Großvorhaben soll bis zu 35 Millionen Euro mehr kosten Klinik-Neubau wird ein Jahr später fertig

Bremen. Nach den personellen Veränderungen an der Spitze der sGesundheit Nord ist nun auch der laufende Neubau des Klinikums Mitte an der St.-Jürgen-Straße neu bewertet worden. Bilanz: Das Großvorhaben soll 35 Millionen Euro mehr kosten.
19.06.2012, 05:00
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Klinik-Neubau wird ein Jahr später fertig
Von Wigbert Gerling

Bremen. Nach den personellen Veränderungen an der Spitze der städtischen Krankenhaus-Dachgesellschaft Gesundheit Nord ist nun auch der laufende Neubau des Klinikums Mitte an der St.-Jürgen-Straße neu bewertet worden. Bilanz: Das bisher mit gut 230 Millionen Euro kalkulierte Großvorhaben könnte bis zu 35 Millionen Euro mehr kosten – und mit der Vollendung ist demnach erst im Frühjahr 2016 zu rechnen – ein Jahr später als geplant.

Die städtische Krankenhausgesellschaft Gesundheit Nord hat einen Risikobericht zu Preissteigerungen und Verzögerungen beim Neubau des Klinikums Mitte erarbeiten lassen. Darin sind die Veränderungen in den vergangenen 15 Monaten benannt worden. Demnach gestaltete sich beispielsweise die Vergabe von Bauaufträgen schwieriger als gedacht. Und weil sich unter anderem auch deshalb die Einweihung des Neubaus verschiebt, sind künftige Preissteigerungen bei den Baustoffen oder auch Lohnerhöhungen für die Beschäftigten in der Baubranche einbezogen worden. Das Resultat: Statt mit 230 Millionen Euro muss der Neubau wohl eher mit 260 oder 265 Millionen Euro veranschlagt werden. Wegen der komplizierten räumlichen Rochade bei der Verlegung von Stationen bei laufendem Betrieb könnte der Umzug voraussichtlich 2014 beginnen, aber die endgültige Einweihung des Neubau ist demnach eher für 2016 zu erwarten.

Bauherrin ist die kommunale "Gesundheit Nord" (Geno), die mit ihren rund 8000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu den ganz großen öffentlichen Arbeitgebern im Land Bremen zählt. Zu der Holding gehören neben dem gerade entstehenden Klinikum auch die Krankenhaus-Standorte in Bremen-Ost, Nord und Links der Weser. Im Zusammenhang mit dem Ausbruch tödlicher Keime im Klinikum-Mitte war Anfang März der Geno-Chef Diethelm Hansen beurlaubt worden. Dessen Nachfolgerin wurde Jutta Dernedde.

Bremen gewährt Bürgschaft

Erste sichtbare Vorarbeiten für den Neubau hatte es im Herbst 2010 gegeben. Damit begann das Großvorhaben, das von der Gesundheit Nord verantwortet und betreut wird, die sich bei der Finanzierung auf eine bremische Bürgschaft stützen kann. Mit einer Investition von nun wohl spürbar über 250 Millionen Euro gehört das Projekt zu den größten Investitionen, die je mit städtischer Flankierung auf den Weg gebracht wurden. Der "erste Spatenstich" mit Bürgermeister Jens Böhrnsen wurde vor gut einem Jahr getätigt.

Bald war an der Baustelle organisatorisch Sand im Getriebe. Ein Konflikt um die Vergabe eines 20-Millionen-Auftrags für Rohbauarbeiten sorgte im Herbst vergangenen Jahres für Probleme: Einige Bieter waren mit der Bewertung ihrer Angebote durch die Fachleute der Gesundheit Nord nicht einverstanden und fühlten sich zu Unrecht nicht berücksichtigt. Die Widersprüche der Unternehmen sorgten dafür, dass es über Monate nicht so voranging, wie es der Zeitplan vorgab. Im Februar dieses Jahres war der Fall geklärt.

Diese Auftragsvergabe für den Rohbau gehört zu dem Problempaket , das in dem Risikobericht beschrieben wird. Aber es geht nicht nur um solche Verzögerungen und daraus resultierende Kostensteigerungen. Über eine Million Euro musste offenbar auch zusätzlich aufgewendet werden, um die Planungen für die Bauabläufe auf dem rund 21000 Quadratmeter großen Areal an der St.-Jürgen-Straße zu verbessern. Dazu gab es Verschiebungen im Verhältnis von Verkehrs- und Nutzflächen. Überraschungen gab es demnach auch beim Ausheben der Baugrube. Die Masse an belastetem Boden erwies sich als voluminöser als von Fachleuten zunächst erwartet. Also musste mehr Erdreich teuer entsorgt werden.

Probleme mit Bodenbeschaffenheit

Und auch die Bodenbeschaffenheit war geeignet, Sorgenfalten bei den Planern zu erzeugen. An einigen Stellen wurden im Untergrund mehrere Erdschichten geortet, die nicht die Tragfähigkeit haben, die für den Hochbau nötig sind. Also mussten zusätzliche Bohrpfähle in den Boden getrieben werden. Auch dies schlug mit hohen Beträgen im sechsstelligen Bereich zu Buche.

Ein weiterer Hinweis aus dem Risikobericht zur aktuellen Lage an der Klinik-Baustelle: Wenn mit der Einweihung des kompletten Klinikums erst rund ein Jahr später zu rechnen sei, dann berühre dies nicht nur die Baupreise, die sich mutmaßlich in die Höhe entwickelten. Gleiches könne sich auch einstellen, wenn die Medizintechnik später als erwartet angeschafft werde. Die Preissteigerungsrate für solche Spezialgeräten liege meist bei etwa drei Prozent jährlich.

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