Hund am Arbeitsplatz Kollege Wuff

Bremen. Weniger Stress, mehr gute Laune: Hunde können das Betriebsklima im Büro auflockern, wenn es klare Regeln gibt. Außerdem seien sie gut für die Kommunikation, so der Sprecher eines Bremer Tiernahrungsherstellers.
24.09.2013, 00:00
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Kollege Wuff
Von Stefan Lakeband

Weniger Stress, mehr gute Laune: Hunde können das Betriebsklima im Büro auflockern, wenn sie gut erzogen sind und es klare Regeln gibt. Außerdem seien sie gut für die Kommunikation, so der Sprecher eines Bremer Tiernahrungsherstellers.

Lammfromm sei sie und mit einem Blick zum Dahinschmelzen: Hündin Kaya gehörte in einer Düsseldorfer Werbeagentur schon fast zum Inventar – bis sich immer mehr Kollegen beschwerten. Plötzlich war die Rede von Zähnefletschen, Knurren und Bedrohung. Deswegen entschied erst der Arbeitgeber und später das Düsseldorfer Arbeitsgericht: Kaya muss künftig zu Hause bleiben. Ein schwerer Schlag für die Besitzerin und den Husky-Mischling, besonders, weil Kollegen ihre Hunde noch weiterhin mit ins Büro bringen dürfen.

In solchen Fällen gilt aber: Der Chef hat Hausrecht. Das weiß auch Marius Tünte vom deutschen Tierschutzbund: „Ein Recht auf die Mitnahme des Hundes gibt es nicht. Wenn ein Hund im Büro geduldet wird, kann daraus nur im Einzelfall ein Rechtsanspruch erwachsen.“ Das kann der Fall sein, wenn der Hund jahrelang mitgenommen wurde oder der Chef eine schriftliche Zusage gegeben hat. Entpuppt sich der Vierbeiner jedoch als Störfaktor oder gar als Gefährdung für Kollegen und Kunden, hat der Arbeitgeber das Recht, ihn vom Arbeitsplatz zu verbannen.

Ist der Chef aber erst mal überzeugt, können die Kollegen auf vier Pfoten sogar zu einem guten Büroklima beitragen. Das belegt unter anderem eine Studie der Virginia Commonwealth University. Sie sagt: Wer seinen Hund mit ins Büro nimmt, lässt sich nicht so schnell stressen und ist zufriedener mit seinem Job. Darauf zielt auch die Aktion „Kollege Hund“ des deutschen Tierschutzbundes ab. Sie soll Angestellte und vor allem deren Chefs dazu animieren, Kollegen auf vier Pfoten im Büro zu erlauben. Deswegen gibt es den jährlichen Schnuppertag für Zwei- und Vierbeiner, an denen sie das Zusammenleben am Arbeitsplatz testen sollen. Besonders für Kollegen ohne Hunde kann das eine überzeugende Erfahrung sein.

So hat es auch Dieter Meyer, Sprecher eines Bremer Tiernahrungsherstellers, erlebt. Hier kommen eigentlich jeden Tag acht bis zehn Hunde mit an den Arbeitsplatz. „Zwei Mitarbeiter haben sich sogar einen Hund zugelegt, weil sie täglich mit den Tieren der Kollegen zu tun hatten“, sagt Meyer. Wenn die Hunde mit im Büro sind, sei das gut für die Kommunikation, weil man über den Hund leicht ins Gespräch kommt. Auch Raufereien zwischen den Vierbeinern habe man noch nicht erlebt. „Das hat uns selbst ein wenig überrascht“, so Meyer. Ganz im Gegenteil: Viele Hunde hätten untereinander auch schon Freundschaften geschlossen. Und wenn die Besitzer in der Mittagspause mit ihren Vierbeinern zusammen Gassi gehen, lernen sich so auch die Kollegen kennen – selbst wenn sie eigentlich in anderen Abteilungen arbeiten.

Doch es reicht nicht, den Hund einfach mit ins Büro zu bringen. Ein paar Regeln müssen sowohl der Vierbeiner als auch Herrchen oder Frauchen beachten, erklärt Tünte vom Tierschutzbund: „Der Hund muss ausreichend sozialisiert sein, das heißt, auch zu fremden Menschen freundlich sein und keine Angst vor Geräuschen haben.“ Das geht am besten, wenn man das Tier möglichst früh daran gewöhnt, einen Großteil des Tages im Büro zu verbringen.

Auch Meyer kenn diese Regeln aus seiner Firma. „Hunde dürfen bei uns beispielsweise nicht mit in Besprechungen“, sagt er. Wahrscheinlich reizt sie das sogenannte Dogs Camp sowieso viel mehr. Auf dieser großen Wiese können die Hunde mit Ihresgleichen tollen und spielen, für die heißen Tage gibt es sogar einen Wassergraben zur Abkühlung.Dass es keinen Aktionstag „Kollege Katze“ gibt, hat übrigens einen einfachen Grund. Die sind lieber in ihrem angestammten Territorium unterwegs. Ein Besuch im Büro würde sie eher verschrecken, als dass es ihnen gut tun würde. Ähnliches gilt auch für Vögel oder Kaninchen. Für sie bedeutet der Ortswechsel zu viel Stress. Wer diese Tiere also zu Hause lässt, muss auf tierische Freuden bei der Arbeit zwar verzichten, kann sich so aber wenigstens darauf freuen, nach der Arbeit freudig zu Hause empfangen zu werden.

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