Förderverein bekommt Schwesternheim geschenkt und will das Gebäude abreißen

Knoops Park wächst

St. Magnus. Die Tage des alten Schwesternwohnheims in Knoops Park sind gezählt. Die jetzige Eigentümerin der Immobilie, die Wohnungsgesellschaft Vonovia, hat das Gebäude dem Förderverein Knoops Park geschenkt.
27.04.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller
Knoops Park wächst

Noch ist eine Grundschuld auf das Gelände eingetragen, Christof Steuer ist aber zuversichtlich, dass sich die Sache klären lässt.

Christian Kosak

Die Tage des alten Schwesternwohnheims in Knoops Park sind gezählt. Die jetzige Eigentümerin der Immobilie, die Wohnungsgesellschaft Vonovia, hat das Gebäude dem Förderverein Knoops Park geschenkt. Der will nun endlich das tun, was er seit vielen Jahren vorhat: das ehemalige Schwesternwohnheim abreißen und das Gelände dem Park einverleiben. Allerdings gibt es bei der Sache noch einen Haken.

„Wir sind mit der Vonovia handelseinig geworden“, sagt der Parkverein-Vorsitzende Christof Steuer. „Der Vertrag ist unterschrieben“, bestätigt das Wohnungsunternehmen mit Sitz in Bochum. Nach Angaben der Vonovia ist das ehemalige Schwesternwohnheim dem Förderverein Knoops Park zum 1. April übertragen worden. Der Verein braucht nicht einen Cent dafür zu bezahlen. „Wir haben dem Verein die Immobilie kostenlos überlassen, um die Vereinsarbeit und die Entwicklung von Knoops Park zu unterstützen“, heißt es vonseiten der Vonovia. Die Übertragung sei mit „keinerlei Auflagen für den Verein“ verbunden gewesen, so Unternehmenssprecher Max Niklas Gille.

Das Grundstück mit dem alten Schwesternwohnheim in Knoops Park hatte der Immobilienkonzern Deutsche Annington, der im vergangenen Jahr zur Vonovia umfirmierte, 2014 erworben. Für die Entscheidung, sich jetzt von der Immobilie zu trennen, spielten laut Gille Rentabilitätsgründe eine Rolle. „Das Gebäude war für uns nicht mehr wirtschaftlich“, sagt der Vonovia-Sprecher und verweist auf den langen Leerstand. Für eine Wohnnutzung des Gebäudes, das weder über eine geregelte öffentliche Erschließung noch einen Anschluss an die Kanalisation verfügt, hätte das Unternehmen Geld in die Hand nehmen müssen. Bauliche Veränderungen seien aufgrund der Lage im Park schwierig umzusetzen.

Für den Förderverein Knoops Park hat sich sein langer Atem am Ende doch noch ausgezahlt. Die Erleichterung bei Vorstand und Mitgliedern über die jetzt erzielte Einigung ist groß. Macht sie doch den Weg frei für einen Abriss des Gebäudes. Dass der Vereinsvorsitzende Christof Steuer trotzdem noch nicht von einem Durchbruch sprechen mag sondern vorsichtiger von einer „Sache in halbtrockenen Tüchern“, hat einen Grund. Eine Hürde ist laut laut Steuer noch zu nehmen. „Im Grundbuch ist auf das Gelände eine Grundschuld eingetragen.“

Laut Steuer geht es um eine „alte Grundschuld“ von 125 000 DM für die Stadtgemeinde Bremen. Ob der Betrag tatsächlich noch zu tilgen ist oder nur noch auf dem Papier steht, sei offen. Ein Notar ist eingeschaltet worden, um die Sache zu klären und zu regeln.

„Wir waren überrascht, dass da noch ein alter Wurm drinsteckt“, sagt Steuer. Er stellt auch klar: Der Verein könne eine eventuelle finanzielle Altlast nicht schultern. „Wir werden die Grundschuld nicht übernehmen.“ Was das in der Konsequenz bedeuten würde? „Der Vertrag sieht als Bedingung vor, dass die Grundschuld im Grundbuch gelöscht wird. Ohne die Löschung wird die Eigentumsübertragung nicht erfolgen. Der Vertrag hätte sich dann erledigt.“

So pessimistisch mag der Parkvereins-Vorsitzende aber eigentlich gar nicht denken. Die Vereinbarung mit der Vonovia habe den Förderverein einen entscheidenden Schritt vorangebracht, betont Steuer. „Wir sind kurz vor dem Ziel.“ Seit Jahren fordern die Parkförderer, das marode Schwesternheim abzureißen. „Das Gebäude ist nicht mehr nutzbar.“ Was für den Vorsitzenden noch schwerer wiegt: Knoops Park sei Landschaftsschutzgebiet und Gartendenkmal. „Das Gebäude, das nicht unter Denkmalschutz steht, wird als störender Schandfleck empfunden.“ Noch dazu stehe es in einem Bereich, der das Herz des Parks sei.

Die Pläne der Parkfreunde: Die Fläche soll in den Park integriert werden. Den Abriss will der Verein auf eigene Kosten übernehmen. „Das werden wir schaffen“ ist der Vorsitzende zuversichtlich. Der Verein habe über Jahre Bürgerpark-Tombolamittel auf die hohe Kante gelegt. Ursprünglich sollte das Ersparte dazu dienen, das alte Schwesternwohnheim zu kaufen, um es dann abreißen zu lassen. 2006 lehnte die damalige Eigentümerin, die Vitus-Gruppe, ein Kaufangebot des Vereins ab. 125 000 Euro wollten die Parkfreunde damals bezahlen. Ein Teil des Geldes sei inzwischen zwar für andere Projekte ausgegeben worden, so Steuer. „Der Rest reicht aber immer noch, um die Abrisskosten zu übernehmen.“ Außerdem setzen die Parkfreunde auf die Hilfe von Sponsoren.

Nach dem Abriss des Hauses will der Verein das rund 3600 Quadratmeter große Grundstück der Stadtgemeinde Bremen als Parkfläche übergeben. An der künftigen Planung für die Neugestaltung des Areals wollen sich die Parkförderer beteiligen. „Das ist eine schöne Aufgabe für den Verein“, meint Steuer. Eine, die den Förderverein nach seinen Worten länger begleiten wird. „Das ist ein Projekt, das ich bestimmt an mehrere Nachfolger weitergeben werde“, sagt der Vorsitzende, den die Mitglieder jüngst in der Jahreshauptversammlung für drei weitere Jahre wiederwählten.

Mit seinem Wunsch, das 1957 für die damalige Lungenheilstätte „Haus Schotteck“ erbaute Schwesternwohnheim abzureißen und das Gelände in den Park zu integrieren, weiß der Verein das Bauamt Bremen-Nord und die Politik hinter sich. „Das ist eine Lösung, die wir fachlich gut mittragen können“, sagt Amtsleiter Maximilian Donaubauer. Dem Baumt ist die „Privatinsel“ des früheren Schwesternheims im öffentlichen Park seit Langem ein Dorn in Auge. Im September 2014 hatte sich auch der Bauausschuss des Beirates Burglesum für einen Abriss und eine Umgestaltung des Geländes als Parkfläche ausgesprochen.

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