Holtorf im Ostertor Kolonialwarenladen gerettet

Bremen. Er gilt als einziger Kolonialwarenladen, den es in Deutschland noch gibt. "Wilh. Holtorf. Lebensmittel seit 1874" steht am Eingang des Geschäfts am Ostertorsteinweg. Lange Zeit war sein Fortbestand umgewiss, nun gibt es einen Käufer.
01.06.2013, 05:00
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Kolonialwarenladen gerettet
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Er gilt als einziger Kolonialwarenladen, den es in Deutschland noch gibt. "Wilh. Holtorf. Lebensmittel seit 1874" steht am Eingang des Geschäfts am Ostertorsteinweg. Als der Laden samt Haus zum Verkauf stand und sich lange Zeit niemand fand, musste befürchtet werden, dass es mit Holtorf vorbei ist. Jetzt gibt es aber einen Käufer, der das Geschäft weiter betreiben will. Eine Tradition ist gerettet.

Theke, Fliesen, Lampen, die raumhohen Regale, die Schubladen mit der losen Ware – Getreide, Bohnen, Linsen, Rosinen, getrocknetes Obst. Das fahle Licht, der Geruch. Es riecht nach Geschichte. Das ist "Wilh. Holtorf. Lebensmittel seit 1874." Der einzige Kolonialwarenladen, der in Deutschland übrig geblieben ist, heißt es. Er war in Gefahr, weil die Inhaberin in Ruhestand geht, das denkmalgeschützte Geschäft mitsamt des Wohnhauses verkaufen wollte, aber anderthalb Jahre lang niemanden fand, der das Ensemble übernehmen wollte. Nun aber ist es geschafft. Ende Juni wird das Haus dem neuen Eigentümer übergeben. Er will den Laden fortführen und dessen Tradition bewahren.

Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki war von Anfang an in die Verhandlungen eingebunden. Er schätzt die Ladeneinrichtung von Holtorf als etwas "ganz, ganz Seltenes" ein. "Das Geschäft hat mit Sicherheit einen außergewöhnlichen Rang." Weil es so schwierig war, einen Käufer zu finden, zeigte sich der Denkmalpfleger kompromissbereit. Denkbar wäre aus seiner Sicht gewesen, einen Teil der Einrichtung auszubauen, damit der Laden anders genutzt wird. Das Mobiliar hätte dann zum Beispiel im Focke-Museum gezeigt werden können. Doch das ist jetzt nicht mehr nötig. "Ein Glücksfall", sagt Skalecki.

Der Glücksfall trägt einen Namen: Marcus Wewer, gebürtiger Bremer und heute in Potsdam zu Hause. Dass er Holtorf gekauft hat, hat mit Liebe zu tun – zu einer Frau. "Es war beim Abi-Treffen, da habe ich meine Jugendliebe wieder getroffen", erzählt der 47-Jährige, "es hat wieder gefunkt, und deswegen komme ich jetzt zurück nach Bremen."

Wewer arbeitet seit 25 Jahren im Geschäft mit Biofleisch. Auf Holtorf wurde er durch einen Bericht in den Medien aufmerksam. "Ich kannte den Laden natürlich." Nach Gesprächen mit der Inhaberin und dem Landesdenkmalpfleger war der Handel dann perfekt. An diesem Wochenende wird Wewer das erste Mal den Schlüssel bekommen.

Die Einrichtung im Hauptraum soll nach den Plänen des Kaufmanns im Wesentlichen so bleiben, wie sie ist. Nach hinten raus könnte der Laden etwas erweitert werden, um Platz für zusätzliches Sortiment zu schaffen: "Spezialitäten aus Deutschland und der Welt", sagt Wewer. Es werde mehr Käse geben, Fleisch, Schinken und Wurst, alles Bio, obwohl: "Ich werde aus Holtorf keinen reinen Bioladen machen."

Es soll Feinkost sein, aber genauso auch das, was Holtorf immer ausgezeichnet hat: Müsli, die Zutaten dafür, Gewürze, Kaffee, Tee – "das bleibt auf jeden Fall, es ist ja ein Kolonialwarenladen", sagt Wewer. Nach der Übergabe wird er das Geschäft zunächst schließen, um die wenigen Veränderungen vorzunehmen. Die Wiedereröffnung wird im Herbst sein.

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