Station für Sterbenskranke im Klinikum Links der Weser

Klinik sammelt für neue Betten

Bremen. Die Warteliste für die Station für Sterbenskranke im Klinikum Links der Weser ist lang. Der Förderverein bis März nächsten Jahres 300.000 Euro an Spenden sammeln, um hier vier neue Betten für Bremen einrichten zu können.
05.12.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Rose Gerdts-schiffler

Bremen. Auf dem Gelände des Klinikums Links der Weser liegt eine Station für Sterbenskranke. Ein Ort, wo medizinische Hilfe auf höchstem Niveau, Therapie, und Seelsorge angeboten und auch ungewöhnliche Wünsche der Kranken berücksichtigt werden.

Die Warteliste ist lang. So will der Förderverein bis März nächsten Jahres 300000 Euro an Spenden sammeln, um hier vier neue Betten für Bremen einrichten zu können.

Bernd Korn ist Ingenieur und wie seine Frau leidenschaftlicher Science-Fiction-Fan. Als bei Sabine Korn Anfang 2011 die Diagnose "Krebs" gestellt wurde, setzte das Paar voller Optimismus auf eine geniale Erfindung in der Zukunft. Irgendwann in den nächsten Monaten oder Jahren würde es ein rettendes Mittel geben. Ein Medikament, das es der zweifachen Mutter erlauben würde, ihre kleinen Töchter Lara und Emily aufwachsen zu sehen. Doch der Krebs wuchs schnell. Die Zukunft, die der immer schwächer werdenden 34-Jährigen blieb, bemaß sich bald nur noch in Tagen.

Im Mai 2011 wurde Sabine Korn auf die Palliativstation Links der Weser verlegt – ein ebenerdiges Gebäude mit acht hellen Patientenzimmern, mit Wintergärten, Räumen für Angehörige und einer Spielecke für die Kinder. Vor allem aber mit einer besonderen Atmosphäre: Es ist ein "guter Ort, der uns im Abschied vom Leben beherbergt", beschreibt die Bremer Gesundheitswissenschaftlerin Annelie Keil die Station.

Bernd Korn, zerrissen zwischen seinen Aufgaben als Vater und Ehemann, zwischen beruflichen Anforderungen und dem Krankenbett seiner Frau, Sorgen und schwindenden Hoffnungen konnte hier loslassen. "Nicht nur Sabine, sondern auch ich wurden von den Mitarbeitern immer wieder gefragt: "Können wir etwas für Sie tun?", erinnert sich der Ingenieur.

Im Nebenzimmer hatten Angehörige den Hund des Todkranken mitbringen dürfen, eigentlich ein absolutes Tabu in Krankenhäusern, doch für den Betroffenen ein ganz besonderes Geschenk. Ebenso wie der Shanty-Chor, der auf Wunsch eines Patienten und auf Vermittlung des Fördervereins auftrat, und der selbst dann noch weiter sang, als einer der acht Schwerkranken im Sterben lag.

"Der Mann ging mit der Musik", sagt Friedrich Thein, der seit sechs Jahren als Vorsitzender des Fördervereins der Palliativstation im Einsatz ist. Bis zum Frühling nächsten Jahres hat sich der Verein einen Kraftakt vorgenommen: Die Palliativstation soll um Therapie- und Aufenthaltsräume sowie vier neue Patientenzimmer erweitert werden. 550000 Euro hierfür kann das Klinikum Links der Weser aus erwirtschafteten Überschüssen bis Ende März zur Verfügung stellen. 300 000 Euro kann der Förderverein beisteuern. Doch um mit den Bauarbeiten beginnen zu können, fehlen dem Verein weitere 300000 Euro an Spenden. "Gelingt es uns nicht, die Summe bis zum Frühjahr zusammen zu bekommen, fließen die 550000 Euro in andere Abteilungen der Klinik", sagt Sonja Schenk vom Förderverein.

"Ein sterbender, leidender Mensch muss die Sicherheit haben, dass es einen Platz geben wird, wo er bis zuletzt sein Leben gut zu Ende leben kann", sagt Heidrun Gitter, Präsidentin der Ärztekammer Bremen. Doch im kleinsten Bundesland herrscht nach Überzeugung vieler Fachleute ein Mangel an Palliativbetten.

Die "Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin" beruft sich auf ein Gutachten für die Enquete-Kommission des Bundestags in Berlin und bezeichnet 30 bis 35 Betten für eine Million Einwohner als "Minimalforderung". Das Land Bremen, als Oberzentrum, versorgt jedoch zusätzlich zu seinen rund 663 000 Einwohnern noch viele Patienten aus Niedersachsen in seinen Kliniken und den Palliativstationen mit ihren insgesamt 20 Betten. "Wir bräuchten aber mindestens noch vier weitere Betten", betont Hans-Joachim Willenbrink, Chefarzt der Palliativmedizin im Klinikum Links der Weser. Durchschnittlich stünden derzeit 15 bis 20 Patienten auf der Warteliste, die in ihren letzten Lebenstagen auf ein Höchstmaß an schmerzlindernder Medizin, pflegerischer Hilfe, Seelsorge und Therapie hofften.

Ursprünglich war das Ziel, möglichst 50 Prozent der Patienten medikamentös gut eingestellt zum begleiteten Sterben wieder nach Hause zu entlassen. Doch da viele erst auf die Station gelangen, wenn sie sich sehr elend und geschwächt fühlen, ist die Sterberate hoch. Für Lara und Emily, die beiden drei und sechs Jahre alten Töchter von Bernd Korn, ist die Palliativstation, dennoch ein positiver Ort in ihrer Erinnerung. Bernd Korn: "Manchmal fragen sie mich, ob wir da mal wieder hin können."

Spendenkonto: Sparkasse Bremen, Kontonummer: 107 1430, BLZ: 290 501 01

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