Gesunkenes Schiff

Kogge sank wegen Ventil-Defekts

Bremen. Die Bergung der Hansekogge hat begonnen. Derzeit wird das Wasser aus dem Schiffswrack gepumpt. Auch der Grund wurde gefunden: ein defektes Ventil.
29.01.2014, 09:12
Lesedauer: 2 Min
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Von Sara Sundermann und Stefan Lakeband

Die Hansekogge wird derzeit geborgen. Seit heute Morgen um etwa 6 Uhr laufen die Maschinen, um das Wasser aus dem Nachbau des Handelsschiffs zu pumpen. Mittlerweile ist auch die Ursache klar.

Grund für den Untergang der Bremer Hansekogge war nach Angaben der Reederei Hal Över ein kaputtes Seeventil. Das Ventil befindet sich im Bereich des Hecks auf der Wasserseite der Kogge. Solche Ventile dienen dazu, im Falle eines Brandes an Bord Löschwasser aus dem Fluss zu holen. Ob das Ventil durch Materialermüdung oder durch den Frost kaputt ging, ist derzeit unklar.

Auf jeden Fall konnten große Mengen Wasser durch das schadhafte Ventil eindringen: "Es hat richtig ins Schiffsinnere hinein gesprudelt", sagt Dieter Stratmann, Geschäftsführer von Hal Över. Er brach nach dem Untergang der Kogge seinen Urlaub ab und ist jetzt vor Ort. Um die Kogge zu bergen, wurde zunächst wurde das Wasser im Inneren abgepumpt, dann das Ventil mit einem Lecksegel aus wasserundurchlässigem Material abgedichtet.

Dieter Stratmann und sein Kollege Harro Koebnick sind erleichtert. "Gestern konnten wir uns noch nicht vorstellen, dass wir die Kogge so schnell heben können", sagte Stratmann am Mittwochvormittag. "Jetzt ist das Wichtigste geschafft."

Doch es bleibt viel zu tun: Hydraulik und Elektronik funktionieren derzeit nach dem Tauchgang der Kogge nicht. Das Schiff ist also nicht fahrbereit und muss abgeschleppt werden. "Wir müssen den Mast flach legen, der 10 Tonnen wiegt", sagte Stratmann. Normalerweise geschieht das hydraulisch, jetzt muss der Mast mechanisch mithilfe eines Krans gelegt werden.

Noch in der Nacht zu Mittwoch war es gelungen, Pumpen zu organisieren. Seitdem sind zehn bis zwölf Personen im Einsatz - Mitarbeiter von Hal över, aber auch von einer Bergungsfirma. Diese habe zwar noch keinen offiziellen Auftrag, ihr Urteil sei jedoch wichtig für die Versicherung.

Insgesamt fünf Pumpen mit einer Leistung von 100 Kubikmetern pro Stunde befördern das Wasser aus dem Schiff. Die Retter mussten warten, bis das Niedrigwasser am Morgen eingesetzt hatte, um mehr Wasser abpumpen zu können, als einfließe. "Das Abpumpen ist die einfachste Möglichkeit. Das haben wir als erstes ausprobiert." Wann die Aktion beendetet werden kann, konnte die Reederei noch nicht sagen.

Gefreut hat sich Harro Koebnick über die Anteilnahme der Bremer am Untergang der Kogge. "Wir haben sehr viel Zuspruch von den Leuten erfahren und freuen uns über das Interesse an dem Schicksal der Kogge."

Wann das Schiff abgeschleppt wird, ist unklar. Auch zur Schadenshöhe macht die Reederei noch keine Angaben.

Zum Schiff: Die "Roland von Bremen" ist ein originalgetreuer Nachbau einer Kogge von 1380. Das Schiff wurde von 1995 bis 2000 im Rahme eines EU-Projekts von arbeitslosen Jugendlichen in Vegesack gebaut. Sie besteht – wie das Original – aus etwa 90 Tonnen Eichenholz und zirka 5000 handgeschmiedeten Nägeln. Sie ist fast 24 Meter lang, acht Meter breit und vier Meter hoch. Der Mast ist etwa 24 Meter hoch. Sie gehört zu der Flotte der Bremer Reederei "Hal över" und kann gemietet werden.

Die Originalkogge wurde 1962 bei Bauarbeiten in der Weser bei Rablinghausen gefunden. Die mehr als 2000 geborgenen Wrackteile wurden im Schifffahrtsmuseum Bremerhaven konserviert und wieder zusammengebaut. Dort ist es auch heute ausgestellt. Koggen waren für die Hansezeit prägend – bis zum Fund aber nur durch Texte und Bilder bekannt.

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