Delegation der Protestanten in Afrika besuchen die evangelisch-reformierte Gemeinde in Blumenthal Kontakte zur Kirche in Togo vertieft

Weit gereiste Gäste aus Togo waren jetzt in der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Blumenthal zu Gast. Anlässlich einer Konferenz der in Bremen ansässigen Norddeutschen Mission besuchten Pastor Frédéric Bebefe, Pastor Paul Avinou und Pastorin Bertille Maditoma die Hansestadt und die Nordbremer Gemeinde. Sie sind Mitglieder der evangelisch-protestantischen Kirche von Togo.
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Von Winfried Schwarz

Weit gereiste Gäste aus Togo waren jetzt in der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Blumenthal zu Gast. Anlässlich einer Konferenz der in Bremen ansässigen Norddeutschen Mission besuchten Pastor Frédéric Bebefe, Pastor Paul Avinou und Pastorin Bertille Maditoma die Hansestadt und die Nordbremer Gemeinde. Sie sind Mitglieder der evangelisch-protestantischen Kirche von Togo.

Am Rande der Bremer Tagung der Norddeutschen Mission nutzten Gäste aus Togo – Pastor Frédéric Bebefe, Pastor Paul Avinou und Pastorin Bertille Maditoma – jetzt die Gelegenheit, die vom Blumenthaler Gemeindepastor Ulrich Klein bei einem Besuch in Kara (Nord-Togo) geknüpften Kontakte zu vertiefen. Zuvor hatte der Seelsorger der Gemeinde in Togo, Clement Pere, die Blumenthaler Gemeinde besucht.

Zufällig hatte die Blumenthalerin Margrit Zillmer, die seit den 1970er-Jahren engen Kontakt zu evangelischen Christen in Togo pflegt, privaten Besuch einer mehrköpfigen togoischen Familie, die seit einigen Jahren in Gifhorn lebt. So war die Kirche von Togo im Gottesdienst der Gemeinde Blumenthal mit einer größeren Gruppe als geplant vertreten.

Da Pastor Ulrich Klein selbst im Urlaub war, hatte er seinen Amtsvorgänger, Pastor Harm Ridder, gebeten, die liturgische Gestaltung des Gottesdienstes zu übernehmen. „Feiere einen Gottesdienst, wie du es gewohnt bist“, habe ihm Pastor Klein mit auf den Weg gegeben, denn Gottesdienste in Togo seien gänzlich anders als hierzulande. Das wurde bei einer anschließenden Begegnung im Gemeindehaus deutlich, als die Afrikaner ihr Erstaunen über die Kürze des rund 70 Minuten dauernden Abendmahl-Gottesdienstes äußerten. In Togo geht kein Gottesdienst vor rund zweieinhalb Stunden zu Ende. Auch wunderten sich die Gäste, dass kein Vokal- oder Bläserchor im Gottesdienst mitgewirkt hatte. Gerade von musikalischen Gruppen sind Gottesdienste in Togo geprägt.

Auch das Einsammeln der Kollekte durch zwei Gemeindemitglieder war den Gästen fremd. In ihrer Heimat nimmt gerade dieser Gottesdienstteil lange Zeit in Anspruch. Die Gläubigen bringen in Gruppen aufgeteilt ihre Gaben selbst zum Altar, beginnend mit allen, deren Geburtstag auf einen Montag gefallen ist. Es folgen die Gruppen der nächsten Wochentage und zum Schluss all jene, die den Wochentag ihrer Geburt nicht kennen.

Noch während der weiteren liturgischen Feier wird die Kollekte ausgezählt und das Ergebnis öffentlich gemacht. „Das ist immer ein großer Moment, zu erfahren, welche Gruppe das meiste gegeben hat und dann gefeiert wird“, weiß Margrit Zillmer aus ihrer Erfahrung von Gottesdiensten in Togo zu berichten und ergänzt: „Anders als hier sind die Kirchen in Togo bei den Gottesdiensten richtig voll.“

Den hohen Stellenwert der Musik im afrikanischen Gottesdienst bestätigte auch der ehemalige Bremer Landesposaunenwart Werner Urban. Gemeinsam mit Erich Viering, ehemaliger Pastor von St. Magnus, der ebenfalls unter den Gästen war, hat er maßgeblichen Anteil an der Bildung von Posaunenchören in den Gemeinden von Togo.

Pastor Viering arbeitete von 1960 bis 1968 seelsorgerisch in Togo und sorgte später als Pfarrer in der bremischen Landeskirche dafür, dass die ersten Instrumente nach Afrika geschickt wurden und Werner Urban als Ausbilder an den neuen Instrumenten in Togo arbeiten konnte. Heute gibt es laut Urban in dem afrikanischen Land 86 Posaunenchöre. Viermal war Urban mit Bremer Blechbläser-Ensembles in dem afrikanischen Land, bereits dreimal kamen die Togoer mit Bläsergruppen nach Bremen.

In einem Grußwort zu Beginn des Gottesdienstes war Pastor Frédéric Bebefe auf den Anlass des Besuchs in Bremen eingegangen. Er betonte, dass die Konferenzen der Norddeutschen Mission unter anderem dazu dienen, Erfolge, aber auch Misserfolge der Partnerschaft zu erörtern und nach Lösungen zu suchen.

Die Norddeutsche Mission wurde 1836 von reformierten und lutherischen Missionsvereinen in Hamburg gegründet. Die ersten Missionare gingen 1847 nach Westafrika. Im Ersten Weltkrieg wurde die 1884 gegründete Kolonie Deutsch-Togoland, in der sich weitestgehend das Missionsgebiet befand, von Franzosen und Briten erobert. Nach der Aufteilung in britisches und französisches Völkerbund-Mandatsgebiet wurde die Unterstützung der entstandenen Gemeinden durch die Norddeutsche Mission weitestgehend verboten. Die Arbeit musste an andere Missionen übergeben werden, ein enger Kontakt nach Bremen blieb aber bestehen.

Nach der Unabhängigkeit Togos und Ghanas von den Kolonialmächten baten die dortigen Kirchen die Norddeutsche Mission um Hilfe bei Entwicklungsprojekten und Evangelisation. Vertraglich wurde 1980 ein gemeinsames Missionswerk der Bremischen Evangelischen Kirche, der evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg, der evangelisch-reformierten Kirche und der Lippischen Landeskirche gegründet. 2001 wurden die Presbyterianischen Kirchen von Ghana und Togo als gleichberechtigte Partnerinnen aufgenommen.

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