Sieben Wochen für Inspektion vom Netz Kraftwerk Farge wird gecheckt

Farge. Energie mal anders: Zig Tonnen werden bewegt, bis zu maximal 1000 Arbeitskräfte sind pro Tag auf dem Gelände, 38 Millionen Euro werden investiert. Beim Kraftwerk Farge ist ab Freitag mal wieder große Revision.
05.04.2011, 05:00
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Von Robert Goldberg

Farge. Energie mal anders: Zig Tonnen werden bewegt, bis zu maximal 1000 Arbeitskräfte sind pro Tag auf dem Gelände, 38 Millionen Euro werden investiert. Beim Kraftwerk Farge ist ab Freitag mal wieder große Revision. Neben normalen Revisionsarbeiten (alle vier Jahre) setzt der Kraftwerksbetreiber GDF Suez auf Lebensdauerverlängerung und Verbesserung des Kohlekraftwerkes und die damit verbundene Reduzierung von Kohlendioxid (CO2). Täglich bedient das Kohlekraftwerk an der Farger Fähre den Energiebedarf von 550000 Haushalten, die werden jetzt aus anderen Kraftwerken beliefert.

Eines betont der Leiter des Kraftwerks Farge, Fritz Henken-Mellies, auch in Hinblick auf die aktuelle Energiedebatte: "Eine echte Alternative zu Kohlekraftwerken gibt es zurzeit nicht." Der Wirkungsgrad und der sich damit ständig reduzierende Kohlendioxid-Ausstoß moderner Kohlekraftwerke sei mit dem der früheren nicht mehr zu vergleichen. Der Konzern GDF Suez (tatsächlich wurde ein Teil des Unternehmens beim Bau des Suez-Kanals im Jahr 1858 gegründet) setze in Deutschland übrigens auf ein Energie-Mix: 30 Prozent der Energie stamme aus Kohlekraftwerken, 22 Prozent aus Onshore-Windrädern, 27 Prozent aus Biomasse, 12 Prozent aus Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. Der Worst-Case bei Kohlekraftwerken ist übrigens die ausbleibende Kohlelieferung: "Wenn das Feuer ausgeht, entweicht der Druck durch Ventile. Allerdings entweicht lediglich reiner Dampf."

"Wir schrauben alles auseinander"

Zurück zur Revision: 30000 Betriebsstunden sind seit der letzten Inspektion am 40 Jahre alten Kohlekraftwerk vergangen. Vom 8. April bis voraussichtlich 3. Juni wird das Kraftwerk komplett vom Netz genommen, neben den normalen Revisionsarbeiten wie der Wartung von Kohlebrennern, Kohlemühlen, Turbinenventilen und Generator müssen beispielsweise die Trafos ausgetauscht werden. Auch der Kohleumschlag-Kran, gut zu sehen von der Fähre aus, wird komplett überarbeitet. "Es gibt aber keine spektakulären Austausche. Wir schrauben alles auseinander, bauen dann alles wieder zusammen", beschreibt betont gelassen Henken-Mellies das gigantische Geschraube.

Denn: Allein 100 Fremdfirmen mit insgesamt 1000 Mitarbeitern (an Spitzentagen auch an einem Tag am Werk) unterziehen sich jetzt schon einem Sicherheits-Check in verschiedenen Sprachen. Für die Mitarbeiter wird ein Dorf aus 120 Wohn- und Arbeitscontainern gebaut. Ein 52-Tonnen-Gerüst wird am 55 Meter hohen Kessel errichtet, 100 Tonnen Isolierwolle müssen ausgetauscht werden, 320 Tonnen an so genannten Luftvorwärmern sind zu testen.

Ein Moratorium für das Kohlekraftwerk gibt es nicht: "Mit der Investition von 38 Millionen Euro in das Kraftwerk Farge sichern wir den weiteren zuverlässigen Betrieb bis ins Jahr 2024. Damit verbunden sind wichtige Impulse für den Standort Bremen-Nord in Hinblick auf Arbeits- und Ausbildungsplätze", so der Kraftwerks-Leiter.

In diesem Zusammenhang führte Henken-Mellies aus, dass während der Revision zwei Drittel der Aufträge in der Region vergeben würden. 125 GDF-Suez-Arbeitnehmer sind im Normalfall im Kraftwerk beschäftigt, hinzu kommen bis zu 55 fremde Kräfte, wie 30 bis 40 Azubis. Die Ausbildungswerkstatt habe einen überaus guten Ruf in der Region, wenn nicht im Anschluss an die Ausbildung ein festes Arbeitsverhältnis angeboten werden könnte, hätten die Azubis gute Chancen in der Region, so Henken-Mellies.

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