Hautkrankheit breitet sich in Bremen aus Krätze auf dem Vormarsch

In Bremen und im Umland breitet sich vermehrt die Hautkrankheit Krätze aus. In diesem Jahr wurden bis Ende September 175 Patienten in Bremen gezählt - 2015 waren es noch 26 Fälle.
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Von Timo Thalmann

Die Hautkrankheit Krätze breitet sich in Bremen dramatisch aus. Auch das Umland hat eine Zunahme der Fälle registriert. Die Zahlen des Bremer Gesundheitsamtes zeigen eine bemerkenswerte Entwicklung: Sank die Zahl von 47 Fällen im Jahr 2014 auf 26 im Jahr 2015, schnellte sie im Jahr 2016 auf 130 empor. In diesem Jahr wurden bis Ende September bereits 175 Fälle registriert. Relativ betrachtet sind einige Steigerungsraten sogar enorm hoch: Die Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Bremen berichtet für 2016 von einem Anstieg um den Faktor zehn bei der stationären Behandlung von Skabies, wie die Krankheit medizinisch heißt. Wurden hier 2013 lediglich drei Fälle behandelt, waren es im Jahr 2014 zehn und 2015 sieben Patienten. Im Jahr 2016 dagegen wurden 74 Fälle registriert. Für das laufende Jahr geht man von ähnlich hohen Fallzahlen aus.

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Auch im Bremer Umland haben die Gesundheitsämter das Thema auf dem Schirm. Der Landkreis Diepholz vermeldet eine „deutliche Zunahme“, ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen. Auch in Delmenhorst hat sich die Zahl von 2015 bis 2017 verdoppelt: von 17 auf 35 Fälle. In Osterholz und in der Wesermarsch vermelden die Gesundheitsämter hingegen nur eine leichte Zunahme.

„Wir haben eindeutig einen Anstieg zu verzeichnen, aber Skabies hat gewöhnlich keinen epidemischen Verlauf“, kommentiert Kjell Kaune vom Bremer Klinikum die Statistik. Der Dermatologe und leitende Oberarzt geht davon aus, dass die Zahlen sich auf dem jetzt erreichten Niveau einpendeln. „Absolut gesehen sind das im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung immer noch geringe Patientenzahlen.“ Außerdem sei die durch Milben verursachte Krankheit gut heilbar. Im Grunde genüge eine einmalige Behandlung mit einer speziellen Creme, die für acht bis zwölf Stunden über Nacht aufgetragen wird. Diese Therapie könne im Normalfall problemlos auch zu Hause durchgeführt werden. Dazu kommen begleitende hygienische Maßnahmen, was Kleidung, Bettwäsche und Handtücher betrifft. „Stationäre Aufnahmen haben wir eigentlich nur in hartnäckigen Fällen“, sagt Kaune.

Relativ lange Inkubationszeit

Er spielt damit auf das Problem einer relativ langen Inkubationszeit von vier bis acht Wochen an, in der ein Betroffener noch nichts von der Erkrankung bemerkt, aber Skabies weitergeben kann. Dadurch kann es zum Beispiel innerhalb von Familien immer wieder zu wechselseitigen Neuansteckungen kommen. Die nur 0,3 bis 0,5 Millimeter großen, kaum sichtbaren Krätzmilben graben sich dabei in die obere Hautschicht ein, legen täglich mehrere Eier und geben Kot in die Hautgänge ab. Das verursacht nach einiger Zeit die typischen Ekzeme und einen unerträglichen Juckreiz.

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Für eine Übertragung der Milben braucht es allerdings einen entsprechend engen Körperkontakt von mehreren Minuten. „Hände schütteln reicht dafür nicht“, versichert Kaune. Und außerhalb des Wirtes können die Krätzmilben nur für ein bis zwei Tage überleben. „Kleidung und Bettwäsche für 48 Stunden luftdicht verpacken oder wenn möglich über 60 Grad waschen, löst das Problem“, versichert der Mediziner.

Die Ursachen für den Anstieg führen die Fachleute gleich auf mehrere Faktoren zurück. Ein Sprecher des Bremer Gesundheitsamtes verweist auf eine einzelne, größere Reisegruppe, die in diesem Jahr die Zahlen so habe ansteigen lassen. Gewisse Schwankungen nach oben seien normal. Und er erinnert an die seit diesem Jahr geänderten Meldepflichten für Skabies.

Meldepflichtige Unterkünfte

Niedergelassenen Ärzte müssen ihre Fälle demnach zwar weiterhin nicht ans Gesundheitsamt übermitteln, aber für Gemeinschaftseinrichtungen gelten neue Regeln. Standen bislang ausschließlich Einrichtungen mit Kindern und Jugendlichen wie Krippen, Kindertagesstätten und Schulen in der Pflicht, Betroffene sowie Verdachtsfälle oder mögliche Kontaktpersonen zu melden, sind nun alle Arten von Sammelunterkünften vom Seniorenheim, über Justizvollzugsanstalten bis zum Übergangswohnheim für Flüchtlinge meldepflichtig.

Vor allem letztere Gruppe gilt vielfach als Ursache für steigende Fallzahlen. „Das liegt aber nicht an den Flüchtlingen, sondern an den Bedingungen auf der Flucht“, präzisiert Dermatologe Kaune. Denn überall, wo Menschen unter schlechten hygienischen Bedingungen eng zusammenrücken müssen, habe die Krätzmilbe letztendlich gute Karten. „Aber sie vermehrt sich nur selten explosionsartig“, schränkt er ein. Meistens beherberge jeder Betroffene nur zehn bis 20 Milben.

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