450.000 FFP2-Exemplare ausgegeben

Gratis-Masken für Senioren waren schnell vergriffen

Die Verteilung kostenloser FFP2-Masken führte am ersten Tag der Ausgabe fast überall zu langen Schlangen vor den Apotheken in Bremen. Viele Kunden mussten auf die kommende Woche vertröstet werden.
14.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Gratis-Masken für Senioren waren schnell vergriffen
Von Timo Thalmann
Gratis-Masken für Senioren waren schnell vergriffen

Die Wartenden bildeten Schlangen vor den Geschäften, auch wenn die Ausgabe der FFP2-Masken vergleichsweise schnell ablief.

Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Nach einer guten Stunde ist alles vorbei. Dann haben Christina Köster und ihr Team von der Roland Apotheke in der Findorffer Hemmstraße die ihnen gelieferten drei Kartons mit 3000 FFP2-Schutzmasken verteilt. Schon morgens um Viertel nach sieben hatten sich die ersten Interessenten vor dem Geschäft postiert. Als Köster die Apotheke um acht öffnete, war die Schlange auf geschätzte 200 Meter Länge angewachsen.

Dass es etwas Andrang geben könnte, hat die Pharmazeutin geahnt, als Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) angekündigt hatte, über die Apotheken kostenfrei FFP2-Masken an Senioren zu verteilen, um diese besser gegen Corona zu schützen. Seitdem stand das Telefon laut Köster nicht mehr still, nahezu jeder Besucher der Apotheke habe sich nach den Masken erkundigt. Deswegen hatte sie eigens für diesen ersten Ausgabetag draußen vor der Apotheke einen kleinen Stand aufgebaut. „Wir sind eine kleine Apotheke, da dürfen höchsten zwei Kunden gleichzeitig rein.“ Mit dem Stand wollte Köster die Maskenabholer von den regulären Kunden trennen.

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Die Masse der Interessenten erstaunte sie dann doch. „Tatsächlich war die Ausgabe der Masken noch das Leichteste“, sagt Köster. Schwieriger sei der Rest des Arbeitstages gewesen, als sie und ihre Mitarbeiter die undankbare Aufgabe hatten, den Kunden zu erklären, dass keine Masken mehr vorrätig seien, der Nachschub aber demnächst komme. Das sei nicht nur freundlich aufgenommen worden. „Ich hoffe wirklich, dass am Ende nicht der Eindruck überwiegt, dass hier etwas schlecht organisiert ist, sondern dass wir es geschafft haben, ganz vielen Menschen etwas Gutes zu tun“, sagt Köster.

Doch an diesem Tag gehen erst einmal viele Interessenten leer aus – nicht nur an der Roland Apotheke. In allen Stadtteilen erleben die Apotheker einen Run auf ihre Geschäfte und überall sind die je Apotheke in der ersten Tranche gelieferten 3000 Masken schnell vergriffen. Vor der Raths-Apotheke in der Innenstadt bildet sich ab 10.30 Uhr eine Schlange, die schnell vom Eingang in der Hakenstraße bis zur Straßenbahnhaltestelle Obernstraße anwächst. Apotheker Thomas Real hatte angekündigt, nicht mit der Geschäftsöffnung die Verteilung zu starten, sondern erst um elf Uhr.

Entspannte Stimmung trotz Wartezeit

Jetzt landen hier auch Interessenten, die woanders nicht mehr zum Zug gekommen sind. „Im Viertel gibt es auch nirgendwo mehr eine Maske“, berichtet eine Dame. Die Stimmung ist dennoch gelöst. Die Damen und Herren sind nahezu durchgehend aus der anvisierten älteren Zielgruppe und pflegen beim Warten den Smalltalk. „Jaja, beim Schlange stehen und mit Hunden lernt man nette Menschen kennen“, sagt eine Frau.

