Klimarobuste Städte

"Wir müssen nicht in fünf Jahren fertig sein"

Städte müssen sich auf neue Klimabedingungen einstellen. Experte Jens Hasse erklärt, was das unter anderem für Bremen bedeutet.
13.09.2021, 18:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Maurice Arndt
"Wir müssen nicht in fünf Jahren fertig sein"

Hohe Häuser sorgen für stehende Luft. Das kann infolge der Erderwärmung zu einem Problem werden, dem städtebaulich begegnet werden kann.

Frank Thomas Koch

Herr Hasse, sind im Land Bremen Extremwetterlagen wie das Hochwasser in Westdeutschland oder die besondere Hitze jüngst in Kanada auch denkbar?

Jens Hasse: Insbesondere Hochwasser nach Regenfällen ist auch in Bremen denkbar. Deshalb gibt es in Bremen ja auch das Projekt Klimaanpassungsstrategie, das die Stadt darauf vorbereiten soll. Hinzu kommen Bedrohungen durch Stürme. Das betrifft die gesamte Küstenlinie. Auf der anderen Seite ist Hitze – zumindest im Vergleich mit etwa süddeutschen Städten – aufgrund der geografischen Lage im Norden nicht so ein großes Problem. Nichtsdestotrotz steigen auch hier schleichend die Temperaturen.

Wie gut ist Bremen vor derartigen Ereignissen geschützt?

Die Verletzlichkeit einer Stadt kann man nicht genau beziffern, da sie nicht nur mit technischen Vorkehrungen für Naturkatastrophen zusammenhängt. Ein wichtiger Aspekt ist auch, wie Risiken wahrgenommen werden und welche Vorerfahrungen eine Stadt hat. Da ist Bremen, zumindest beim Umgang mit Stürmen und Hochwasser, sicherlich besser aufgestellt als ein Dorf im Westen oder Süden.

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Städte wie Bremen können durch steigende Temperaturen sogenannte Hitzeinseln werden – also Bereiche, die sich allmählich aufheizen und nachts nicht ausreichend abkühlen. Was empfehlen Sie?

Kommunen müssen insbesondere im Bereich der Stadtplanung aktiv werden. Für eine bessere Durchlüftung sollten Gebäude etwa längs zur Windrichtung gebaut werden statt quer. Gründächer, helle Fassaden, Verschattung durch Bäume oder Verdunstungsflächen wie kleine Bachläufe – das alles trägt zur Abkühlung der Stadt bei. Gleichzeitig steigert es die Aufenthaltsqualität.

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Nun lässt sich eine Stadt nicht einfach so umbauen.

Das muss auch nicht der Anspruch sein. Wir am Zentrum für Klimaanpassung empfehlen, dass Städte Klimaanalysen erstellen – mindestens für besonders bedrohte Stadtteile wie etwa jene an der Weser – und dann zuerst kritische Infrastruktur schützen. Wichtig ist auch: Wenn Neubauten oder Sanierungen anstehen muss der Schutz vor negativen Klimafolgen mitgedacht werden. Das betrifft auch die klimagerechte Umgestaltung von Innenstädten im Zusammenspiel mit der Mobilitätswende. Der öffentliche Raum sollte neu verteilt werden, damit mehr Platz für die Vorsorge gegen Starkregen und Hitze entstehen kann. 

Schutz vor dem Klima ist nicht neu. Deiche gibt es seit Jahrhunderten. Wo stehen wir?

Unser Zentrum wurde gegründet, weil es bei Kommunen oder sozialen Einrichtungen weiterhin großen Informationsbedarf gibt, wie diese schrittweise klimarobuster werden können. Es ist ja viel Wissen da, es muss nun endlich genutzt werden. Wir müssen nicht in fünf Jahren fertig sein, aber in 15 Jahren sollte unsere Infrastruktur im Wesentlichen klimarobust aufgestellt sein.

Das Gespräch führte Maurice Arndt. 

Zur Person

Jens Hasse (53)

ist Teamleiter Klimaanpassung & Stadtökologie des Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) und bearbeitet seit 2007 Projekte in den Bereichen Klimawandel, wassersensible Stadtentwicklung und Zukunftsszenarien. Er leitet das Zentrum Klimaanpassung, mit dessen Durchführung das Difu beauftragt ist.

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