Energiekonzern GDF investiert 20 Millionen Euro Kraftwerk Farge wird aufgerüstet

Bremen-Farge. Der Energiekonzern GDF Suez investiert am Standort Farge rund 20 Millionen Euro in die Erneuerung zentraler Anlagenteile. Diese sogenannte Revision findet im Sommer statt. Sie soll das Kraftwerk fit machen für die nächsten zehn Jahre – mindestens.
01.04.2014, 00:00
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Kraftwerk Farge wird aufgerüstet
Von Jürgen Theiner

Bremen-Farge. Der Energiekonzern GDF Suez investiert am Standort Farge rund 20 Millionen Euro in die Erneuerung zentraler Anlagenteile. Diese sogenannte Revision findet im Sommer statt. Sie soll das Kraftwerk fit machen für die nächsten zehn Jahre – mindestens. Auch ein Betrieb über die bisher angepeilte Endmarke 2024 hinaus erscheint derzeit möglich.

Das Kraftwerk Farge geht Mitte Juni vom Netz. Sieben Wochen lang modernisieren dann bis zu 500 Arbeiter wichtige Elemente der Anlagentechnik. Komponenten von Kessel und Stromgenerator werden ausgetauscht, außerdem sind eine Erneuerung der Leitstandtechnik und von Teilen der Rauchgasentschwefelung vorgesehen. Zu guter Letzt soll die Anlage an das neue Umspannwerk des Netzbetreibers Tennet angeschlossen werden. Es schickt den in Farge erzeugten Strom künftig mit einer Spannung von 380 Kilovolt statt wie bisher mit 220 Kilovolt auf die Reise.

Rund 20 Millionen Euro lässt sich GDF Suez diese durchgreifende Erneuerung kosten. Und das in einer Zeit, in der die Stromkonzerne europaweit ihre Kapazitäten im Bereich der fossilen Energieträger, (Gas, Kohle) eher abbauen. Hintergrund: Der Ausbau der erneuerbaren Energien erzwingt einen grundlegenden Strukturwandel in der Stromwirtschaft. Der Anteil von Wind- und Sonnenenergie am verfügbaren Strom nimmt stetig zu, zulasten von Kohle und Gas. Allerdings kann er wetterbedingt stark schwanken. Gefragt sind deshalb herkömmliche Erzeugungskapazitäten, die dieses Auf und Ab ausgleichen. Die für den Sommer geplante Umrüstung zielt deshalb in erster Linie darauf ab, Farge zu einem Standort zu machen, „den man schnell hoch- und runterfahren kann“, wie es Kraftwerkleiter Marco Meyer ausdrückt. Karl-Peter Thelen (Geschäftsleitung GDF Deutschland) sagt es so: „Wir stellen uns darauf ein, dass das Kraftwerk sehr flexibel sein muss.“

Farge als Garant der Netzstabilität: Angesichts dieser Aufgabenstellung sehen Thelen und Meyer das Kraftwerk noch lange am Netz. Eine Standortgarantie könne angesichts der Umbrüche in der Energiewirtschaft zwar niemand geben, „aber wir werden das letzte Kohlekraftwerk sein, das dicht macht“, ist sich Marco Meyer sicher. Dieser Satz kommt dem Standortleiter auch deshalb so locker über die Lippen, weil das Farger Werk einen vergleichsweise hohen Wirkungsgrad hat. Er liegt aktuell bei 42,5 Prozent. Das heißt: 42,5 der Energie aus der verfeuerten Steinkohle kommt als Strom in den Leitungen an. Der Durchschnitt der Anlagen in Deutschland liegt bei etwa 38 Prozent, in Europa bei 30 Prozent. Von einem Kraftwerk wie Farge verabschiedet man sich also nicht ohne Not.

Gleichwohl lastet auf dem Standort ein hoher Kostendruck. Energieriesen wie GDF Suez, EON oder RWE waren es in der Vergangenheit gewohnt, hohe zweistellige Renditen einzufahren. Diese üppigen Margen schrumpfen. Am Großhandelsmarkt ist ein langfristiger Strompreisverfall zu beobachten. Heute kann Strom für die Jahre 2016/17 für weniger als 40 Euro pro Megawattstunde eingekauft werden. „Das entspricht einem Rückgang von circa 40 Prozent in drei Jahren“, heißt es in einer Darstellung der GDF-Unternehmenskommunikation. Auch in Farge ist deshalb Kostenreduktion angesagt.

Rückkehr zu Kohleschiffen denkbar

Wie stark die Belegschaft dies zu spüren bekommen wird, dazu hört man noch nichts Konkretes. Zu einem größeren Stellenabbau wird es laut Marco Meyer wohl nicht kommen. Zurzeit sind auf dem Betriebsgelände an der Weser gut 150 Menschen beschäftigt. Rund 80 davon stehen unmittelbar bei GDF in Lohn und Brot, der Rest bei Leiharbeitsfirmen. Gegenüber 2009, als Farge aus dem Kraftwerkspark von EON an GDF überging, haben sich die Zahlen damit kaum verändert. Eine andere Stellschraube, die den Kostenoptimierern in der Konzernzentrale zur Verfügung steht, ist die Logistik, also die Organisation der Transportwege für den Brennstoff.

Im vergangenen Jahr war GDF in Bremen-Nord massiver öffentlicher Kritik ausgesetzt, nachdem die Anlieferung der Steinkohle von der Weser auf die Schiene umgestellt worden war. Der Krach der morgendlichen Kohlenfuhren trieb die Gleisanwohner auf die Barrikaden. Zuletzt minderte ein neuer Fahrplan den Unmut ein wenig. Behoben ist der Imageschaden jedoch noch lange nicht.

Vielleicht ändert sich das mittelfristig. Die Kosten für Schiffs- und Bahntransport liegen nach Karl-Peter Thelens Worten nicht weit auseinander, so dass je nach Entwicklung der Frachtraten auch eine Rückkehr zur Kohleanlieferung auf der Weser denkbar sei. Die aktuellen Verträge mit dem Bahndienstleister seien jedenfalls so flexibel gestaltet, dass ein Umstieg innerhalb weniger Monate möglich ist.

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