Bremer Stadtreinigung

Kontrolldienst nimmt Müllsünder ins Visier

Seit Januar dieses Jahres gibt es einen neuen Kontrolldienst der Bremer Stadtreinigung: Die Kontrolleure sind in den Quartieren unterwegs und haben unter anderem illegal entsorgten Müll im Visier.
28.07.2019, 19:33
Lesedauer: 5 Min
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Kontrolldienst nimmt Müllsünder ins Visier
Von Sabine Doll
Kontrolldienst nimmt Müllsünder ins Visier

Leerung ist erst in einer Woche: Rosi Lenz (r.) und Svenja Greve tragen die Codenummer der Mülltonnen ein. Auf das angekettete Rad hat jemand einen Müllsack abgelegt.

Christina Kuhaupt

Die Sonne heizt schon am Morgen mächtig ein. „Unsere Montur ist da natürlich alles andere als günstig“, sagt Rosi Lenz und tippt auf ihr Oberteil: schwarzes T-Shirt, dazu eine schwarze Hose und dunkle Schnürschuhe. Hinten auf dem Shirt ist in weißen Buchstaben „Kontrolldienst“ zu lesen. Rosi Lenz und Svenja Greve gehören zum neuen Kontrolldienst der Bremer Stadtreinigung. Sie nehmen Müllsünder ins Visier. Seit Januar dieses Jahres gibt es die Truppe, fast täglich sind die Kontrolleure im Stadtgebiet unterwegs.

Ihr Blick gilt wilden Müllkippen und Tonnen, die längst geleert sind, aber immer noch draußen stehen. „Das hat nichts mit spießig zu tun“, sagt Rosi Lenz. „Die Tonnen blockieren Rad- und Gehwege. Und sie sind eine Einladung an all jene, die glauben, ihren Müll oder anderen Hausrat einfach so dazustellen zu können. Nach dem Motto: Wird bestimmt bald abgeholt. Damit soll jetzt mal Schluss sein.“

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Rosi Lenz und Svenja Greve sind an diesem Morgen in der Neustadt unterwegs. „Nachkontrolle“ steht auf ihrem Tagesplan. Die beiden Mitarbeiterinnen überprüfen Adressen, an denen sie bei ihrer letzten Patrouille Tonnen registriert haben, die auch Tage nach der vorherigen Leerung noch draußen standen. „Wenn wir das feststellen, wird der Code der jeweiligen Tonne mit einem Transponder abgelesen und eingetragen“, erklärt Rosi Lenz. Die Kontrolleure sind mit Laptops unterwegs.

Darüber haben sie Zugriff auf das hausinterne System und können anhand des Codes den Eigentümer des Hauses, der die Tonnen angemeldet hat, oder sogar den Mieter identifizieren, zu dem sie gehört. Und sie können sehen, ob die Tonnen schon einmal negativ aufgefallen sind. Auch für „Ersttäter“ gibt es kein Pardon: Ein Bußgeld müssen sie zwar noch nicht gleich zahlen, zunächst gibt es die gelbe Karte. „Verwarnung, bitte Tonne zurückstellen“ steht auf der gelben Banderole, die an den Tonnengriff geklebt wird. „Wiederholungstäter“ bekommen Orange-Rot. Das heißt: Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit, ein Bußgeldverfahren wird eingeleitet.

Dieses illegal abgestellte Sofa haben die Mitarbeiterinnen des Kontrolldienstes an einer Straßenecke entdeckt.

Dieses illegal abgestellte Sofa haben die Mitarbeiterinnen des Kontrolldienstes an einer Straßenecke entdeckt.

Foto: Sabine Doll

Eigentümer werden kontaktiert

Erste Station ist eine Adresse an der Osterstraße. Schon von weitem sind zwei Mülltonnen vor dem Haus zu sehen. Hier haben die Kontrolleurinnen zuletzt gelbe Banderolen verteilt. Rosi Lenz winkt ab. Die beiden Tonnen haben jeweils einen blauen und einen gelben Deckel. Papier und Verpackungsmüll. „Die dürfen. Heute ist Abholtag für Blau und Gelb“, sagt sie. Die Verwarnung mit Androhung eines Bußgelds, das um die 60 Euro liegen kann, hat offenbar gewirkt.

Vielleicht auch der Anruf beim Eigentümer des Mehrfamilienhauses. „Wenn wir mit unserer Liste ins Büro zurückkommen, werden Eigentümer oder Mieter angerufen und angeschrieben. Ich rufe an, da kann man besser erklären, und das hat nach meiner Erfahrung auch mehr Wirkung“, sagt Rosi Lenz. „Manchmal hat man auch das Glück, jemanden aus dem Haus anzutreffen. Dann kann man gleich freundlich bitten, die Tonnen reinzuholen.“

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So, wie nur zwei Minuten später gleich auf der gegenüberliegenden Seite. Rosi Lenz ist gerade dabei, einer „Wiederholungstäter“-Tonne die rote Banderole anzukleben. Aus der Haustür tritt ein junger Mann: „Ist das Ihre?“, fragt Svenja Greve. „Nein“, sagt er. Sie bittet ihn trotzdem, die Tonne vom Gehweg zu holen und nach drinnen zu schieben. Das Verfahren nimmt seinen Lauf: orange-rote Banderole, Bußgeldverfahren. Und: Ob „Erst-“ oder „Wiederholungstäter“ – neben dem Eintrag in die hausinterne Datenbank wird der „Tatort“ auch mit Fotos dokumentiert. Damit der Fall beweissicher ist.

