Kostenloses Angebot an Schulen

Wenig Interesse an Corona-Tests für Schüler und Lehrer in Bremen

Das gewünschte Gesamtbild der Infektionslage vor dem Schulstart wird es mutmaßlich nicht geben. Das deuten zumindest erste Rückmeldungen aus den Schulen an. Genaue Zahlen gibt es aber erst in einigen Tagen.
16.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Wenig Interesse an Corona-Tests für Schüler und Lehrer in Bremen
Von Timo Thalmann
Wenig Interesse an Corona-Tests für Schüler und Lehrer in Bremen

Die zehnjährige Luisa lässt sich in der Grundschule am Borgfelder Saatland auf Corona testen.

Carmen Jaspersen

Das Angebot der Bildungsbehörde, dass alle Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte kostenfrei einen Corona-Test in Anspruch nehmen können, wird offenbar nur spärlich angenommen. In diese Richtung deuten Rückmeldungen von Schulen und Eltern. So haben nach Informationen unserer Zeitung an einer Schule gerade mal zwei Schüler die Möglichkeit genutzt. Eltern berichten von komplett leeren Testzentren, die an vier Standorten eigens für die Aktion eingerichtet wurden. Sie sind für ältere Schüler der weiterführenden Schulen gedacht.

In den Grundschulen waren bis zu diesem Freitag mobile Test-Teams unterwegs. Aber auch hier haben häufig weniger als die Hälfte der Schüler und Lehrer teilgenommen. „In Bremen gibt es unheimlich viele Anmeldungen, aber am Ende kommen nicht viele zum Test“, beschreibt eine Mitarbeiterin des mit den Tests beauftragten Düsseldorfer Labor-Unternehmens Zotz Klimas ihre Erfahrungen aus den Grundschulbesuchen.

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Auch Martin Stoevesandt, Sprecher des Zentralelternbeirats (ZEB), und Barbara Schüll, Personalrat der Bremer Schulen sowie Sprecherin des Landesvorstands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), bestätigen diesen Eindruck. „Nach allem was wir hören, stößt das Angebot nicht auf die erhoffte Resonanz“, sagt Stoevesandt.

Genaue Zahlen zur Teilnahme teilt die Bildungsbehörde derzeit aber nicht mit. Sprecherin Annette Kemp weist darauf hin, dass das Angebot noch bis einschließlich diesen Sonntag gelte. „Die Ergebnisse werden am Donnerstag kommender Woche bekannt gegeben. So ist die Absprache zwischen den Akteuren. Verzerrende Zwischenstände gibt es nicht“, antwortet sie auf eine entsprechende Anfrage. Theoretisch könnten insgesamt 73.000 Schülerinnen und Schüler sowie rund 11.200 Beschäftigte im Schuldienst die kostenlosen Tests nutzen. Bremen würde die Aktion in diesem Fall etwa 2,5 Millionen Euro kosten. Laut Bildungsbehörde werden aber nur die tatsächlich in Anspruch genommenen Tests abgerechnet.

Spekulation über Gründe

Über die Gründe der geringen Resonanz wird aber bereits spekuliert. „Ich vermute, dass für viele Eltern sehr unabhängig von einem einzelnen Corona-Testergebnis, die Entscheidung bereits feststand, ob man die Kinder am Präsenzunterricht teilnehmen lässt oder nicht“, mutmaßt Stoevesandt. Daher hätten viele wohl keinen Sinn an einer Test-Teilnahme gesehen, die ihre Entscheidung nicht beeinflusst.

Einzelne Eltern berichten auch von Hürden bei der Organisation und Information. Eine Mutter der Oberschule Ronzelenstraße beklagt, das konkrete Zeitfenster für den Besuch im Testzentrum eher zufällig von ihrem Sohn erfahren zu haben. Es habe keinen Elternbrief gegeben, alle Informationen seien ausschließlich über die Its-Learning Plattform an die Schüler gegangen. Dort hätte aber zumindest ihr Sohn in den Ferien nicht hineingeschaut. Ähnliche Erfahrungsberichte gibt es auch vom Gymnasium am Leibnizplatz sowie der Oberschule Findorff.

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Die Bildungsbehörde widerspricht: „Alle Schulen haben die Eltern ihrer Schülerinnen und Schüler angeschrieben, wirklich alle“, betont Kemp. Die Elternbriefe seien zudem in diversen Sprachen auf der Homepage der Schulsenatorin einsehbar, ebenso die Zeitfenster, wann und wo die Tests für die jeweiligen Schulen möglich sind. Außerdem seien auch dann noch Testungen möglich, wenn die vorgegebenen Zeiten im ersten Versuch nicht eingehalten werden konnten.

Zu wenig in die Planungen eingebunden

Mangelnde Elterninformation mag auch Stoevesandt als Grund einer geringen Beteiligung nicht anerkennen. „Wir haben parallel zur Behörde zusätzlich alle Schul-Elternsprecher informiert.“ Wenn es jetzt hake, sei das ein Fehler der Schule oder einzelner Klassenlehrer.

Für Barbara Schüll zeigt sich ein grundsätzliches Problem. „Wir als Lehrer und Personalräte sind zu wenig in die Planungen und Entscheidungen der Schulbehörde eingebunden“, beklagt die Gewerkschafterin. Seit März gebe es in kurzer Taktung ausschließlich Anweisungen von oben. Sie setzt darum auf einen in der kommenden Wochen geplanten Runden Tisch, an dem Lehrer, Behörde, Schüler- sowie Elternverteter grundsätzlich diskutieren wollen, wie es mit den Schulen weitergehen kann. „Wenn wir an einem Strang ziehen, könnte man Entscheidungen der Schulbehörde viel besser umsetzen.“

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