die Baumärkte haben zu, da ist es schwierig an Steine heranzukommen.“ Orte, wo man gut sammeln könne, seien rar in Bremen.

Organisatorisch sei der Steinaustausch für sie „happig“ gewesen, wie Michaelis sagt. Zeitweise habe sie sich in ihrer Wohnung wie in einem Logistiklager gefühlt. „Und es ist auch eine körperliche Arbeit, die ganzen Steine durch die Gegend zu schleppen“, sagt sie. So habe etwa eine Krankenschwester eine Sackkarre zum Transport ins Krankenhaus benutzt.

Ob sie den Eindruck hat, dass die Aktion gut ankommt? „Auf jeden Fall“, sagt Michaelis. „Viele Krankenhäuser kommen immer wieder auf uns zu, um noch mehr Steine zu bestellen.“ Auch die Postings in der Facebook-Gruppe ließen darauf schließen, dass die Steine als Zeichen des Dankes funktionierten. So finden sich Beiträge wie „Im Klinikum Mitte sind eure Steine auch angekommen. Wir fühlen uns echt gewertschätzt durch diese Aktion!“ oder „Alle haben sich mega gefreut über diese tolle Aktion.“

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