Seuchengefahr bei Bienenvölkern

Krankheit bedroht Bremer Bienen

Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich, aber für Bienenvölker kann sie den Tod bedeuten: In mehreren Bremer Bienenstöcken sind Erreger der hochinfektiösen Amerikanischen Faulbrut festgestellt worden.
17.05.2019, 16:43
Lesedauer: 3 Min
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Krankheit bedroht Bremer Bienen
Von Detlev Scheil

Die Bremer Imker sind in großer Sorge, denn es droht Seuchengefahr bei den Bienenvölkern. Bei Bienenständen in neun Bremer Stadtteilen ist die für den Bienennachwuchs gefährliche Amerikanische Faulbrut nachgewiesen worden. Routineuntersuchungen von Brutwabenproben ergaben den Nachweis des Erregers der bakteriellen Krankheit, wie die Veterinärbehörde und der Bremer Imkerverein von 1875 bestätigen.

Allerdings sei der Befall bisher noch gering, sodass derzeit nicht von einem Seuchenausbruch gesprochen werden könne, betont Horst Wolfrum, Obmann für Bienengesundheit beim Imkerverein. Dennoch sei man alarmiert und sehe Handlungsbedarf.

Für Menschen ist die Amerikanische Faulbrut ungefährlich. Auch der Honig von infizierten Bienenvölkern kann laut Imkerverein bedenkenlos verzehrt werden. Doch für den Nachwuchs der Bienenvölker sind die Sporen eine tödliche Gefahr. Der Imkerverein und das Veterinäramt setzen jetzt alles daran, den Herd der Faulbrut zu finden, um die Gefahr einzudämmen. Dazu das Veterinäramt: „Es gibt eine vermehrte Probennahme, Bienenobleute suchen auch die Umgebung ab, um den Infektionsherd zu finden.“

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Um die Verbreitung des Seuchenerregers rechtzeitig zu unterbinden, setzen die Behörde und der Imkerverein auf die Mithilfe aller Imker. „Wenn alle Imker jetzt mitarbeiten, können wir die Situation wieder entschärfen“, sagt Horst Wolfrum. Ein erster Schritt sei, dass jede Person, die Bienen hält, dies bei der Veterinärbehörde melden sollte (E-Mail an elke.gronau@lmtvet.bremen.de oder telefonisch unter 04 21 / 36 18 34 12). Die Anmeldung ist kostenfrei. Außerdem sollten die Imker Futterkranzproben entnehmen – das ist das, was die Bienen an ihre Nachkommenschaft verfüttern. Die Proben werden zum Institut für Bienenkunde in Celle eingeschickt, wo sie auf Sporen untersucht werden. Die Kosten der Untersuchung übernimmt aktuell der Veterinärdienst. Imker mit positiven Futterkranzproben werden vor Ort kontrolliert und beraten, wie die Abwehrkraft der Bienenvölker gestärkt werden kann.

Sperrbezirk bei Seuchenausbruch

Die Amerikanische Faulbrut gibt es vermutlich schon so lange wie die Bienen selbst. „Geringe Konzentrationen findet man immer mal wieder, gesunde Bienenvölker bekommen das in den Griff“, sagt Wolfrum. Werden jedoch bestimmte Konzentrationen überschritten, müssten tierseuchenrechtliche Schritte eingeleitet werden. „Wenn wir den Seuchenherd im Sommer nicht finden, müssen wir entsprechende großflächige Maßnahmen ergreifen“, heißt es von der Veterinärbehörde.

Sollte amtlich ein Seuchenausbruch festgestellt werden, wird ein Sperrbezirk mit strengen Regeln angeordnet. Einen großflächigen Seuchenausbruch hatte es im Land Bremen laut Veterinäramt 1998/99 gegeben. Später seien die Ausbrüche – wie zuletzt 2009 im Bereich Walle und Findorff – kleinräumiger gewesen. Durch den Einsatz der Labordiagnose auf Basis der Futterkranzproben hätten viele infizierte Bienenvölker noch vor Seuchenausbruch gesundet und gerettet werden können, so das Veterinäramt.

Der Erreger der bösartigen Amerikanischen Faulbrut Paenibacillus larvae, auch Bazilluslarve genannt, befällt ausschließlich die Bienenbrut. Die Sporen des Bazillus sind sehr widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse, sogar gegenüber Kälte oder hohen Temperaturen bis zu 120 Grad. Daher sind sie sehr lange haltbar und können jahrelang ansteckend bleiben. Übertragen wird die Krankheit über die Ammenbienen, die die junge Brut füttern. „Die Bienen nehmen die Sporen auf, wenn sie in aufgegebenen Bienenständen mit schwachen Völkern räubern oder Honig bei Importeuren sammeln“, schildert das Veterinäramt mögliche Ursachen für die Verbreitung der Erreger. Auch der Zukauf von Königinnen aus unbekannter Herkunft komme als Infektionsherd in Frage.

Infizierte Larven schlüpfen nicht, sondern werden durch die Bakterien zersetzt. Die Larven verwandeln sich dann in eine braune, fadenziehende Masse und trocknen schließlich zu einem Schorf, der Milliarden von Sporen enthalten kann. Durch schwärmende Bienen wird der Erreger in andere Völker verschleppt.

Als sporenbelastet gilt vor allem Importhonig. Honigliebhaber können laut Wolfrum auf einfache Weise zur Bienengesundheit beitragen: Leere Honiggläser sollten nur verschlossen in den Altglascontainer geworfen werden, damit Bienen nicht eventuelle Sporen der Faulbrut mit Honigresten aufnehmen. Wolfrum rät auch dringend davon ab, Bienen helfen zu wollen, indem angebrochene Honiggläser in den Garten gestellt werden.

Weitere Informationen

Für Sonntag, 19. Mai, 15 Uhr, bietet der Imkerverein in Kooperation mit der Veterinärbehörde für Imker eine kostenlose Info-Veranstaltung zur Amerikanischen Faulbrut auf dem Lehrbienenstand beim Lür-Kropp-Hof, Rockwinkeler Landstraße 5, an. Anmeldungen per E-Mail an horst.wolfrum@bremer-imker.de.

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