Mittagessen orientiert sich an Empfehlungen von Ernährungswissenschaftlern

Kost in Kitas: über Durchschnitt

Bremen. In deutschen Kindertagesstätten kommt zu oft Fleisch auf den Tisch, dafür umso weniger Obst, Gemüse und Rohkost. Das stellt die Bertelsmann Stiftung fest. Aber: Bremen steht gut da.
02.06.2014, 00:00
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Kost in Kitas: über Durchschnitt
Von Anke Landwehr
Kost in Kitas: über Durchschnitt

Johanna Becker und Anne Schwederski(v. l.) bereiten in der Kita der Martin-Luther-Gemeinde in Findorff Gesundes für die Kinder zu.

Frank Thomas Koch

In deutschen Kindertagesstätten kommt zu oft Fleisch auf den Tisch, dafür umso weniger Obst, Gemüse und Rohkost. Das stellt die Bertelsmann Stiftung fest. Aber: Bremen steht gut da.

In manchen Bereichen steht Bremen im bundesweiten Vergleich ganz weit hinten, bei der Ernährung der Kita-Kinder aber können sich die Verantwortlichen stolz auf die Brust klopfen. „Zu viel Fleisch, zu wenig Obst und Gemüse zum Mittag“, wie die Bertelsmann Stiftung in ihrer am Montag veröffentlichten Studie zur Verpflegung in deutschen Kindertagesstätten feststellt, trifft auf die Hansestadt nicht zu.

„Wir können uns wirklich nicht beklagen“, sagt Andreas Seele, Vater und Pressesprecher des Gesamtelternbeirats von Kita Bremen. Fleisch zum Mittagessen gebe es in allen städtischen Kindertagesstätten nur einmal in der Woche, Rohkost jeden Tag. Und für den kleinen Hunger zwischendurch stünden in allen Einrichtungen Schalen mit Obst herum. „Da müssen die Kinder nur zugreifen.“ Aus seinem Amt als 2. Sprecher der Zentralen Elternvertretung (ZEV) wisse er, dass es in den kirchlichen Kitas mit Speisenangebot und -qualität ebenso gehalten werde, erklärt Seele.

Das seit 2008 geltende Bremer Konzept basiert auf dem Programm „optiMIX“ des Dortmunder Forschungsinstituts für Kinderernährung. „Es entspricht den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen über die gesunde Ernährung von Kindern“, weiß Bernd Schneider, Sprecherin der Sozialsenatorin Anja Stahmann. Neben einem reduzierten Anteil von tierischen, fett- und zuckerhaltigen Lebensmitteln würden in den Kitas über den Tag Getränke, vor allem Wasser und ungesüßte Tees oder verdünnte Fruchtsäfte, sowie frisches Obst und Gemüse angeboten.

Was in den Kitas auf den Tisch kommt, haben die Einrichtungen zusammen mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) entwickelt. Wo Caterer das Essen bringen, werde auf eine gesunde und altersgemäße Auswahl geachtet, so Schneider. Die Lieferanten orientierten sich an den Konzepten der Träger und an den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Außerdem werde generell auf die Verwendung regionaler Produkte Wert gelegt.

In 68 von 70 städtischen Kitas wird frisch gekocht, ebenso in acht von zehn katholischen und in 47 von 69 evangelischen Tagesstätten. Allerdings würden nur in wenigen Fällen die Dienste eines Cateringunternehmens in Anspruch genommen, so Carsten Schlepper, Leiter des Landesverbands Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder in Bremen. Manche Kita-Küchen versorgten andere Tagesstätten mit.

optiMIX empfiehlt Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen, die mindestens 90 Prozent der Energiezufuhr gewährleisten sollen. Der Rest könne durch Süßigkeiten gedeckt werden, so die Ernährungsspezialisten aus Dortmund. Im Mittelpunkt der Speisenkarte stünden Getreide, Getreideprodukte, Kartoffeln, Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst „sowie reichlich kalorienfreie Getränke“. Diese pflanzlichen Lebensmittel seien durch Milch und Milchprodukte, Fleisch und Wurst (alles fettarm, Fisch und Eier zu ergänzen.

Zwei- bis Dreijährige sollten nach den von Fachleuten festgelegten Orientierungswerten um die 35 Gramm Fleisch und Wurst pro Tag essen, bei Vier- bis Sechsjährigen dürfen es fünf Gramm mehr sein. Bei Gemüse und Obst wird zur vier- bis fünffachen Menge geraten. Indem sich die Bremer Kitas nach Angaben der Sozialbehörde an die von Wissenschaftlern empfohlenen Standards halten, stehen sie weitaus besser da als die deutsche Durchschnitts-Kita. Nur in zwölf Prozent der Einrichtungen werde genügend Obst, in nur 19 Prozent genügend Salat und Rohkost angeboten, stellt die von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegebene Studie fest.

Auch heißt es dort, das für eine gesunde Mittagsverpflegung mindestens vier Euro pro Kind zu veranschlagen sind. In Bremen werde diese Summe in etwa erreicht, sagt Bernd Schneider. Der Elternanteil betrage 25 Euro im Monat. Für Kinder von Eltern in den unteren Einkommensgruppen sei das Essen kostenlos. Schneider: „Kein Kind darf nur wegen des Geldes dem Essen fernbleiben.“

In die Studie wurden auch Bremer Kitas einbezogen. Eine Auswertung nach Bundesländern sei jedoch nicht vorgenommen worden, so Katharina Keinert von der Bertelsmann Stiftung. Man wisse aber, dass in Bremen mehr als 90 Prozent der Kinder über drei Jahre ihr Mittagessen in der Kita einnähmen; bei den jüngeren Kindern würde diese Quote nahezu erreicht. Zu kritisieren sei, dass es zur Ernährung in den Kitas keine bundeseinheitlichen Standards mit einer entsprechenden Finanzierung gebe. „Alle Kinder müssen gesund aufwachsen“, fordert Keinert.

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