Bremer Nehlsen-Gruppe ist interessiert Kraftwerk Farge steht zum Verkauf

Das Kraftwerk Farge soll verkauft werden. Interessiert ist neben Energie-Riese RWE auch die Bremer Nehlsen-Gruppe.
06.04.2018, 19:45
Lesedauer: 3 Min
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Kraftwerk Farge steht zum Verkauf
Von Patricia Brandt

Das Kraftwerk Farge, eines der effizientesten Steinkohlekraftwerke in Europa, soll nach Informationen des WESER-KURIER verkauft werden. Der Deal wird im Stillen vorbereitet, der Betreiber will die Verkaufsgerüchte nicht kommentieren. Die rund 100 Mitarbeiter am Standort sind jedoch bereits 2017 über Verkaufsabsichten informiert worden. Als Interessenten gelten nach bisher unbestätigten Berichten unter anderem das Bremer Entsorgungsunternehmen Nehlsen und Deutschlands größter Stromproduzent, die RWE AG in Essen.

Seit Ende der 60er-Jahre ist das Kraftwerk Farge am Nordbremer Weserufer prägend für das Ortsbild: Kurz vor der Grenze zu Niedersachsen ragt der markante Schornstein empor. Mit seinem aktuellen Wirkungsgrad von 42,5 Prozent gehört das Kraftwerk Farge nach Firmenangaben zwar zu den älteren Anlagen, aber immer noch zu den effizientesten Steinkohlekraftwerken in Europa. Dass die Engie Deutschland AG das Kraftwerk jetzt veräußern könnte, dazu gibt es von Kraftwerksleiter Frank Fischer „keinen Kommentar“.

Kein Geheimnis aber ist, dass Fischer das Werk „für absolut geeignet“ hält, am Markt zu bleiben. Pro Jahr produziert das Kraftwerk 1,8 Milliarden Kilowattstunden, die ins deutsche Übertragungsnetz eingespeist werden. Auch kein Geheimnis ist, dass in den Jahren 2011 und 2014 insgesamt 60 Millionen Euro in das Werk Farge investiert wurden. „Alle Hauptkomponenten wurden ausgetauscht, keine ist älter als 15 Jahre“, so Fischer. „Farge gehört zu den zehn besten Kraftwerken Deutschlands.“

100 Beschäftigte am Standort Farge

Rund 100 Mitarbeiter sind zurzeit am Standort beschäftigt. „Natürlich sind wir verunsichert“, sagen Mitarbeiter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchten. Die Beschäftigten waren nach ihren Worten bereits 2017 über die Verkaufsabsichten informiert worden. Sie rechnen es ihrem Arbeitgeber hoch an, dass die gesamte Abwicklung transparent verlaufe. „Der Verkauf kann auch eine Chance sein“, meint ein Mitarbeiter. Er erinnert an den Verkauf des Kraftwerks 2009. GDF Suez, heute Engie SA, und Eon hatten 2009 einen Tausch von Erzeugungskapazität vollzogen. GDF Suez erhielt dabei von Eon die Steinkohlekraftwerke Farge und Zolling bei München. „Unterm Strich war der Verkauf für uns positiv, aber man weiß eben nicht, was kommt.“

Nach Kenntnis der Mitarbeiter will sich die Engie-Gruppe nicht nur vom Kraftwerk Farge trennen. Wie Beschäftigte berichten, ist auch der Verkauf der konventionellen Kraftwerke in Wilhelmshaven und Zolling geplant. Das Steinkohlekraftwerk Wilhelmshaven unweit des Jade-Weser-Ports gilt als eines der modernsten der Welt. Von 2008 bis 2013 waren nach Unternehmensangaben über eine Milliarde Euro in das Kraftwerk geflossen.

Alexa Schröder, Sprecherin der Engie Deutschland AG, wollte keine Stellungnahme zu den Verkaufsgerüchten abgeben. Auf seiner Homepage im Internet wirbt der Konzern jedoch damit, sich „nicht erst seit der Energiewende“ für den Ausbau von erneuerbaren Energien einsetzen zu wollen. „Unsere 13 Windparks an Land mit einer installierten Leistung von 200 Megawatt, die wir weiter ausbauen wollen, machen uns zu einem bedeutenden Erzeuger und Betreiber von erneuerbaren Energien.“

Die Energiewende in Deutschland sorgt zurzeit für reichlich Bewegung auf dem Markt der Erzeuger. Spekuliert wird, ob Konkurrenten das Kraftwerk Farge aufkaufen und stilllegen. Dass es dazu politische Positionen gibt, macht die Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete Maike Schaefer aus Bremen-Nord deutlich: „Der Meeresspiegel steigt aufgrund des Klimawandels schneller an als erwartet und wir als Küstenregion sind von den Folgen besonders betroffen. Energiegewinnung aus klimaschädlicher Kohle ist ein Auslaufmodell, deshalb gehören alte Kohlekraftwerke mit geringem Wirkungsgrad, wie das in Farge, schnellstmöglich vom Netz.“

Nicht alle sind dieser Meinung. RWE in Essen hat zum Beispiel erst kürzlich angekündigt, weiterhin auch auf konventionelle Stromproduktion setzen zu wollen. RWE-Chef Rolf Martin Schmitz sagte dem Handelsblatt, der Konzern werde dafür auch Kohle- und Gaskraftwerke von anderen kaufen: „Wenn sich Gelegenheiten ergeben, werden wir die nutzen.“ Im Bieterverfahren mischt nach Informationen unserer Zeitung auch das Bremer Dienstleistungsunternehmen Nehlsen mit, aktuell in den Bereichen Recycling, Entsorgung und Reinigung tätig. Einen Kommentar gibt es von keinem der Beteiligten.

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