Deutlich mehr Besucher

Klimahaus profitiert von Umweltdebatte

Das Klimahaus Bremerhaven hat 2019 von „Fridays for Future“ und den Diskussionen über Umweltschutz profitiert. Die Geschäftsführung ist zufrieden.
17.01.2020, 20:35
Lesedauer: 3 Min
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Klimahaus profitiert von Umweltdebatte
Von Carolin Henkenberens
Klimahaus profitiert von Umweltdebatte

Im Fokus des Interesses: Wohl auch aufgrund der "Fridays for Future"-Bewegung besuchten gut 30 000 mehr Menschen 2019 das Klimahaus Bremerhaven.

MARCUS MEYER

Als das Klimahaus Bremerhaven 2009 eröffnet worden ist, kannte noch niemand ein schwedisches Mädchen namens Greta Thunberg. Zehn Jahre später ist Thunberg weltbekannt, „Fridays for Future“ eine globale Bewegung und Klimaschutz in aller Munde. Das wirkt sich auch auf das Bremerhavener Ausstellungshaus aus.

Im vergangenen Jahr verzeichnete das Klimahaus 457.148 Besucher, das sind 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr. „2019 war in vielerlei Hinsicht ein erfolgreiches Jahr“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter des Klimahauses, Arne Dunker. „Was uns genauso freut wie unser erfolgreiches Jahr, ist, dass das Thema Klimawandel in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.“ 2018 hatte das Klimahaus – auch wegen des Hitzesommers – noch einen Besucherrückgang gegenüber dem Vorjahr gemeldet. Dunker betonte jedoch, dass die Zahlen in den vergangenen sechs Jahren recht stabil geblieben sind. Im ersten vollen Geschäftsjahr 2010 waren damals mehr als 700.000 Menschen gekommen.

Die Neugier der Besucher steigt

Das aktuelle starke Interesse am Thema Klimawandel spüre sein Haus aber nicht nur an den Zahlen, sagt Dunker. Ging es früher mehr um das Erlebnis, seien die Besucher nun neugieriger, wollten Details wissen. „Wir haben auch gemerkt, dass die Besucher anfangen, andere Fragen zu stellen.“ So interessierten sich die Menschen, die in der wissenschaftlichen Erlebniswelt in Bremerhaven über fünf Kontinente reisen und dabei unterschiedliche Klimazonen kennenlernen, mittlerweile oft für Fragen wie Dürre oder den Meeresspiegelanstieg. „Einige fragen, wo sie etwas zu den Waldbränden finden“, erzählt Dunker.

Endlich sei das gesellschaftliche Interesse am Thema Klimaschutz da, sagt Dunker. „Endlich, weil wir schon seit zehn Jahren darauf hinarbeiten, dass das Thema seiner Relevanz in der öffentlichen Wahrnehmung gerecht wird.“ Im Sommer 2019, als „Fridays for Future“ seinen ersten länderübergreifenden Klimastreik abhielt, feierte das Klimahaus sein zehnjähriges Bestehen mit einem Symposium, Aktionstagen und einem großen Familienfest. Auch diese Veranstaltungen hätten zum guten Abschneiden bei den Besucherzahlen beigetragen.

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Zu den wirtschaftlichen Erlösen wollte der Geschäftsführer keine Zahlen nennen. Nur soviel: Auch kaufmännisch ist Dunker zufrieden. Ihn freut, dass das Klimahaus nun vermehrt von Nichtregierungsorganisationen kontaktiert werde. „Weil wir es geschafft haben, aus der Blase herauszukommen.“ Es gelinge, Themen wie Umweltschutz und Klimawandel auch Menschen zu vermitteln, die damit zuvor noch gar nichts oder wenig zu tun gehabt haben. Dunker rechnet für 2020 mit Besucherzahlen auf dem Vorjahresniveau, sagt aber auch: „Eigentlich kommt unsere Zeit jetzt erst.“ Mittelfristig peile man eine halbe Million Besucher im Jahr an.

Neue Sonderausstellungen 2020

Im Klimahaus, das zu den wichtigsten touristischen Anlaufpunkten im Land Bremen gehört, wird sich demnächst einiges ändern. Nicht nur, weil der Teil zur Offshore-Windenergie ab 2021/22 überarbeitet wird. 2020 zeigt das Klimahaus auch zwei Sonderausstellungen, für eine über die Nord- und Südsee unternahm ein Team Reisen zur Hallig Langeneß und nach Samoa. Zudem soll, um Besucherschwund vorzubeugen, in den nächsten Jahren eine Extremwetterausstellung eingerichtet werden, bei der etwa Dürre und Starkregen erlebbar werden. 2018 hatte der Senat für die Planung 650.000 Euro bewilligt. Für Umbau und Gestaltung sind knapp elf Millionen Euro im Gespräch. Da die Haushaltsverhandlungen noch laufen, ist das Geld aber noch nicht bewilligt. Im Koalitionsvertrag von SPD, Grüne und Linke heißt es: „Auf Basis der Planungsergebnisse werden wir Anfang 2020 mit der Umsetzung der Maßnahme beginnen.“ Dunker ist zuversichtlich: „Ich gehe fest davon aus, dass das in diesem Jahr bewilligt wird.“

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Das Klimahaus habe vom Kölner Beratungsunternehmen IFT ermitteln lassen, welche regionalwirtschaftlichen Effekte die einst 100 Millionen Euro teure Investition in den Bau des Klimahauses gehabt hat. Herausgekommen sei, sagt Dunker, dass der Betrag aufgrund entstandener Arbeitsplätze oder anderer Wertschöpfung wieder eingespielt worden sei. Er wünscht sich, dass die Stadt Bremerhaven ihr Marketing stärker an den Themen Migration, Arten- und Klimaschutz ausrichtet. Dies seien gesellschaftlich relevante Felder, die sich wiederfänden in den drei Tourismusmagneten Auswandererhaus, Zoo am Meer und Klimahaus.

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