Zertifikat der Krebsgesellschaft Klinikum Mitte: Bremens erstes Onkologisches Zentrum

1300 neu an Krebs erkrankte Patienten gibt es jährlich im Bremer Klinikum Mitte. Das Klinikum hat nun als erstes in Bremen von der Deutschen Krebsgesellschaft das Zertifikat "Onkologisches Zentrum" bekommen.
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Klinikum Mitte: Bremens erstes Onkologisches Zentrum
Von Sabine Doll

1300 neu an Krebs erkrankte Patienten gibt es jährlich im Bremer Klinikum Mitte. Das Klinikum hat nun als erstes in Bremen von der Deutschen Krebsgesellschaft das Zertifikat "Onkologisches Zentrum" bekommen.

Karl-Walter Loennies kommt beim Erzählen immer wieder ins Stocken. Er muss weinen. Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass der 65-Jährige zum Krebspatienten wurde. „Ich bin mit diffusen Beschwerden ins Klinikum Mitte eingeliefert worden. Dass es Krebs ist, war klar. Aber welcher?“ Schließlich steht die Diagnose fest: Lymphdrüsenkrebs. Die Ärzte machen ihm Hoffnung – und behalten Recht. Er übersteht die Behandlung, gilt als geheilt.

Dann das: Bei einer Nachkontrolle fällt ein winziger Schatten in der Lunge auf. Mehrere Spezialisten, darunter Radiologen, kommen in einer Tumorkonferenz zusammen und stellen fest: Karl-Walter Loennies hat Lungenkrebs. Auch diese Therapie ist erfolgreich, aber die Ereignisse haben den 65-Jährigen bis heute sehr mitgenommen.

Spezialisten an einem Tisch

„Dass der Lungenkrebs so frühzeitig festgestellt und erfolgreich behandelt werden konnte, ist unter anderem der Tumorkonferenz zu verdanken“, sagt Matthias Bormann, Internist und Krebsspezialist am Klinikum Bremen-Mitte. In diesem Gremium kommen Ärzte aus mehreren Fachrichtungen zusammen, um Befunde und Diagnosen zu besprechen und Therapieempfehlungen für Krebspatienten zu geben. Dazu zählen unter anderem Radiologen, Onkologen, Strahlentherapeuten, Chirurgen, aber auch Vertreter aus anderen Bereichen wie der Psychoonkologie und der Pflege. Je nach Fall und Krebserkrankung werden auch Physiotherapeuten, Logopäden oder Ernährungsberater einbezogen.

Die zweimal in der Woche tagende und fächerübergreifende Tumorkonferenz ist fester Bestandteil eines Konzepts, das die Deutsche Krebsgesellschaft von Krankenhäusern verlangt, wenn sie sich als Onkologisches Krebszentrum zertifizieren lassen wollen. Rund 81 dieser Zentren gibt es nach Angaben der Gesundheit Nord (Geno) in Deutschland. „Die Hürden dafür sind sehr hoch. Das Klinikum Mitte hat alle notwendigen Qualitätsanforderungen dafür erfüllt und ist jetzt Bremens erstes und einziges Onkologisches Zentrum für die Behandlung von Krebspatienten“, sagt dessen Leiter, Bernd Hertenstein.

In einem solchen Zentrum müssen Diagnose, Behandlung, Nachsorge, regelmäßige Kontrolluntersuchungen und die Tumordokumentation nach einem standardisierten Verfahren ablaufen. „Nur eine Klinik, die das vorhalten kann, wird zertifiziert“, sagt Hertenstein. Sie müsse alle Therapien nach dem aktuellsten wissenschaftlichen Stand garantieren, bei Krebserkrankungen sind das operative, medikamentöse und strahlentherapeutische Verfahren. „Die Patienten erhalten die bestmögliche Qualität in der Krebstherapie.“

1300 Patienten mit neuer Krebs-Diagnose

Im Onkologischen Zentrum werden nach Geno-Angaben alle Tumorerkrankungen – einschließlich der seltenen Tumore – diagnostiziert und behandelt. Dazu gehörten Tumoren der Speiseröhre, des Magens, des Kopfes und des Kehlkopfes, der Bauchspeicheldrüse, der Gallenwege sowie urologische und gynäkologische Krebsleiden. Auch Leukämien, Lymphome und Myelome gehörten zu den Schwerpunkten des neuen Zentrums. „Insgesamt sind es 1300 neu an Krebs erkrankte Patienten, die jährlich am Klinikum Mitte behandelt werden“, sagt Hertenstein.

Für Matthias Bormann ist die Tumorkonferenz „das Herz des Onkologischen Zentrums“, wie der Arzt betont. „Das ist die Schnittstelle, hier kommen alle Experten zusammen und beurteilen jeden einzelnen Patienten. Und zwar, bevor wesentliche Therapieschritte begonnen werden.“ Je nach Fall seien es bis zu 25 Experten, die Befunde, Diagnosen und Behandlung diskutieren. Immer montags und dienstags tagt das Expertengremium, die Termine seien Pflicht.

Zur Aufgabe der Onkologischen Zentren gehört auch die Prävention: Patienten darüber aufklären, wie Krebserkrankungen entstehen, was Risikofaktoren sind. Hierfür gebe es regelmäßige Veranstaltungen.

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