GDF Suez macht Standort fit Kraftwerk wird modernisiert

Bremen-Farge. Um es fit für den Überlebenskampf auf dem Energiemarkt zu machen, lässt GDF Suez das Kraftwerk Farge auf Herz und Nieren untersuchen. Rund 20 Millionen Euro kostet die Revision.
18.07.2014, 18:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Klaus Grunewald

Um es fit für den Überlebenskampf auf dem Energiemarkt zu machen, lässt GDF Suez das Kraftwerk Farge auf Herz und Nieren untersuchen. Rund 20 Millionen Euro kostet die Revision, die sich „in der Endphase“ befindet und am 4. August abgeschlossen sein soll. Die Werksleitung geht, wie berichtet, davon aus, dass wenigstens bis Ende 2014 keine Kohlenzüge mehr durch Bremen-Nord rollen werden.

In der riesigen Halle, in der mit der Turbine und dem Generator das Herz des Kohlekraftwerks schlägt, ist es jetzt leise wie in einem Konferenzraum. 1969, erzählt Werksleiter Marco Meyer, sei hier das Kraftwerk eingeweiht worden. Mit einer Panne: Die Neonröhren an der Hallendecke leuchteten nach dem obligatorischen Knopfdruck nicht auf.

Ein schlechtes Omen war das gleichwohl nicht. Das Kraftwerk ging in Betrieb, ist seit nunmehr 45 Jahren Arbeitgeber für Menschen aus der Region und soll es auch noch mindestens zehn Jahre bleiben. „Dafür sind Maßnahmen zur Lebensverlängerung unabdingbar“, sagen Projektmanager Fabian Kolbe und der Leiter der Instandhaltung, Andreas Wolf.

Seit dem 16. Juni sind rund 500 Facharbeiter von verschiedenen Spezialfirmen unter anderem damit beschäftigt, Komponenten von Kessel und Stromgenerator auszuwechseln, die Leitstandtechnik und Teile der Rauchgas-Entschwefelungsanlage zu erneuern. Und schließlich soll der Stromproduzent an das neue Umspannwerk des Netzbetreibers Tennet angeschlossen werden. Von Farge aus fließt dann elektrische Energie mit einer Spannung von 380 (bislang 220) Kilovolt in die Stromleitungen.

Der Stromlieferant an der Weser hat als Kohlekraftwerk zwar einen europaweit einmalig hohen Wirkungsgrad. Doch letztlich werden nur 42,5 Prozent der verfeuerten Kohle in Strom umgewandelt. In Sachen Effizienz und Umweltfreundlichkeiten kann ein Kohlekraftwerk mit Wind- oder Sonnenkraftwerken also nicht mithalten. „Und dennoch sind wir wichtig, um bei wetterbedingten Schwankungen und damit Lieferengpässen den Bedarf zu decken“, erläutert Marco Meyer. Die gegenwärtige Revision ziele auch darauf ab, das Farger Kraftwerk schnell hoch- und runterfahren zu können, also besonders flexibel zu machen.

Farge wird denn auch von der Konzernleitung als Garant für Netzstabilität eingestuft. Eine Standortgarantie aber könne auch die 20 Millionen teure Lebensverlängerung nicht bewerkstelligen. Dazu sind die Umbrüche in der Energiewirtschaft zu groß.

„Wir werden in Deutschland sicher das letzte Kohlekraftwerk sein, das seine Pforten schließen muss“, gibt sich Meyer optimistisch. Dennoch macht er kein Hehl daraus, dass der Kostendruckhoch sei. Noch sind rund 100 Konzernangestellte und 50 Leiharbeiter auf dem Firmengelände an der Weser beschäftigt. Auf absehbare Zeit wird sich daran aus Sicht der Werksleitung auch nichts ändern. Allerdings sei jede Kosteneinsparung wichtig, um Arbeitsplätze zu sichern, sagt Meyer und verweist in diesem Zusammenhang auf die in der Bevölkerung höchst umstrittenen Kohlentransporte auf der Schiene. Meyer: „Wenn wir im vergangen Jahr – wohl wissend um die zu erwartenden Proteste – nicht vom Schiff auf die Bahn umgestiegen wären, hätte das Arbeitsplätze gekostet.“

Inzwischen lässt GDF Suez, wie berichtet, Kohle wieder per Schiff anliefern. Weil es momentan keinen Preisunterschied bei den Transportvarianten gebe. Die Gegner der Kohlezüge vermuten indes, dass der ohnehin nur marginal gewesen sei. Gut 200 Bürger haben inzwischen eine Online-Petition unterzeichnet. Verwiesen wird darin unter anderem auf zunehmende Gebäudeschäden entlang der Bahnstrecke.

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