Tumorspezialisten treffen sich in Bremen

"Krebs wird in 15 bis 20 Jahren grundsätzlich heilbar sein"

Beim 14. Bremer Krebskongresses diskutieren Experten aus ganz Deutschland medizinische, pflegerische, aber vor allem auch ethische Fragen rund um die Krankheit.
11.11.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Sabine Doll

Die Diagnose Krebs ist immer ein Schock. In Bremen sind davon jedes Jahr rund 4500 Menschen betroffen. Ungezählte Fragen stellen sich: Muss ich operiert werden? Werde ich die Erkrankung überleben? Was kommt an Behandlungen auf mich zu? Welche Therapie ist die beste für mich?

„So gut wie heute waren die Chancen noch nie, dass Patienten von einer Krebserkrankung geheilt werden“, sagt Ernst Heinrich Schmidt vom Vorstand der Bremer Krebsgesellschaft. „Und wir befinden uns aus medizinischer Sicht an dem Punkt, dass man sagen kann, Krebs wird in 15 bis 20 Jahren grundsätzlich heilbar sein. Die große Frage wird dann sein, ob dies auch vom Sozialsystem bezahlbar sein wird.“

Diese und viele andere medizinische, pflegerische, aber vor allem auch ethische Fragen diskutieren seit Dienstag die Teilnehmer des 14. Bremer Krebskongresses im Swissôtel am Hillmannplatz. Alle zwei Jahre lädt die Bremer Krebsgesellschaft Ärzte und andere medizinische Berufsgruppen aus dem gesamten Bundesgebiet zu dem zweitägigen Fachtreffen ein. „Ziel ist es, sich auf den aktuellen Forschungsstand zu bringen, aber auch heikle Fragen zu debattieren“, sagt Kongresspräsident Wolfgang Sendt.

Eines dieser Themen, das in den vergangenen Jahren immer stärker in der Krebsmedizin an Bedeutung gewonnen hat, ist die Behandlung älterer Patienten. Es ist in diesem Jahr Schwerpunkt des Bremer Kongresses. „Damit tragen wir der Tatsache Rechnung, dass Krebserkrankungen mit zunehmendem Alter häufiger auftreten“, betont Sendt, der als Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im St. Joseph-Stift Krebspatienten behandelt. „Der Anteil der über 80-jährigen Patienten, die an Dickdarmkrebs erkrankt sind, liegt nach unseren Zahlen bei etwa 25 Prozent. Bei Magenkrebs ist es jeder Vierte.“

Das stelle Patienten, Angehörige und alle an der Behandlung Beteiligten vor ganz neue Herausforderungen. Die Therapie müsse immer mehr an die Einzelfallsituation der Betroffenen angepasst werden. „Auch wenn wir heute wissen, dass das Alter keine Krankheit ist, spielt es bei der Krebsbehandlung eine herausragende Rolle“, so der Mediziner. Dazu zählten der Gesundheitszustand des Patienten, weitere Erkrankungen, aber auch die Motivation. Ältere Patienten benötigten zudem eine aufwendigere Nachsorge. All dies sei ohne fachübergreifende Konzepte, an denen neben Chirurgen etwa auch Physiotherapeuten oder Reha-Mediziner beteiligt sind, nicht möglich. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Heilungschancen bei älteren Patienten genauso gut seien wie bei jüngeren. Sendt: „Das heißt: Wenn aus biologischer Sicht nichts dagegen spricht, sind die Voraussetzungen sehr gut.“

Auch in diesem Jahr ist ein Schülerforum Bestandteil des Krebskongresses: Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen neun bis 13 haben sich mit dem Schwerpunktthema beschäftigt und eigene Beiträge dazu erarbeitet. Eine von ihnen ist Rebecca Nottbusch: „Mich hat besonders fasziniert, dass der Körper jeden Tag aus eigener Kraft eine Zelle tötet oder repariert, aus der eine Krebszelle hätte werden können“, sagt die Schülerin. Deshalb müsse jeder mit seinem Körper sorgsam umgehen, um diese Kraft nicht zu gefährden.

Die Ergebnisse des Krebskongresses werden am Dienstag, 17. November, 19 Uhr, in den Räumen der Bremer Krebsgesellschaft, Am Schwarzen Meer 101-105, vorgestellt. Der Eintritt ist frei.

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