Tag der offenen Tür

Klinikum Bremen-Mitte: Neubau fast bezugsfertig

Der Neubau des Klinikums Bremen-Mitte ist fast bezugsfertig, im Mai sollen die ersten Betten für Patienten dort bereit stehen. Beim Tag der offenen Tür gewährte das Klinikum erste Einblicke.
31.03.2019, 19:49
Lesedauer: 4 Min
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Klinikum Bremen-Mitte: Neubau fast bezugsfertig
Von Lisa-Maria Röhling
Klinikum Bremen-Mitte: Neubau fast bezugsfertig

Beim Rundgang im Klinikneubau konnten die Besucher auch einen Blick in die Operationssäle werfen. Im normalen Klinikbetrieb wird das nicht mehr möglich sein.

Frank Thomas Koch

Noch laufen die Uhren nicht. Wer die Flure des Neubaus am Klinikum Bremen-Mitte betritt, sieht sie überall hängen, einige sind noch mit Folie überzogen. Ihre drei Zeiger sind auf der Zwölf versammelt. Ganz, als stehe dem Start nichts mehr im Wege. Wie genau das Gebäude kurz vor der Inbetriebnahme aussieht, davon konnten sich die 5000 Besucher des Tages der offenen Tür am Sonntag ein Bild machen.

Der Start soll tatsächlich in ein paar Wochen anstehen: Schon Mitte Mai werden die ersten Stationen des Klinikums in den Neubau umziehen, zunächst die innere Medizin, dann im September die Chirurgie mit Intensivstation, Ambulanz und Zentral-OP. „Das ist eine Herausforderung im laufenden Betrieb“, erklärt Bauprojektleiter Michael Bester-Voß. Mit dem Bezug des Neubaus verkleinert sich das Klinikum von mehr als 20 Hektar Grundfläche auf knapp sechs.

Neubau erstreckt sich über fünf Ebenen

Auch wenn die Uhren noch nicht ticken: An diesem Sonntag herrscht reger Betrieb. Viele Menschen sind gekommen, um die neuen Klinikflure bei einer Führung zu erkunden. Aus den Wänden hängt noch das ein oder andere Kabel, Büros sind leer, einige Möbelstücke stehen noch in Luftpolsterfolie eingewickelt in der Ecke. Das ein oder andere Licht funktioniert noch nicht, hier und da zuckt das Licht einer Lampe noch unstetig.

Der Aufbau der Stationen, erklärt Irmgard Danne aus der Betriebsorganisation des Klinikums, ist auf jeder Ebene des Gebäudes gleich. Dass sich das Klinikum durch den Neubau zumindest in der Fläche verkleinert, findet sie gut. „Es macht die Wege deutlich kürzer.“ Über fünf Ebenen inklusive Keller und Erdgeschoss erstreckt sich der Neubau. An diesem Sonntag führt Danne die verschiedenen Besucher in zügigem Tempo dort hindurch, um ihnen ein möglichst detailreichen Überblick zu ermöglichen. Nachdem sie ihre Gruppe im Eingangsbereich in Empfang genommen hat, läuft sie schnellen Schrittes eine Treppe in den ersten Stock hoch.

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Dort zeigt sich das, was in allen übrigen Stockwerken baulich gleich aussieht: Überall gibt es einen Empfangstresen für die Patienten, hinter dem Stationszimmer und Arztzimmer angeschlossen sind. Jede Station, die bremische Namen wie „Bürgerpark“, „Werder“ oder „Glocke“ trägt, biete Platz für 40 Betten, sagt Danne. Insgesamt soll es im Neubau, wenn der Umzug 2020 beendet ist, 818 Betten geben. Größer werden die Klinikkapazitäten damit nicht. „Wir ziehen mit allen bisherigen Betten hierher“, sagt Danne.

