Krankenhausspiegel Bremen Klinikum Nord hat die meisten unzufriedenen Patienten

Die meisten unzufriedenen Patienten in Bremen sind im Klinikum Bremen-Nord zu finden. Das geht aus dem neuen Krankenhausspiegel hervor.
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Klinikum Nord hat die meisten unzufriedenen Patienten
Von Patricia Brandt

Die meisten unzufriedenen Patienten in Bremen sind im Klinikum Bremen-Nord zu finden. Das geht aus dem neuen Krankenhausspiegel hervor, den die Krankenhausgesellschaft in Kooperation mit dem Senator für Gesundheit herausgegeben hat.

Um einzuschätzen, wie zufrieden die Bremer mit ihren Krankenhäusern sind, wurden 2014 nach Angaben der Bremer Krankenhausgesellschaft erstmals mehr als 16 500 Patienten zu einzelnen Fachabteilungen befragt. Mehr als die Hälfte davon hat den Fragebogen auch ausgefüllt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor: Die Kliniken erreichten demzufolge Durchschnittswerte von mehr als 90 Prozent. Das Klinikum Bremen-Nord jedoch landete in mehreren Kategorien auf dem letzten oder vorletzten Tabellenplatz.

Nur bei Ausstattung im Mittelfeld

Beispiel ärztliche Betreuung. Die Patienten wurden unter anderem gefragt, ob ihnen die Untersuchungsergebnisse verständlich erklärt wurden. Und auch, ob die Ärzte freundlich waren, sich gekümmert haben und ob sich ein Vertrauensverhältnis gebildet hat. Ergebnis: Die durchschnittliche Zufriedenheit der Patienten mit der ärztlichen Betreuung in Bremens Krankenhäusern beträgt 76 Prozent, im Klinikum Bremen-Nord gerade mal 68 Prozent. Zum Vergleich: Einen Spitzenwert erhielt hier die Paracelsus-Klinik mit 92 Prozent.

Auch bei der Bewertung des Essens (kamen die Mahlzeiten wie bestellt, waren sie warm und haben sie überhaupt geschmeckt?) brachten die Patienten mit 73 Prozent das Nordbremer Krankenhaus auf den letzten Platz. Einen Spitzenwert erreichte in dieser Kategorie ebenfalls die Paracelsus-Klinik mit 90 Prozent. Bei der Beurteilung der Behandlung und Betreuung insgesamt und der pflegerischen Betreuung wählten die Nordbremer ihr Krankenhaus auf den vorletzten Platz. Lediglich bei der Ausstattung landete Bremen-Nord im Mittelfeld.

Das Krankenhaus hat inzwischen erkannt, dass Handlungsbedarf besteht. „Einerseits ist offensichtlich die Behandlungsqualität gut, aber andererseits verlassen zu viele Patienten das Klinikum mit einem unzufriedenen Gefühl. Daran werden wir in den kommenden Jahren arbeiten müssen“, sagt Daniel Goerke, Sprecher des Klinikverbunds Gesundheit Nord, kurz Geno. Strukturelle Veränderungen seien bereits anvisiert: „Der Bereich aus dem wir erfahrungsgemäß die meisten Beschwerden bekommen, ist die Aufnahmestation. Daher haben wir uns dazu entschlossen, schon zu Beginn des kommenden Jahres die Arbeitsabläufe in der Aufnahme zu verändern. Wir werden eine Kurzlieger-Station eröffnen, damit die Patienten schneller auf andere Stationen weiterverlegt werden können und die Aufnahmestation entlastet wird.“

Außerdem lege die neue Krankenhausleitung großen Wert auf eine angemessene Kommunikation und einen wertschätzenden Umgang mit den Patienten. Goerke: „Auch in diesem Bereich können wir uns sicher noch verbessern.“

Verbesserungsbedarf sieht auch die Unabhängige Patientenberatung in Bremen. „Wenn sich herausstellt, dass das Nordbremer Krankenhaus bei der Patientenzufriedenheit nicht gut abschneidet, sollte gesundheitspolitisch etwas passieren“, sagt eine Mitarbeiterin. Möglicherweise seien die Probleme nicht auf Einzelne zurückzuführen, sondern lägen im System begründet. „Es kann kein Zufall sein, dass alle Kliniken in freier Trägerschaft auf den Spitzenplätzen landen, während die vier Geno-Häuser die geringste Patientenzufriedenheit hinsichtlich ärztlicher und pflegerischer Betreuung aufweisen“, meint auch der FDP-Kreisvorsitzende Rainer W. Buchholz. Die FDP fühlt sich bestätigt: „Die Geno ist und bleibt für uns Liberale ein überflüssiger Wasserkopf. Sie kann es nicht und kostet uns Unsummen, die in eigenständigen Kliniken mit freien Trägern erheblich besser angelegt wären.“

Es wäre zu platt, zu sagen, dass mit der Einbuße der Eigenständigkeit des Klinikums auch die Qualität verloren gegangen sei, meint hingegen der SPD-Gesundheitspolitiker Winfried Brumma. Gleichwohl müsse nun Ursachenforschung betrieben werden, warum die Patienten so unzufrieden sind.

Ähnlich beurteilt die Gesundheitspolitikerin der Grünen in der Bürgerschaft, Kirsten Kappert-Gonther, die Ergebnisse des Krankenhausspiegels: „Es gibt keinen Hinweis, dass der Fehler im System liegt. Schlimmer wäre, wenn die medizinischen Leistungen schlecht wären.“

„Obwohl die Behandlungsergebnisse gut sind, kommt Bremen-Nord einfach nicht von den mäßigen Werten bei der Patientenzufriedenheit weg. Das muss man ernst nehmen. Denn ähnliche Ergebnisse gab es nicht nur in den Vorjahren, sondern zum Beispiel auch bei den Erhebungen der Krankenkassen“, stellt Claudia Bernhard, Fraktion Die Linke, fest. Es müsse geprüft werden, ob der Ankündigung von Geno und Senat, im „weißen Bereich“ dürfe nicht weiter gespart werden, wirklich Taten gefolgt sind: „Wenn zu wenig Personal vorhanden ist, ist die Zeit für das ausführliche Patientengespräch eben nicht da.“

Während die schlechten Ergebnisse bei Cord Degenhard (BIW) „alle Alarmglocken schrillen“ lassen, bricht Rainer Bensch von der CDU-Fraktion in der Bürgerschaft eine Lanze für das Klinikum: „Für mich persönlich ist die Qualität des medizinischen Eingriffs wichtiger als die Zufriedenheit über das Frühstück. Aus diesem Grunde steht für mich das Klinikum Bremen-Nord bei einer Reihe von medizinischen Disziplinen weiterhin ganz oben.“ Das Klinikum Bremen-Nord weise etwa bei Komplikationen infolge eines Oberschenkelhalsbruchs mit nur 1,2 Prozent den in Bremen deutlich niedrigsten und somit besten Wert auf.

Ergebnisse zur Patientenzufriedenheit gibt es unter www.bremer-krankenhausspiegel.de.

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