Rosi Lenz und Svenja Greve fallen auf in ihren schwarzen Monturen und dem weißen Schriftzug auf dem Shirt. Angepöbelt wurden sie noch nie, sagt Rosi Lenz. „Im Gegenteil. Wir werden von Anwohnern richtig positiv aufgenommen. Sie freuen sich, dass vor allem das Problem mit den wilden Müllablagerungen in Angriff genommen wird. Solche Kontrollen und überhaupt solch ein gezieltes Konzept gab es vorher nicht.“ Neu ist auch: Nach den Verursachern wird regelrecht gefahndet. Illegal abgestellte Müllsäcke werden mit einem orange-weißen Flatterband („Wir ermitteln“) für die Abholung gekennzeichnet: „Die Säcke werden dann zur Recycling-Station Blockland mitgenommen, um sie nach Papieren oder Hinweisen auf die Adressen der Verursacher zu durchsuchen. Bei zehn von zwanzig Säcken werden wir fündig“, sagt Rosi Lenz.

Die Bremer Stadtreinigung hat außerdem Vor-Ort-Teams eingerichtet: „Die acht Mitarbeiter sind in Zweierteams unterwegs. Schwerpunkt ist die Abfallberatung“, sagt die Sprecherin der Bremer Stadtreinigung, Antje von Horn. Und zwar dort, wo es immer wieder vor Geschäften oder Wohnhäusern zu Müllablagerungen kommt. Neben der persönlichen Beratung verteilen sie mehrsprachige Flyer und pappen Aufkleber an Mülltonnen. Wer Müllsäcke, Möbel, Elektrogeräte oder sonstigen Unrat illegal abstellt, muss mit hohen Bußgeldern rechnen – im Einzelfall mit bis zu 25.000 Euro. Ein weiterer Mitarbeiter kümmert sich um sogenannte Schrotträder, die in den Stadtteilen eingesammelt werden.

Kontrolldienst nimmt Müllsünder ins Visier - Bremer Stadtreinigung

Mit einem Transponder wird die Codenummer der Mülltonne abgelesen.

Foto: Christina Kuhaupt

Zeugen sind wichtig

An der Ecke Große Johannisstraße und Süderstraße steht ein rotes Sofa auf dem Gehweg. In der Nacht soll es dort abgestellt worden sein. Von wem? Nachbarn haben eine Vermutung, Namen wollen sie aber nicht nennen. „Vielleicht waren die es ja doch nicht“, sagt ein Anwohner, der sich über die „Unverfrorenheit“ ärgert. Das passiere häufig, sagt Rosi Lenz. „An Möbeln und anderem Sperrmüll sind eher selten Hinweise auf die Verursacher zu finden, da sind wir schon auf Zeugen angewiesen.“ Auch das Sofa wird fotografiert, möglichst mit Straßenschild oder einem anderen Hinweis auf den konkreten Standort. Damit auch dieser Fall beweissicher ist, falls der Verursacher noch identifiziert wird. Wilder Abfall auf öffentlichem Grund wird maximal nach einer Woche abgeholt, so steht es auf der Internetseite der Bremer Stadtreinigung. Bezahlt wird das von den Steuerzahlern.

Svenja Greve kann nicht verstehen, warum sich jemand die Mühe macht, Möbel, Hausrat oder anderen Müll durch die Stadt zu transportieren, illegal abzustellen – und dafür Anzeige und Bußgeld riskiert. „Es gibt mehrere Recycling-Stationen in Bremen, man kann Sperrmüll beantragen, wobei die erste Abfuhr sogar kostenlos ist. Und wenn die Restmüll-Tonne nicht ausreicht, kann man den Bremer Müllsack, der 70 Liter fasst, für 5,50 Euro kaufen.“ Allerdings haben die beiden Kontrolleurinnen auch die Erfahrung gemacht, dass dies oft nicht bekannt ist. Oder: Dass die Tonne für die Haushaltsgröße zu klein ist.

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Die Sonne dreht am Mittag weiter auf. Rosi Lenz und Svenja Greve sind mit ihrer Tour so gut wie durch, bevor es an diesem heißen Tag ins Büro zurückgeht. Ihre Nachkontrollen haben sie abgearbeitet und nebenbei vertauschte Tonnen zur richtigen Adresse zurückgeschoben, wilde Müllablagerungen fotografiert, „Ersttäter“ verwarnt und „Wiederholungstätern“ die rote Banderole angepappt. Am nächsten Tag sind sie wieder unterwegs.

Weitere Informationen

Unter bremen.mängelmelder.de können Bürger im Internet wilde Müllkippen angeben, sie werden aufgelistet und auf einer Stadtkarte abgebildet.

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