Auf alle Chirurgie-Disziplinen vorbereitet

Wie ein Zimmer aussehen könnte, kann die Betriebsorganisatorin ebenfalls zeigen: Eines ist schon voll eingerichtet, die zwei Betten darin werden durch hohe Schränke aus hellem Holz voneinander abgeschirmt. „Da soll ein wenig Privatsphäre gewahrt werden“, sagt sie. Der Blick ins Freie, sagt sie und zeigt aus dem hohen Fenster, sei von beiden Betten möglich. Auch das große Badezimmer direkt am Eingang jedes Zimmers sei ein echter Gewinn. „Das ist eine große Erleichterung“, sagt Danne. „Da waren wir hier bisher etwas hinterher.“

Lange verweilen ist in dem Zimmer nicht möglich, schon steht die nächste Besuchergruppe vor der Tür und wirft erste, neugierige Blicke hinein. Danne schlägt deshalb den Weg zu den OP-Sälen ein. In einem der Räume zeigt eine Ärztin gerade, wo die Patienten ankommen werden, wie sie im Vorraum auf den jeweiligen Eingriff vorbereitet werden und wie genau ein OP-Saal aussieht. Auch eine Grundausrüstung für einen Eingriff ist dort sorgfältig auf einem Metalltablet drapiert.

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Das Klinikum, sagt sie, sei im neuen Gebäude auf alle zwölf Chirurgie-Disziplinen, also beispielsweise die allgemeine oder die Unfallchirurgie, vorbereitet. Erwachsene und Kinder sollen hier getrennt werden und jeweils von unterschiedlichen Stationen direkt in den OP und von dort wieder in getrennte Aufwachräume gebracht werden. Das soll alles modern, schnell und effizient ablaufen. Deswegen gibt es im Vorraum für den OP zum Beispiel eine Metallschublade, die aus der Wand ragt. Dort sollen künftig über ein hausinternes System Bluttransfusionen ankommen.

Auch die Intensivstation ist an dieses System angeschlossen: Dorthin führt Danne ihre Gruppe als nächstes. In der Mitte der 36-Betten-Beatmungsstation ist ein verglaster Tresen der sogenannte Stützpunkt für das Klinikpersonal. Direkt neben den durchsichtigen Rohren für die Hauspost verlaufen dort jene für die Bluttransfusionen. Die Hauspostrohre dürfen nämlich nicht für den Bluttransport verwendet werden: Die Geschwindigkeiten dort sind zu hoch, die schnellen Bremsungen gefährlich für die Blutkörperchen.

Ein paar alte Systeme bleiben erhalten

Sechs Konserven können dort innerhalb von zehn Minuten transportiert werden, sagt Danne. Daniel Scholtyschik ist Arzt auf der Intensivstation und zeigt an einem der Patientenzimmer, wie modern die Klinik künftig ausgestattet ist: Über den Betten sind bereits Herzmonitore angebracht, die auch an diesem Tag schon ein leises Piepen von sich geben und in deren Bildschirm sich fiktive Herztöne in kleinen Kurven abbilden. Neben den Versorgungsgeräten fällt ein weiterer Monitor, den Scholtyschik zeigt, zunächst gar nicht auf. Über ihn sollen aber künftig Patientenakten in jedem Zimmer aufrufbar sei, das sei bei den versorgungsintensiven Beatmungspatienten sehr wichtig. „Es ist alles digital“, sagt Scholtyschik. „Das ist die Zukunft.“

Obwohl die Zukunft des Klinikums hochtechnisiert und digital ist, bleiben auch im Neubau des Klinikums ein paar alte Systeme erhalten. Das zeigt Danne im Keller des Gebäudes: Dort ist nicht nur das Tunnelsystem beherbergt, aus dem heraus künftig 18 fahrerlose Transportwagen alle Stationen mit Essen und Materialien versorgen sollen. Auch die Zentrale der Hauspost ist in den unterirdischen Tunneln verborgen. Und dort werden immer noch Informationen über Plexiglasrohre von Station zu Station verschickt.

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