Ökostadt Bremen und der Verein Sozialökologie suchen Freiwillige für Werkstätten / Beiräte planen Bündnis Klimafreundlich durch den Alltag

Die Vereine Ökostadt Bremen und Sozialökologie wollen Menschen, die sich bisher eher wenig mit Klimaschutz beschäftigt haben, ein Forum schaffen. In den Bremer Klimawerkstätten sollen sie in Nachbarschaften Ideen für einen klimafreundlichen Alltag entwickeln. Auch die Beiratssitzung am Dienstag, 17. April, ist dem Klima gewidmet.
16.04.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Liane Janz

Die Vereine Ökostadt Bremen und Sozialökologie wollen Menschen, die sich bisher eher wenig mit Klimaschutz beschäftigt haben, ein Forum schaffen. In den Bremer Klimawerkstätten sollen sie in Nachbarschaften Ideen für einen klimafreundlichen Alltag entwickeln. Auch die Beiratssitzung am Dienstag, 17. April, ist dem Klima gewidmet.

Bremen. Eine Idee aus München soll auch in Bremen Schule machen: Die Vereine Ökostadt Bremen und Sozialökologie rufen die Bevölkerung auf, sich in Klimawerkstätten zu engagieren. Zielgruppe sind vor allem auch diejenigen, die sich bislang eher weniger mit Klimaschutz befasst haben. "Klima ist immer so weit weg", sagt Jutta Draub-Ketelaar, die eine Klimawerkstatt in Hastedt und dem Peterswerder koordiniert. Auftakt des sechsmonatigen Projektes ist am Freitag, 20. April, von 19 bis 22 Uhr im Forum Kirche an der Hollerallee 75. Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) hat zugesagt.

In den Werkstätten sollen sich Menschen aus Nachbarschaften kennenlernen, sich austauschen und Ideen für einen klimafreundlichen Alltag entwickeln. "Es gibt schon viele Tipps und Initiativen zum Klimaschutz, aber wir glauben, dass in einer Gruppe die Dynamik größer ist", sagt Peter Bargfrede aus dem Initiatorenkreis. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen zunächst über ihren aktuellen Lebensstil reden und gemeinsam überlegen, was sie ändern könnten, um mehr für das Klima und in diesem Zusammenhang auch etwas für den eigenen Geldbeutel zu tun. "Denn beim Energiesparen kann man auch Geld sparen", betont Bargfrede. Sich ein Auto zu teilen - neudeutsch: Carsharing zu betreiben -, könnte eine Möglichkeit sein.

Aber auch die Ernährung spielt eine Rolle. "Wenn man zum Beispiel Leitungswasser trinkt, nicht Mineralwasser", schlägt Jutta Draub-Ketelaar vor. "Früher hat man gewohnheitsmäßig nur einmal die Woche Fleisch gegessen. Das ist heute anders", ergänzt Andreas Jordan, der zusammen mit Jennifer Petry die Klimawerkstatt für Mitte, Steintor und das Viertel koordiniert. Von den Gewohnheiten hänge viel ab, sie seien aber auch schwer zu ändern. "Die Menschen müssen andere Gewohnheiten entwickeln, wenn sie nachhaltig etwas tun wollen." Das gehe aber nur über Erfahrung. Zum Beispiel könne man auch ohne Fleisch sehr lecker essen. Das müsse man nur erst mal testen. Deshalb sollen die Klimawerkstätten viel Platz zum Experimentieren lassen, ergänzt Peter Bargfrede.

Neben der Arbeit in den Nachbarschaften stehen deshalb auch drei Gruppenabende auf dem Programm, an denen sich die Werkstätten über ihre Ideen und Fortschritte austauschen. Darüber hinaus sind ein Kochkursus, der Besuch eines Biohofes und andere Ausflüge geplant. "Es ist auch vorstellbar, dass wir eine der Cambio-Stationen in der Umgebung besuchen und vor Ort erklären, wie Carsharing funktioniert", sagt Jutta Draub-Ketelaar. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher seien durch widersprüchliche Berichterstattung beispielsweise über die Nahrungsmittelproduktion verunsichert, meint Peter Bargfrede. "Da kann es hilfreich sein, die Erfahrungen anderer Menschen zu hören."

Breites Bündnis

Neben Jutta Draub-Ketelaar, Andreas Jordan und Jennifer Petry sind als Koordinatoren Antje Willnow in der Vahr und Sebaldsbrück und Irene Vagts in Findorff und Walle im Einsatz. Für die Stadtteile Links der Weser gibt es derzeit noch keinen Koordinator. Wer im Süden der Stadt wohnt und gern an einer der Klimawerkstätten teilnehmen möchte, müsste sich einer der bereits feststehenden Werkstätten in den anderen Stadtteilen anschließen.

Auch in der Kommunalpolitik spielt das global wichtige Thema eine zunehmend große Rolle. Ein neues Klimabündnis für das Viertel wollen die Beiräte Mitte und Östliche Vorstadt bei einer gemeinsamen Sitzung am Dienstag, 17. April, um 19 Uhr in der Friedensgemeinde, Humboldtstraße 175, schließen. Zusammen mit Partnern wie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Lagerhaus, der Friedenskirche und der Klimaschutzagentur Energiekonsens wollen die Beiräte die Quartiersbewohner zu einem nachhaltigeren Leben inspirieren. Klimaschutz sei im Viertel schon länger ein Thema, beispielsweise auch beim Viertelfest, sagt Katja Muchow vom BUND. Allerdings sollen sich die Initiativen besser vernetzen und die Verbraucher stärker mit einbinden.

"Die Gebäudesanierung wird ein Schwerpunkt sein. Da gibt es großes Potenzial im Viertel", sagt Katja Muchow. Der BUND selbst habe die Rückseite seiner Geschäftsstelle am Dobben sanieren lassen - die Vorderseite ist denkmalgeschützt und darf deshalb nicht verändert werden - und das habe schon viel gebracht. Ein weiterer Schwerpunkt könnte ein neues Verkehrskonzept für das Viertel sein. Die Beiräte wollen auf ihrer Sitzung zusammen mit den Initiativen und Partnern einen Arbeitsplan für das Jahr erstellen und gegebenenfalls auch etwas Geld geben, ließ Ortsamtsleiter Robert Bücking wissen. Initiativen, die sich an dem Bündnis beteiligen wollen, seien außerdem willkommen. "Unsere Arme sind weit offen."

Wie es um den Klimaschutz stadtweit bestellt ist, wird Gabriele Friderich, Staatsrätin für Umwelt und Energie beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, vorstellen. Sie wird über den Stand des Bremer Klima- und Energieprogramms sprechen.

Näheres zu den Bremer Klimawerkstätten gibt es bei Ökostadt Bremen unter Telefon 70100030 und beim Verein Sozialökologie unter 3499077 sowie auf www.oekostadt-bremen.de. Das erste Treffen ist am Freitag, 20. April, von 19 bis 22 Uhr im Forum Kirche an der Hollerallee 75.

Öffentliche Beiratssitzung Mitte/Östliche Vorstadt zum Klima-Bündnis: Dienstag, 17. April, 19 Uhr, Friedensgemeinde, Humboldtstraße.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+