Jürgen Theiner zur Kriminalitätsstatistik Kommentar: Der Verdruss wächst

Wer in Bremen wohnt, weiß schon lange, dass er in seiner Stadt einem vergleichsweise hohen Risiko ausgesetzt ist, Opfer von Kriminalität zu werden. Das subjektive Bedrohungsgefühl hat aber zugenommen.
04.03.2016, 00:00
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Kommentar: Der Verdruss wächst
Von Jürgen Theiner

Wer in Bremen wohnt, weiß schon lange, dass er in seiner Stadt einem vergleichsweise hohen Risiko ausgesetzt ist, Opfer von Kriminalität zu werden. Das subjektive Bedrohungsgefühl hat aber zugenommen.

Bremen ist eine Großstadt und wird sich bei der Kriminalitätsbelastung nie mit beschaulichen niedersächsischen Landkreisen messen können. Mit dieser Feststellung hat Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) sicher recht – sie ist aber ein schwacher Trost für all jene, die rund um den Bahnhof schon mal unter die „Antänzer“ gefallen sind oder ihre Wohnung von Einbrechern durchwühlt vorgefunden haben.

Wer in Bremen wohnt, weiß schon seit vielen Jahren, dass er in seiner Stadt einem vergleichsweise hohen Risiko ausgesetzt ist, Opfer von Kriminalität zu werden. Das subjektive Bedrohungsgefühl hat zuletzt aber nochmals dramatisch zugenommen. Weitaus stärker, als es der statistische Anstieg der Straftaten um 8,8 Prozent in 2015 zum Ausdruck bringt.

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Was sich insbesondere im Bereich des Bahnhofs und Teilen des Viertels an Straßenkriminalität abspielt, wird von vielen Menschen als massives Staatsversagen wahrgenommen. Wie kann es sein, so fragen sich die Leute, dass ich nachts für eine kurze Strecke, die ich früher zu Fuß zurückgelegt habe, jetzt besser ein Taxi nehme? Wie kann es sein, dass die Staatsgewalt nicht ausreicht, um eine kleine Gruppe schwerkrimineller jugendlicher Straftäter aus Nordafrika in die Schranken zu weisen? Solche Fragen bestimmen die Gespräche unter Nachbarn, Arbeitskollegen, Sportkameraden wie kein anderes Thema.

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Das Ausmaß der Staatsverdrossenheit, die hier zu entstehen droht, wird von Akteuren der politischen Linken gerne unterschätzt. Im rot-grünen Lager hoffen viele, das Problem werde sich irgendwann in Wohlgefallen auflösen. Zwang will man auf die verwahrlosten Jugendlichen nicht ausüben, schon gar nicht in geschlossenen Einrichtungen, die insbesondere die Grünen bisher erfolgreich sabotiert haben.

Ulrich Mäurer hält eine solche Einstellung zurecht für „Sozialromantik“. Doch wie viel Rückhalt hat der Innensenator mit seiner Linie innerhalb des rot-grünen Bündnisses? Von der Antwort auf diese Frage hängt viel ab. Nicht nur für die objektive Sicherheit in der Stadt und das Sicherheitsempfinden ihrer Bürger, sondern auch für die Regierungsfähigkeit der gegenwärtigen Koalition. juergen.theiner@weser-kurier.de

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