Gärtnern in der Stadt „Kräuterspirale für beengten Raum ideal“

Zur Einstimmung auf die Gartensaison hat Monica Zöpfgen vom Projekt Arbeit und Ökologie in der Volkshochschule im Bamberger-Haus einen Vortrag über Kräuter gehalten – mit vielen historischen Bezügen.
18.02.2013, 05:00
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Von Christian Hasemann

Zur Einstimmung auf die Gartensaison hat Monica Zöpfgen vom Projekt Arbeit und Ökologie in der Volkshochschule im Bamberger-Haus einen Vortrag über Kräuter gehalten – mit vielen historischen Bezügen.

Altstadt. Petersilie, Basilikum und Bohnenkraut: alles Kräuter, die schon seit Jahrhunderten in der Küche zum Würzen, aber auch als Medizin benutzt werden. Andere fanden in der Volksmedizin oder angeblich in Hexensalben Verwendung. "Früher gab es weise Frauen und Männer, die sich mit den Kräutern auskannten", so Monica Zöpfgen in ihrem Vortrag bei der Volkshochschule. Heute sei dieses Wissen zwar nicht mehr ganz so verbreitet, aber noch immer gebe es Kräuterkundige.

Die meisten Menschen kennen zumindest Kräuter, mit denen man kocht. "In der Küche werden sie wegen ihres Aromas, aber auch ihrer Wirkung, zum Beispiel bei der Verdauung, geschätzt", sagt Zöpfgen. Ein Beispiel dafür sei der Kümmel. Eltern von Kindern kennen die Tees mit Fenchel und Kümmel, die die Verdauung fördern und Blähungen vorbeugen sollen.

Gleich mehrfachen Nutzen zieht der Mensch aus dem Bohnenkraut. "Zum einen schützt es die Bohnenpflanzen vor Blattläusen, dann hat es ein feines Aroma und unterstützt zusätzlich noch die Verdauung", erklärt die gelernte Sozialpädagogin und Gemüsegärtnerin.

Was heute unter dem Stichwort Urban Gardening (urbaner Gartenbau) in die Städte geholt werden soll, war früher innerhalb von Klostermauern sehr verbreitet: der Anbau von Kräutern und Gemüse zur Selbstverpflegung. "Besonders auf Kräutergärten spezialisiert waren die Benediktinermönche", erklärt Zöpfgen, die unter anderem auch Material über die "Apotheke Gottes" dabei hatte.

Der Orden der Benediktiner habe sich der Pflege von Kranken verschrieben und dafür Kräuter benötigt, sagte die Fachfrau. Schon im sechsten Jahrhundert hätten die Mönche mit dem systematischen Anlegen von Kräutergärten begonnen und sich nicht auf das beschränkt, was ohnehin in ihrer Gegend wuchs. Über das kirchliche Netzwerk waren schon sehr früh Kräuter aus dem Mittelmeerraum in die Mitte und den Norden Europas gelangt. Über Apotheken und in botanischen Gärten wurde das Wissen bis in die Gegenwart überliefert. Für den heimischen Anbau lasse sich eigentlich immer ein Platz finden, meint Zöpfgen. "Die klassische Form eines Kräutergartens besteht aus vier Beeten mit Gängen, die ein Kreuz bilden und am Ende oft mit einer Sitzbank abgeschlossen werden, und einem Zentrum, das meist aus einem Rondell besteht." Diese sogenannten Bauerngärten haben meist von Buchsbäumen eingefasste Beete – nicht nur aus Zierde, sondern auch aus ganz praktischen Gründen: "Durch den Buchs gehen die Schnecken nicht so gerne durch."

Weniger aufwendig und vor allem für den kleinen Garten oder die kleine Parzelle geeignet gestaltet sich der Bau einer Kräuterspirale. "So bekommen Sie viel Platz auf wenig Raum", sagt Zöpfgen. Die gewundene Form ermögliche Mikroklimate und unterschiedliche Zonen, die sich für bestimmte Kräuter besonders gut eigneten. Außerdem speichern die Steine Wärme, die dann über die Nacht abgegeben wird. "Die Südseite im unteren Bereich ist nährstoffreich, da kommen die Pflanzen hin, die viel Nährstoffe brauchen", sagt Zöpfgen. Nach oben hin werde der Boden dann immer magerer und genügsamere und Sonne liebende Pflanzen, zum Beispiel Salbei oder Rosmarin, werden angepflanzt.

Pflanzungen in Tetrapacks

Dass derzeit der Trend wieder zum eigenen Anbau von Gemüse und Kräutern geht, zeigen die Beispiele aus verschiedenen Städten, die Monica Zöpfgen anhand von Fotos vorstellte. "Der Prinzessinengarten in Berlin ist so ein Urban Gardening Projekt." Bei dieser Anbauform werden brachliegende Flächen zu einem improvisierten Garten umgebaut. Der Clou ist, dass alles mobil sein muss, da eine feste Nutzung verboten ist. So waren mit Erde gefüllte Tetrapacks auf einem Gestell zu sehen, aus denen frisches Grün lugte. "Diese Gestelle können schnell abgebaut werden, wenn denn mal die Brache bebaut werden soll." Aber auch alte Schränke oder Schubladen werden so als kreative Pflanzgefäße umfunktioniert.

Von Kräutern auf Fensterbänken rät die Expertin eher ab. "Meistens ist es zu trocken und es gibt zu wenig Licht." Einzige Ausnahme sei der Basilikum, der es ganz gerne drinnen möge. Wer pflanzt, möchte natürlich auch ernten. Da stellt sich die Frage nach der Konservierung. Dafür gebe es mehrere Möglichkeiten, erläutert Zöpfgen. "Neben dem Trocknen und dem Einlegen in Öl gibt es auch die Möglichkeit, die Pflanzen in Alkohol einzulegen." So könne man sich einen Magenbitter zubereiten.

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