Transporte bis Jahresende wieder per Binnenschiff Kraftwerk stoppt die Kohlenzüge

Auf der Bahnstrecke durch Bremen-Nord werden voraussichtlich bis zum Jahresende keine Kohlenzüge mehr unterwegs sein. Der Energiekonzern GDF Suez lässt den Brennstoff für das Kraftwerk Farge in den kommenden Monaten über den Wasserweg anliefern. Ob und wann danach wieder die Schiene angesagt ist, hält sich das Unternehmen offen.
11.07.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Kraftwerk stoppt die Kohlenzüge
Von Jürgen Theiner

Auf der Bahnstrecke durch Bremen-Nord werden voraussichtlich bis zum Jahresende keine Kohlenzüge mehr unterwegs sein. Der Energiekonzern GDF Suez lässt den Brennstoff für das Kraftwerk Farge in den kommenden Monaten über den Wasserweg anliefern. Ob und wann danach wieder die Schiene angesagt ist, hält sich das Unternehmen offen.

Das werden die Anwohner der Bahngleise gerne hören: Lärm und Staub durch die Kohlentransporte zum Kraftwerk Farge sind vorerst kein Thema mehr. Der Energieerzeuger GDF Suez bestätigte am Donnerstag Informationen dieser Zeitung, dass die Fahrten Anfang August nach der laufenden technischen Revision nicht wieder aufgenommen werden. Wie berichtet, sind die Kessel des Kraftwerks zurzeit kalt, weil zentrale Anlagenteile erneuert werden. 20 Millionen Euro lässt sich GDF das kosten.

Warum verzichtet der Energiekonzern vorläufig auf die Bahntransporte? Die Anwohnerproteste haben bei dieser Entscheidung keine Rolle gespielt. GDF hat nicht etwa eingelenkt, sondern mit spitzem Stift gerechnet. Aktuell sind die Frachtkosten für den Transport mit Binnenschiffen günstiger als die Schiene. Die Brüsseler Konzernzentrale habe deshalb kurzfristig umdisponiert, so Kraftwerkleiter Marco Meyer. Das heiße zugleich, dass das Pendel nach der jetzt angekündigten Lieferperiode per Schiff wieder zurückschwingen kann – je nach Entwicklung der Kosten für die Transportwege. Die Option Schiene ist also für 2015 keineswegs vom Tisch. Die Verträge mit dem Bahndienstleister Heavy Haul Power International sind laut Meyer so flexibel gestaltet, dass die Züge kurzfristig wieder rollen könnten.

Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt nimmt die Ankündigung aus Farge mit Interesse zur Kenntnis. Die Begründung bestätigt ihn in einem lange gehegten Verdacht. „Wenn GDF in Zukunft immer wieder zwischen Schiene und Wasserweg hin- und herspringen möchte, kann das ja nur heißen: Die Kostendifferenz zwischen den beiden Verkehrsträgern ist marginal. Und wenn sich das so verhält, dann ist es den Bürgern in Bremen-Nord eigentlich nicht zuzumuten, dass sie den Emissionen des Bahntransports ausgesetzt werden“, findet Dornstedt. Auch die Betonung der Flexibilität von Heavy Haul bietet dem Ortsamtsleiter Gelegenheit zum Einhaken: „Wenn die wirklich so geschmeidig sind, dann hätte es Heavy Haul doch ein Leichtes sein müssen, ihre emissionsstarken Uralt-Lokomotiven durch modernere Fahrzeuge zu ersetzen.“

Ganz nebenbei hat sich gestern herausgestellt, dass GDF Suez eine Anfang 2013 angekündigte Investition zur Verringerung von Emissionen letztlich nicht realisiert hat. Der damalige Werkschef Jürgen Volkens hatte seinerzeit gegenüber dieser Zeitung den Bau einer Halle angekündigt, in der die Kohlenzüge so entladen werden sollten, dass Krach und Staub nicht entweichen können. Diese Anlage gibt es bis heute nicht und ist auch nicht mehr geplant.

Unterdessen haben gut 200 Bürger aus Bremen-Nord eine Online-Petition an die Bremische Bürgerschaft unterzeichnet, die den endgültigen Stopp der Kohlentransporte auf der Schiene zum Ziel hat. Darin bittet Initiatorin Christa Schulz den Petitionsausschuss des Parlaments darum „darauf hinzuwirken, dass die Kohlentransporte zum Kraftwerk Farge wieder per Binnenschiff getätigt werden“. Neben dem Ärgernis der Lärm- und Kohlenstaubemissionen verweist Schulz auf eine wachsende Zahl von Gebäudeschäden an Häusern entlang der Bahnstrecke, ausgelöst durch von Erschütterungen im Erdreich.

Im Online-Diskussionsforum zur Petition wird der Unmut vieler Anwohner über die Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität durch die Bahntransporte deutlich. „Es ist für mich unverständlich, dass alte und extrem schwere Kohlenzüge durch dicht bebautes Wohngebiet fahren dürfen“, schreibt dort einer der Unterstützer der Petition. Ein anderer: „Die größte Belastung geht von den leeren Waggons aus, da diese auf dem alten Gleisbett in deutlich überhöhter Geschwindigkeit fahren.“ Kritik bekommt im Forum neben GDF Suez auch dessen Bahndienstleister ab: „Unvorstellbar: Jeder Bürger ist angehalten, seine Fahrzeuge und Heizungsanlagen umweltgerecht und zukunftssicher zu erneuern und zu betreiben, die Bahn allerdings nicht!“ Die Zeichnungsfrist für die Online-Petition läuft noch bis zum 4. August. Wer sich ihr anschließen will, kann das im Internet auf der Website der Bürgerschaft tun (www.bremische-buergerschaft.de).

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