120 alte Automobile im Landkreis Wesermarsch unterwegs Korso der Oldtimer

Liebhaber alter Automobile haben in Berne und Lemwerder viel zu sehen bekommen. Die ADAC-Oldtimer-Rallye „Rund um die Hünengräber“ führte erstmals durch die beiden Gemeinden des Landkreises Wesermarsch.
09.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Bettina Dogs

Schon mehrfach sind die schmucken Vehikel der ADAC-Oldtimer-Rallye „Rund um die Hünengräber“ in der Wesermarsch zu sehen gewesen, jetzt legten sie zum ersten Mal auch Zwischenstopps in Lemwerder und Berne ein. Etliche Zuschauer begleiteten die 120 Fahrzeuge durch die beiden Gemeinden des Landkreises Wesermarsch.

Viel Zeit zum Gucken bleibt nicht. Dabei hätte der elfenbeinfarbene Karmann Ghia Typ 14 von Rolf Renken schon einen tiefen Blick ins Innere verdient. Das mal als „Hausfrauen-Porsche“ titulierte Coupé aus dem Hause VW, von dem rund 340 000 Stück gebaut wurden, wird inzwischen als wertvoller Oldtimer gehandelt, das Cabrio gar als Rarität. Da lohnt sich ein genauerer Blick. So genau, wie es in 60 Sekunden eben geht.

Rolf Renken mit der Startnummer fünf ist an diesem Vormittag der Erste am Stempelkontrollpunkt „Rathaus Lemwerder“. Zwei Hände voll Zuschauer haben sich zu diesem Zeitpunkt vor dem Verwaltungsgebäude eingefunden. So viele wie möglich wollen sie von den 120 Fahrzeugen sehen, die an diesem Vormittag im Zuge der 13. Oldtimer-Rallye „Rund um die Hünengräber“ des ADAC-Ortsclubs Delmenhorst über das Rathauspflaster rollen sollen. Ein betagter Jaguar, ein alter Porsche, geschichtsträchtiger Benz: Etliche Modelle beeindruckender Automobilbaukunst sind im Fahrerfeld vertreten. Der älteste Wagen ist ein Mercedes 177 S Cabrio B aus dem Jahr 1950. Ein Auto, das heute in der Szene Kultstatus besitzt. 1600 Exemplare wurden einst gebaut.

Inzwischen ist es Mittag und die Zuschauerzahl auf knapp 100 gestiegen. Einige Starter haben den sechsten von zwölf Stopps verpasst. Und nicht alle, die ihn finden, haben die notwendigen Stempel der zurückgelegten Strecke im Bordbuch. „Viele können nicht mehr richtig Kartenlesen und verlassen sich heutzutage nur noch aufs Navi“, kommentieren die Streckenposten Wilfried Claußen und Rolf Harms. Das könnte auch der Grund für die ersten aufkommenden Ehekrisen hinterm Steuer sein. „Mittwoch haben wir unseren Scheidungstermin“, scherzt Fahrer Wolfgang Weidl mit schiefem Lächeln. Gattin Gisela verstaut im 68er-Jaguar E-Type derweil leicht angesäuert das Bordbuch. Als Beifahrerin lastet die genaue Navigation heute allein auf ihren Schultern.

Die meisten nehmen die 125 Kilometer lange Tour mit Humor. „Wir sind noch vom letzten Jahr unterwegs“, scherzt Olaf Schneider in seinem Benz von 1988. Und er ist immerhin mit männlichem Beifahrer am Start. Die beiden haben gut lachen: Sie fahren nur in der Klasse „Touristische Ausfahrt“. Um echte Punkte geht es hier nicht. Nur wer in der Kategorie „Sportlich-touristisch“ unterwegs ist, gerät mitunter ins Schwitzen. „Die Fahrer müssen genau nach Kartenskizze fahren“, erklärt Fahrtsekretär und Mitorganisator Uwe Huntemann, „und das Bordbuch genauestens lesen“. Daran hapere es aber bei den meisten. Huntemann: „Viele scheitern an Flüchtigkeitsfehlern.“ Und die bedeuten schnell mal fünf Minuspunkte.

Mehr als die Hälfte der Strecke führt durch den Landkreis Wesermarsch, insgesamt müssen die Fahrer 125 Kilometer durch Delmenhorst und die Landkreise Oldenburg und Wesermarsch zurücklegen. Erstmals gibt es kurze Zwischenstopps in Lemwerder und der Nachbargemeinde Berne.

Und dann, fast wäre er zwischen all den blechernen Raritäten untergegangen: der ehemalige FC-Bayern-Torwart Jörg Butt am Steuer eines Mercedes Benz 220 A Cabrio von 1952. Gut gelaunt passiert der 41-Jährige den Kontrollposten am Rathaus, das Bordbuch ist bereits mit einigen Stempeln gefüllt. „Es läuft gut“, resümiert er. Dann drückt er auch schon wieder aufs Gas.

Wertvollstes Fahrzeug ist bei dieser Tour allerdings nicht ein ehemaliges Vehikel gut betuchter Bürger, das teuerste Modell ist „einer aus dem Volk“: ein VW 26 T1 Pritsche. „Das ist derzeit der teuerste Wagen auf dem Markt“, sagt Uwe Huntemann.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+