Facharztpraxis lässt Verbleib in Bremen-Nord offen Klinikum baut Mini-Kardiologie auf

Bremen-Nord. Das Klinikum Nord will sein Behandlungsspektrum um ein kardiologisches Angebot erweitern. Geplant ist eine Station mit sieben Betten. Ob dabei mit der benachbarten Facharztpraxis "Kardio Bremen" zusammengearbeitet wird, ist noch unklar.
18.01.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Klinikum baut Mini-Kardiologie auf
Von Jürgen Theiner

Bremen-Nord. Das Klinikum Nord will sein Behandlungsspektrum um ein kardiologisches Angebot erweitern. Geplant ist, unter dem Dach der Inneren Medizin eine Station mit sieben Betten für Herzpatienten einzurichten. Ob dabei mit der benachbarten Facharztpraxis "Kardio Bremen" zusammengearbeitet wird, ist noch unklar. Denn nach einem lange schwelenden Konflikt mit der kommunalen Krankenhaus-Dachgesellschaft Gesundheit Nord (GeNo) hat sich "Kardio Bremen" neu orientiert.

Bremen-Nord. Kardiologische Versorgung in Bremen-Nord - ein langes und teils unerfreuliches Kapitel. Vor fünf Jahren hatte die GeNo auf dem Krankenhausgelände an der Hammersbecker Straße ein Facharztzentrum errichtet. Klinik und spezialisierte niedergelassene Ärzte, so die zugrunde liegende Idee, könnten sich mit ihren Kompetenzen gegenseitig unterstützen. Als einen der Mieter für das neue Haus warb das Klinikum die kardiologische Gemeinschaftspraxis Horstkotte/Meyer-Michael an. Die beiden Mediziner investierten in ein Herzkatheterlabor, das sowohl für Diagnostik als auch für die Behandlung akuter Herzprobleme genutzt werden kann.

Doch plötzlich steuerte die GeNo unter ihrem neuen Chef Diethelm Hansen einen anderen Kurs. Von Patientenaustausch zwischen Klinik und Kardiologenpraxis war keine Rede mehr. Nun lautete die Parole: Profilbildung an den vier Bremer GeNo-Standorten. Alle Leistungen rund ums Herz sollten nur noch am Klinikum Links der Weser angeboten werden. Für Nordbremer mit akuten Herzbeschwerden hieß das: Keine Behandlung im privaten Herzkatheterlabor an der Hammersbecker Straße, sondern Weitertransport nach Kattenturm.

Kommt Bewegung in die Fronten?

Obwohl die Praxis Horstkotte/Meyer-Michael durch diesen Rückzieher der GeNo eines Teils ihres möglichen Patientenaufkommens beraubt wurde, kam sie ganz gut vom Fleck. Sie hat sich unter der Bezeichnung "Kardio Bremen" zwischenzeitlich zu einer größeren Ärztesozietät mit einem weiteren Standort in Schwachhausen entwickelt. Ungeachtet der einseitigen Abschottung durch die GeNo gibt "Kardio Bremen" sogar immer wieder Patienten nach ambulanter Behandlung zur Beobachtung auf die Stationen des Klinikums Nord.

Durch eine Veränderung in der Bremer Krankenhauslandschaft könnte nun Bewegung in die starren Fronten kommen. Das Rotes-Kreuz-Krankenhaus (RKK) in der Neustadt, eine Klinik in freier Trägerschaft, schickt sich an, einen kardiologischen Schwerpunkt aufzubauen. Es will ein wenig am herzmedizinischen Monopol des LdW kratzen. Als Partner setzt RKK-Geschäftsführer Walter Klingelhöfer auf das von der GeNo verschmähte "Kardio Bremen". Eine Kooperationsvereinbarung ist unterzeichnet, und wie von Klingelhöfer zu erfahren ist, werden die Nordbremer Kardiologen Praxisräume in einem Ärztehaus beziehen, das gerade in der Nachbarschaft des RKK errichtet wird.

Die Frage ist nun, ob "Kardio Bremen" überhaupt in Bremen-Nord bleibt oder sich ganz auf den neuen Standort konzentriert. "Das sind Überlegungen, die wir gerade anstellen", sagt Kai-Christian Koch, der als habilitierter Herz-Experte zu den Partnern von "Kardio Bremen" gehört.

Auf den Schachzug des RKK hat die GeNo zwischenzeitlich reagiert - eben mit besagten sieben kardiologischen Betten und entsprechender fachärztlicher Zusatzausstattung am Klinikum Nord. Was der kommunale Krankenhausverbund damit bezweckt, ist auch Insidern nicht völlig klar. Handelt es sich um eine taktische Antwort auf den RKK-Vorstoß? Will man der Abwanderung von Herzpatienten aus dem nördlichen Stadtgebiet ans RKK einen Riegel vorschieben? Fest steht, dass der Aufbau einer Nordbremer Mini-Kardiologie im Widerspruch steht zu dem von Hansen entwickelten medizinischen Zentrenkonzept der GeNo, das auf die Bündelung von Kompetenzen an einzelnen Standorten setzt.

Möglicherweise öffnet die Aufweichung dieses Prinzips aber auch die Tür für eine Wiederannäherung von Klinikum Nord und "Kardio Bremen" nach Jahren des Nebeneinanders. Denn GeNo-Sprecher Daniel Goerke macht kein Geheimnis daraus, dass das Klinikum Nord beim Aufbau der neuen Abteilung einen fachärztlichen Kooperationspartner gut gebrauchen könnte. Ob eine solche Zusammenarbeit für "Kardio Bremen" jetzt noch in Frage kommt - Kai-Christian Koch lässt es offen. "Es hat da im Herbst vergangenen Jahres erste Gespräche mit dem scheidenden Klinikchef Uwe Schmidt gegeben, aber da blieben viele Fragen ungeklärt", erinnert sich Koch.

In der Gesundheitsbehörde weist Sprecherin Karla Götz darauf hin, dass die konkrete Gestaltung des künftigen kardiologischen Angebots am Klinikum Nord noch ausstehe. Zwar habe die Gesundheitsdeputation der Bürgerschaft Ende 2011 der Einrichtung der Mini-Kardiologie zugestimmt. Für die Details sei aber ein anderes Gremium zuständig, nämlich der sogenannte Planungsausschuss. Dort sind neben der Behörde Vertreter von Kassen, Ärztekammer, Bremer Krankenhausgesellschaft und anderen Akteuren des Gesundheitswesens vertreten. Wenn dieser Kreis Anfang Februar das nächste Mal zusammenkommt, steht Bremen-Nord auf der Tagesordnung.

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