Amt verkleinert Asphaltfläche in Findorff / Weitere Projekte geplant

Klimawandel: Der erste Straßenzug wird umgebaut

Bremen. Wird am Kanal gebaut, dann neuerdings nicht nur unter der Erde. Damit die Stadt einen Jahrhundertregen wie vor drei Jahren besser übersteht, gestalten Ingenieure schon mal einen kompletten Straßenzug um.
25.10.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Klimawandel: Der erste Straßenzug wird umgebaut
Von Christian Weth
Klimawandel: Der erste Straßenzug wird umgebaut

Amtsleiterin Brigitte Pieper zeigt, wo in der Münchener Straße das Regenwasser künftig besser versickern soll.

Frank Thomas Koch

Wird am Kanal gebaut, dann neuerdings nicht nur unter der Erde. Damit die Stadt einen Jahrhundertregen wie vor drei Jahren besser übersteht, gestalten Ingenieure schon mal einen kompletten Straßenzug um. Mehr Wasser als bisher soll im Boden versickern, um gar nicht erst den Kanal zu belasten. Wie das gehen soll, haben sich Politiker und Behördenvertreter am Donnerstag in Findorff angeschaut: in der Münchener Straße, wo ein millionenteures Pilotprojekt begonnen hat, dem ähnliche Vorhaben folgen sollen.

Weniger Asphalt, mehr Grün – so lautet die Faustformel für die Münchener Straße. Die neun Meter breite Fahrbahn soll um anderthalb Meter schmaler werden. Den gewonnenen Platz will das Amt für Straßen und Verkehr auf unterschiedliche Weise nutzen: für fast 50 Bäume, die nach und nach gepflanzt werden sollen und für einen Parkstreifen, dessen spezieller Untergrund es ermöglicht, dass Regenwasser nahezu ungehindert versickern kann. Laut Amtsleiterin Brigitte Pieper kostet der Umbau des 700 Meter langen Straßenabschnitts rund 2,4 Millionen Euro. Die Arbeiten, inklusive Erneuerung des Kanals, sollen im Herbst kommenden Jahres abgeschlossen sein.

Ziel ist, weitere Straßen nach ähnlichem Muster umzugestalten. Nach Angaben von Michael Koch von der Umwelt- und Verkehrsbehörde soll immer öfter geprüft werden, wo versiegelte Flächen an Straßenzügen verkleinert werden können. Und zwar immer dann, wenn Kanal- oder Fahrbahnarbeiten anstehen. Koch: „Damit nicht mehr Baustellen eingerichtet werden müssen als unbedingt notwendig.“ Ihm zufolge verursacht der Umbau, so wie er in der Münchener Straße vorgesehen ist, keine zusätzlichen Kosten. Klimagerecht und wassersensibel nennt er die Maßstäbe, die dort angewandt werden.

Klimagerecht und wassersensibel könnten auch der Osterfeuerberger Ring und die Bürgermeister-Spitta-Allee als nächstes umgestaltet werden. Für ersteren hätten die Planungen bereits begonnen, über letztere werde noch diskutiert. Brigitte Pieper vom Amt für Straßen und Verkehr schließt nicht aus, dass in zwei Jahren der nächste Umbau eines Straßenzugs nach Vorbild der Münchener Straße kommen könnte: „Je nachdem, wie die Haushaltsberatungen laufen.“ Entschieden sei nämlich noch nichts.

Das „Bündnis für ein grünes Bremen“, das zum Baustellenbesuch in Findorff eingeladen hatte, hält das Vorhaben für einen guten Anfang. Für dessen Mitstreiter Ulf Jacob ist es ein „erstes Pflänzchen“. Ausreichend seien die Bemühungen Bremens, auf den Klimawandel zu reagieren, allerdings noch lange nicht. Jacob fordert nicht nur den Umbau weiterer Straßen nach grünen Maßstäben, sondern auch, dass die Stadt die Begrünung von Dächern in neuen Gewerbe- oder Wohngebieten zur Regel macht.

Dem Bündnis gehören die Architektenkammer und der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten ebenso an wie der Bund für Umwelt- und Naturschutz. Seit Jahren tritt es dafür ein, dass die Stadt versiegelte Flächen verkleinert und auf den Klimawandel reagiert.

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