Reaktion auf den Fund von Keimresten im Schlauch eines Desinfektionsgeräts an der St. Jürgen-Straße Kliniken überprüfen Dosieranlagen

Eine Dosieranlage für Desinfektionsmittel könnte die Quelle für den Keimausbruch im Klinikum Bremen-Mitte sein. Ein Bonner Hygiene-Experte hat im Schlauch einer Dosieranlage Reste von Keimen gefunden. Ein letzter Test steht zwar noch aus, dennoch hat die Nachricht für Aufsehen gesorgt – auch in anderen Bremer Krankenhäusern. Denn: Bei den Dosieranlagen handelt es sich um Standardgeräte, die bundesweit zum Einsatz kommen. Wir haben in einigen Kliniken nachgefragt.
19.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Kliniken überprüfen Dosieranlagen
Von Sabine Doll

Eine Dosieranlage für Desinfektionsmittel könnte die Quelle für den Keimausbruch im Klinikum Bremen-Mitte sein. Ein Bonner Hygiene-Experte hat im Schlauch einer Dosieranlage Reste von Keimen gefunden. Ein letzter Test steht zwar noch aus, dennoch hat die Nachricht für Aufsehen gesorgt – auch in anderen Bremer Krankenhäusern. Denn: Bei den Dosieranlagen handelt es sich um Standardgeräte, die bundesweit zum Einsatz kommen. Wir haben in einigen Kliniken nachgefragt.

Bremen. Es ist der Kunststoffschlauch, durch den Frischwasser in das Desinfektionsmittelkonzentrat fließt. In diesem Verbindungsstück könnten sich die Keime abgesetzt haben, an denen drei Kinder auf der Frühgeborenen-Intensivstation im Klinikum Mitte 2011 gestorben sind. Entdeckt wurden die Keimreste vom Hygiene-Professor Martin Exner. Der Bonner Experte ist vom Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) zur Aufklärung des Keimausbruchs als externer Berater hinzugezogen worden.

"Ob die Keimreste, bei denen es sich um das Erbgut von Klebsiellen handelt, aus dem Schlauch tatsächlich mit dem Ausbruchsstamm identisch sind, das werden wir möglicherweise in ein bis zwei Wochen erfahren. Allerdings kann es auch sein, dass die Proben für eine klare Aussage nicht ausreichen", sagt Martin Eikenberg, verantwortlicher Krankenhaushygieniker für alle vier Geno-Häuser.

Derzeit beschäftigt sich Eikenberg vor allem mit diesen Geräten, wie sie im Erdgeschoss der Frauenklinik an der Wand montiert sind. "Henkel DG 3" ist auf der Dosieranlage für Desinfektionsmittel zu lesen. Die letzte Wartung war im Mai 2012, maximal sechs Wochen ist das her. Unter anderem hier zapfen Reinigungskräfte Desinfektionslösung ab, mit der sie auf den Stationen Fußböden und patientenferne Bereiche wischen. Damit Bakterien und andere Erreger auch wirksam abgetötet werden, muss das Mittel eine bestimmte Konzentration haben. "Der von Fachkommissionen empfohlene Standardwert beträgt 0,5 Prozent", erklärt Eikenberg.

Treten bestimmte Erreger, etwa die für Brech-Durchfälle verantwortlichen Noroviren, auf den Stationen auf, wird die Konzentration auf einen anderen festgelegten Wert erhöht. Eikenberg: "Beide sind in dem Gerät voreingestellt, damit nichts schiefgehen kann." 137 solcher Dosieranlagen sind im Klinikum Mitte im Einsatz. "Einmal im Jahr gewartet, wie es Fachkommissionen empfehlen", betont Eikenberg. "Bei Auffälligkeiten oder Problemen geschieht dies auch außerplanmäßig."

Dieser Fall ist nach dem Keimfund des Bonner Experten eingetreten. "Zur Sicherheit werden alle Dosieranlagen in kritischen Bereichen aufgeschraubt und noch einmal überprüft", erläutert Eikenberg. Kritische Bereiche sind in erster Linie die Intensivstationen. Eikenberg: "Bislang hat es aber keinen Hinweis darauf gegeben, dass von diesen Geräten eine Gefahr für Patienten ausgeht."

Auch in den anderen drei Geno-Häusern sollen laut Eikenberg solche stichprobenartigen Überprüfungen erfolgen: Im Klinikum Links der Weser betrifft dies nach Geno-Angaben 72 Automaten, im Klinikum Ost 15. Im Klinikum Bremen-Nord wird mit sogenannter Beutelware gearbeitet. Dies bedeutet, dass dort Wasser und Desinfektionsmittel per Hand statt von einer Dosieranlage gemischt werden.

Auch die anderen Krankenhäuser in Bremen haben den Keimfund des Bonner Hygiene-Experten aufmerksam verfolgt – und darauf reagiert. Denn: Dosieranlagen, wie sie an der St.-Jürgen-Straße verwendet werden, sind Standardmodelle, die bundesweit in Kliniken zum Einsatz kommen. Um sicherzustellen, dass ihre insgesamt acht Anlagen einwandfrei sind, hat die Roland-Klinik am Werdersee nach eigenen Angaben jetzt einen Sonderauftrag an den Hersteller vergeben – zur "außerordentlichen Wartung in Folge des Keimfundes", wie es heißt. Im Normalbetrieb würden die Automaten routinemäßig von einem Kundendienst gewartet.

"Die Gefahr der Ausbildung von Biofilmen in stillstehenden Dosieranlagen ist uns bereits seit Längerem geläufig", betont Stefan Herget-Rosenthal, ärztlicher Direkter am Roten Kreuz Krankenhaus (RKK). Aus diesem Grund würden zusätzlich zu den routinemäßigen Wartungen und Kontrollen weitere mikrobiologische Proben aus den insgesamt neun Anlagen entnommen. Herget-Rosenthal: "Aus verschiedenen Stellen des Schlauchsystems, zum Beispiel nach Anlagenstillstand wegen erforderlicher Reparaturen. Daneben wird die Dosierung des Desinfektionsmittels deutlich häufiger kontrolliert als vom Hersteller empfohlen."

Im Krankenhaus St. Joseph-Stift sind nach Angaben einer Sprecherin 47 Dosiergeräte installiert. Eine Verkeimung in den Anlagen sei nicht möglich, da Wasser und leitungsführende Teile nach der Entnahme am Gerät austrockneten. Zudem sei die Bildung eines Biofilms maßgeblich von der Beschaffenheit des Verbindungsschlauchs abhängig. "Daher sind alle unsere Geräte, anstelle eines Kunststoffschlauchs, über eine feste Rohrleitung an das Leitungsnetz angeschlossen – um der Bildung eines Biofilms entgegenzuwirken", so die Sprecherin.

Der Untersuchungsausschuss "Krankenhauskeime" setzt heute seine öffentliche Beweisaufnahme fort: Zeugen sind Daniela Wendorff und Robert Pfeiffer, Geschäftsführer am Klinikum Bremen-Mitte.

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