Umbau des Deutschen Schifffahrtsmuseums

Kogge-Wrack bis Jahresende nicht zu sehen

Der Kogge-Fund vor über 50 Jahren gab den Ausschlag für die Gründung des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven. Nun soll das Wrack noch stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Dafür wird umgebaut.
12.05.2016, 11:34
Lesedauer: 2 Min
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Der Kogge-Fund vor über 50 Jahren gab den Ausschlag für die Gründung des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven. Nun soll das Wrack noch stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Dafür wird umgebaut.

Mit dem Umbau des "Kogge-Hauses" beginnt das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven seine Grunderneuerung. Ende Juni soll es losgehen, wie Museumsdirektorin Sunhild Kleingärtner am Donnerstag sagte. Die 26 Meter lange Kogge aus dem Mittelalter soll künftig noch mehr im Fokus der Schau stehen. Für Dezember ist die Wiedereröffnung des Ausstellungsbereichs geplant. Bis dahin werde er für Besucher geschlossen bleiben. Für insgesamt 42 Millionen Euro werden bis 2020 auch die anderen Abteilungen des Museums erneuert.

Das 1975 eröffnete Museum muss sich neu erfinden, damit es den Status eines nationalen Forschungsmuseums behält. Bei der letzten Überprüfung hatte der Senat der Leibniz-Gemeinschaft festgestellt, dass die Dauerausstellung den aktuellen Anforderungen nicht mehr genügt. Für das DSM ist es wichtig, den Status eines Nationalen Forschungsmuseums zu behalten. Denn damit sind hohe Geldbeträge verbunden, auf die das Museum angewiesen ist. Vom Bund und den Ländern wird das DSM zu 85 Prozent gefördert, 15 Prozent kommen vom Land Bremen und der Stadt Bremerhaven.

Zwei Jahre wurde hinter den Kulissen des Museums an einem neuen Konzept gearbeitet, das nun umgesetzt werden soll. Es sieht vor, unter dem Motto "Mensch und Meer" die Forschungsarbeit des Hauses für den Besucher sichtbar zu machen. "Wir bieten Forschung zum Anfassen", sagte Kleingärtner.

Die 3,8 Millionen Euro teure Umgestaltung des "Kogge-Hauses" werde exemplarisch für den Umbau der übrigen Abteilungen stehen. Anhand des Wracks der historischen Kogge, die vor über 50 Jahren in der Weser entdeckt worden war, werden auf Leuchttischen und an Multimedia-Stationen Forschungsfragen gestellt: Wer waren die Menschen an Bord? Auf welchen Handelsrouten fuhren die Koggen? Wie wurden Löcher und Risse im Holz ausgebessert? "Die Besucher sollen auch selber Fragen stellen können", sagte Kleingärtner.

Interaktive Flächen und Modelle zum Anfassen gehörten inzwischen zu einem modernen Museum dazu. "Die Sehgewohnheiten und Kommunikationsformen der Besucher haben sich durch die Digitalisierung stark verändert", sagte Kleingärtner. An der Kogge selbst solle auch weiterhin in der Ausstellung geforscht werden, deren spektakulärer Fund den Ausschlag für den Bau des Schifffahrtsmuseums gegeben hatte. Neue Forschungsergebnisse sollen stetig in die Schau einfließen. "Wir frieren den Wissenstand nicht ein", sagte Ausstellungsplaner Stefan Iglhaut.

Nach dem Umbau des "Kogge-Hauses" soll bis 2018 zunächst der "Bangart-Bau" neu gestaltet werden. Dort werde der Blick auf die Zukunft der Schifffahrt gerichtet, so Kleingärtner. Als letzter Schritt folge die Modernisierung des "Scharoun-Baus", in dem das Meer als Sehnsuchtsort im Mittelpunkt stehen soll.

Einige Schritte sind von Seiten des DSM schon eingeleitet worden. Die seit 2013 amtierende geschäftsführende Direktorin Sunhild Kleingärtner hat begonnen, das Museum grundlegend zu verändern und als "integriertes Forschungsmuseum" neu aufzustellen. Die angekündigten Veränderungen haben sich bereits bei den Besucherzahlen bemerkbar gemacht: seit 2013 konnte die Zahl kontinuierlich gesteigert werden. 2015 lag sie wieder im sechsstelligen Bereich. Nach der Eröffnung der umgebauten Kogge-Halle Ende des Jahres werden noch mehr Besucher erwartet.

Die nächste Evaluierung durch die Prüfer der Leibniz-Gemeinschaft ist bereits im Frühjahr 2017. Sie wollen so vorzeitig sehen, ob die versprochenen Maßnahmen auch eingeleitet wurden.

(dpa)
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