Im Museum "Depot" fahren die Straßenbahnen perfekt in der Spur / Historische Touren durch die Stadt Kollisionen gibt es in der Miniaturwelt nie

Sebaldsbrück. Die Freunde der Bremer Straßenbahn AG feierten gleich zwei Tage der offenen Tür im Straßenbahn-Depot in Sebaldsbrück. Als Gast kamen Mitglieder des Schweriner Modellbauvereins Nahverkehr und verbanden sich per Miniatur-Gleisanlage mit den Bremer Freunden des Modellbaus. Viele Meter lang erstreckte sich das Modellbahngelände in der riesigen Halle.
20.10.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Edwin Platt

Sebaldsbrück. Die Freunde der Bremer Straßenbahn AG feierten gleich zwei Tage der offenen Tür im Straßenbahn-Depot in Sebaldsbrück. Als Gast kamen Mitglieder des Schweriner Modellbauvereins Nahverkehr und verbanden sich per Miniatur-Gleisanlage mit den Bremer Freunden des Modellbaus. Viele Meter lang erstreckte sich das Modellbahngelände in der riesigen Halle.

Eine besondere Attraktion waren die restaurierten Straßenbahnen aus früheren Zeiten des Bremer Nahverkehrs, wie die erste Niederflurbahn mit durchgehend niedrigem Fußboden. Sie war bis 1998 in Bremen unterwegs und fuhr dann bis in diesem Jahr im schwedischen Norrköping. Nun ist sie außer Betrieb und wieder zurück in Bremen.

Bei der Miniatur Straßenbahn entspricht der Gleismittelabstand nicht dem von Eisenbahnen, doch der Unterschied ist nur dem Profi offensichtlich. Neben Straßenbahnmodellen, die über verschotterte Schienenstränge gleiten, blinken Lämpchen von Autos mit Pannen. Liebe und Spaß an perfekten Details sind der Modellanlage anzusehen. Straßenbahnmodelle aus vergangenen Epochen sind unterwegs und rattern um Hafenbecken und durch Häuserschluchten. Sie ignorieren Wartehäuschen um Wartehäuschen und kollidieren nie - das ist digital berechnet - sondern gewähren Vorfahrt.

Was fehlt, ist ein Modell der Waggons, die noch von Pferden durch Bremens Straßen gezogen wurden, wie der Verein jüngst eines aus Bremens Norden bekommen hat. Um 1876 zogen Pferde die Waggons über Gleise, 1879 fiel dann der "Startschuss" für die elektrische Eisenbahn, die heute unter 15000 Volt Wechselstrom unterwegs ist, während die Straßenbahnen mit 600 bis 750 Volt Gleichstrom an der Oberleitung hängen.

Unter viel Efeu überlebte das gute Stück Waggon über einhundert Jahre als Gartenlaube. Der hölzerne Aufbau mit dem Freiplatz am Wagenende zum Auf- und Abspringen ist mürbe, aber doch gut erkennbar. Eine Herausforderung für die Renovierer, die jetzt alles auf Bildern suchen, was im Original nicht erhalten oder erkennbar ist. Das gute alte Stück sehr nahe am Original herzurichten, ist ihr Anspruch.

130 Freunde der Straßenbahn

Die 130 Mitglieder des Vereins haben eine ganze Anzahl von Museumsstücken der Straßenbahngeschichte fahrbereit wiederhergestellt. Da glänzt der geriffelte rotbraune Boden aus Tropenholz unter den in Dampfdrucktechnik geformten Sitzschalen aus Leimhölzern. Elfenbeinfarbene Rohrstücke geben stabile Verbindungen zu den Sitzen und dienen Fahrgästen als Haltestangen.

Oliver Klein fährt nicht nur beruflich für die BSAG durch Bremens Straßen und auf Bremens Schienen, er steuert für den Verein restaurierte Schmuckstücke. Zum Beispiel, wenn ein Betrieb in einer restaurierten Bahn feiert. Klein kennt sich mit Modellstraßenbahnen aus, er hat im Film Neue Vahr Süd eine alte Bahn fünf Mal durch die Szenen manövriert. Auf dem Bremer Schienennetz dürfen keine Schauspieler oder Lokführer, sondern nur die Fahrer der BSAG, Fahrzeuge lenken.

Zu kostspielig für den Verein wäre der Besitz dieser historischen Schienenfahrzeuge, die sie umsorgen. Sie gehören der BSAG, nur einige ältere Busse sind Eigentum des Vereins. Die Zuordnung als Dauerausstellung durfte jüngst abgeschafft werden, nun wird die Sammlung ganz offiziell als Museum geführt. Das Wort "Depot" ist zum Markennamen des Vereinssitzes in Sebaldsbrück geworden.

In den 1960er Jahren hat die Firma Hansa Waggon in der Pfalzburger Straße Straßenbahnen gebaut. In den Siebzigern ging Hansa Pleite, um in den Neunzigern noch einmal kurz aufzuleben. Adtranz, ein Konsortium der AEG unter Daimler Benz, baute Niederflurfahrzeuge.

Heutige Bahnen kommen meist von Bombardier, der kanadischen Firma, die viele Schienenfahrzeugbetriebe in Europa übernommen hat. Schwer war der Transport der Schienenfahrzeuge, ein Triebwagen wiegt 45 Tonnen, ein Waggon bringt es auf 18 Tonnen. Durch die unterschiedlichen Strom- und Spannungsarten von Eisenbahn und Straßenbahn kann die Straßenbahn starkem Eisregen länger trotzen als eine E-Lok. Trotzdem gibt es Fahrzeuge, die die Oberleitungen mit Glyzerin behandeln.

Es pfeift oder hupt in der Halle des Depots. Das heißt, es ist soweit: Eine historische Straßenbahn beginnt einen Rundkurs durch die Stadt. Fahrgäste steigen ein, kein Schaffner kontrolliert, das breite Rolltor fährt hoch. Die Bahn schlängelt sich hindurch. Auch diese älteren Bahnen sind mit Antennensystemen in schwarzen Kästen am Dach ausgestattet, woraus Signale an Rechner gesendet werden, die die Verkehrsdichte und Ampelschaltungen abgleichen, damit die Straßenbahnen rasch vorankommen.

Freunde der Bremer Straßenbahn, Depot, Schloßparkstraße 45, E-Mail: info@fdbs.net, Kontakt und Vereinsmitgliedschaft: www.fdbs.net, Mietung von Fahrzeugen mit Fahrer und Reservierungen für Führungsfahrten: Telefon 55 96 75 42.

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