Attacken auf Polizisten Konsequenz und Augenmaß

In Bremen häufen sich die Fälle, in denen Polizisten von aufgebrachten Menschenmengen angegangen werden. Das stellt die Polizei vor eine knifflige Aufgabe, meint Redakteur Ralf Michel.
26.07.2018, 19:21
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Konsequenz und Augenmaß
Von Ralf Michel

Meldungen über Polizisten und Rettungskräfte, die bei ihren Einsätzen von aufgebrachten Menschenmengen angegangen werden, sind leider keine Seltenheit in Bremen. Doch bei dieser stockt einem dann doch der Atem: Da wird die Polizei alarmiert, weil sich in einem Kleingarten vermutlich ein Mann umgebracht hat, und plötzlich sehen die Beamten sich von rund 70 Mitgliedern der Familie des Toten bedrängt. Werden beleidigt, körperlich angegangen und sogar mit einem Messer bedroht.

Die Polizei spricht in solchen Fällen von "spontanen Tumultlagen". Diese eskalierte derart, dass die Beamten ihre Waffe zogen. Dadurch und mit der zu Hilfe gerufenen Verstärkung gelang es, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Gerade noch mal gut gegangen. Denn viel Spielraum bleibt nicht, wenn schon Waffen gezückt werden müssen. Nicht auszudenken, was in so einer Situation passiert, wenn ein Schuss fällt.

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Müßig, darüber zu streiten, ob dies nur ein besonders krasser Einzelfall war, oder Ausdruck einer bedenklichen Entwicklung, die immer mehr Raum greift. Die Polizei kann und darf hier keinen Millimeter zurückweichen, sie muss sich durchsetzen. Und übrigens nicht nur gegenüber Angehörigen der in Bremen sattsam bekannten Familienclans, sondern natürlich auch gegen diejenigen, die nächtliches Kicken auf der Sielwallkreuzung für den ultimativen Partyspaß halten. Und dabei, weil es wohl irgendwie dazu gehört, gegen Polizisten pöbeln und sie mit Flaschen und anderem Wurfmaterial traktieren.

Eine ebenso schwere wie knifflige Aufgabe für die Polizei. Einerseits muss sie erfolgreiche Strategien gegen solche Vorfälle entwickeln. Andererseits bei aller erforderlichen Konsequenz vor Ort trotzdem Augenmaß beweisen, um die ohnehin schon brenzligen Situationen nicht noch weiter aufzuheizen. Da dürfte Unterstützung nur willkommen sein. Mehr Rückendeckung aus dem politischen Raum zum Beispiel. Oder Bürger, die bei ähnlichen Tumulten ihre Smartphones in der Tasche lassen und einfach weitergehen.

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