Deutlich gestresster ist Petra Sievertsen. Die Inhaberin der Schlüssel-Apotheke in Arbergen fühlt sich vom Senat und ihrer Kammer komplett allein gelassen, weil ihrer Maskenvorräte ebenfalls nach kurzer Zeit verteilt sind. Da die Apotheke ein großes Einzugsgebiet hat, hatte sie zuvor vergebens versucht, mehr Exemplare zu erhalten. Jetzt kommen ältere Kunden zum Teil von weit her mit ihrem Rollator, um dann unverrichteter Dinge wieder den Heimweg antreten zu müssen. „Die ganze Enttäuschung der Leute wird am Ende mir angelastet“, sagt Sievertsen.

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Aus ihrer Sicht ist die Masken-Verteilaktion des Senats zu kurzfristig übers Knie gebrochen worden. „Von der Sache habe ich zum Beispiel aus der Zeitung erfahren“, sagt sie. Sie habe im Vorfeld kaum Informationen erhalten, etwa wann es wieviele Masken gebe. „Daher konnten wir unseren Kunden auch nichts Verbindliches mitteilen“, so Sievertsen. Die schlechte Organisation habe dazu geführt, dass langjährige Kunden sauer auf sie seien. „Dabei können wir vor Ort in den Apotheken nun wirklich nichts dafür.“

So sieht es tendenziell auch Silke Iber, Chefin der Findorff-Apotheke. „Das Ganze hat uns im Vorfeld bereits viel Arbeit gemacht, denn wir mussten die Masken auch noch umpacken“, sagt die Apothekerin. Zehn Exemplare pro Kunde war die Vorgabe. Bekommen hatte sie aber ausschließlich Packungen mit 20 Masken.

Großteil geht leer aus

Die Masken stammen aus den Beständen des Landes Bremen, die im Frühjahr zu Beginn der Pandemie eingekauft wurden, als Masken knapp geworden waren und es so ausgesehen hatte, als ob Kliniken und Pflegeeinrichtungen langfristig Schwierigkeiten bekommen könnten, Schutzausrüstung für ihr Personal zu beschaffen. „Wir hatten jetzt den Aufwand und müssen die Kunden trotzdem vertrösten.“ Da reagierten nicht alle freundlich.

Klaus Scholz hat Verständnis für den Frust manches Kollegen. Der Präsident der Bremer Apothekerkammer hatte am Freitag in seiner vergleichsweisen großen Apotheke im EDU-Einkaufspark in der Duckwitzstraße selber gut 1000 zusätzliche Besucher, die allein wegen der Masken da waren. „Gewöhnlich bedienen wir so um die 500 Kunden am Tag.“ Und wie seine Kollegen, musste auch er den Großteil ohne FFP2-Masken nach Hause schicken.

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Nachschub ist unterwegs

„Es existiert kein Versorgungsengpass“, versichert Klaus Scholz, Präsident der Bremer Apothekerkammer. Es gebe ausreichend Masken, auch wenn die erste Tranche am Freitag so schnell vergriffen war. Die Herausforderung sei allein die Logistik. „Noch am gleichen Tag sind zusätzlich zu den jetzt ausgegebenen 450.000 Masken in den etwa 140 Apotheken in Bremen und Bremerhaven weitere 220.000 auf den Weg gebracht worden. Sie sollten schon am Samstag vor Ort verfügbar sein. Möglicherweise nicht in jeder Apotheke, aber doch in vielen.“ Weitere 500.000 Masken würden am Montag erwartet, die dann ab Dienstag und Mittwoch in die Apotheken kommen.

Man könne die Masken nur nach und nach liefern, weil diese zusätzliche Aufgabe die übrige Medikamentenversorgung nicht gefährden dürfe. „Auch gibt es kleine Apotheken, die wüssten gar nicht wohin damit, würden wir ihnen 10.000 und mehr Masken auf Schlag bringen.“ Scholz sagt zu, dass jeder Bremer über 65 Jahre schon in den nächsten Tagen seine zehn versprochenen Masken in den Händen halten könne. Und er appelliert an die Kunden, fair zu bleiben. Wer jetzt Masken bekommen konnte, sollte nächste Woche nicht erneut dafür die Apotheke aufsuchen.

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