Hausverwaltung sieht Eigentümergemeinschaften von Darlehen abgeschnitten

Kreditgewerbe in der Kritik

Bremen-Nord. Stockt die Sanierung von Eigentumswohnanlagen, weil sich die Banken bei der Darlehensvergabe zieren? Diesen Vorwurf erhebt der Burgdammer Immobilienverwalter Rainer Schäffer gegen das Kreditgewerbe.
12.08.2010, 04:50
Lesedauer: 2 Min
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Kreditgewerbe in der Kritik
Von Jürgen Theiner
Kreditgewerbe in der Kritik

Die Wohnanlage Thulesiuspark am Holthorster Weg. Die Eigentümergemeinschaft braucht einen größeren Kredit für ein Blockh

Christian Kosak

Bremen-Nord. Stockt die Sanierung von Eigentumswohnanlagen, weil sich die Banken bei der Darlehensvergabe zieren? Diesen Vorwurf erhebt der Burgdammer Immobilienverwalter Rainer Schäffer gegen das Kreditgewerbe. Er hat unter anderem die Lesumer Wohnanlage Thulesiuspark im Blick. Dort wie an anderen Objekten in Bremen-Nord stehen größere Investitionen in die Energieeffizienz an.

Beispiel Thulesiuspark: Dort hat die Eigentümergemeinschaft von einem Ingenieurbüro die Rentabilität eines Blockheizkraftwerkes berechnen lassen. Die Fachleute rieten zu der Investition, die mit rund 460000 Euro allerdings nicht mal eben aus dem Sparstrumpf zu bezahlen ist.

Rainer Schäffer, der die Anlage betreut, hatte darauf gehofft, dass eine Gesetzesänderung aus dem Jahr 2007 bei der Realisierung des Blockheizkraftwerkes hilfreich sein könnte. Seit drei Jahren können Wohnungseigentümergemeinschaften als eigene Rechtspersonen auftreten und beispielsweise Darlehen aufnehmen, ohne dass eine Grundbucheintragung bei den einzelnen Eigentümern nötig ist.

Soweit die Theorie. Doch laut Schäffer spielt die Kreditbranche nicht mit. Anfragen bei der Sparkasse Bremen, der Kreissparkasse Osterholz-Scharmbeck sowie der dortigen Volksbank seien allesamt abschlägig beschieden worden. Offenbar trauen die Geldinstitute der Rechtsperson Eigentümergemeinschaft nicht über den Weg. Denn was ist mit der Besicherung des Kredits, wenn es keine Grundbucheintragung mehr gibt? Schäffer hält solche Argumente für vorgeschoben. So sei klar geregelt, dass etwa bei einem Zahlungsausfall durch ein Mitglied die Eigentümergemeinschaft das Loch stopft, etwa durch eine Sonderumlage. Es gebe schlicht kein Kreditrisiko für die Banken, betont Schäffer - schon gar keines, dass eine pauschale Abwehrhaltung rechtfertige.

Das Problem wird aus Schäffers Sicht immer drängender, weil Vater Staat die gesetzlichen Bestimmungen zur Energieeffizienz stetig verschärft und dadurch einen Modernisierungsaufwand im Wohngebäudebestand auslöst, der etwa für Eigentümergemeinschaften nicht mehr aus den üblichen Rücklagen zu bestreiten ist. Ohne Kredite werde der Sanierungsstau bedrohliche Ausmaße annehmen.

Einen Verbündeten hat Schäffer inzwischen in Umweltsenator Reinhard Loske (Grüne) gefunden. Dessen Ressort hat das Thema mit der Bremer Aufbau-Bank erörtert. In einem Schreiben an Schäffer teilte Loske jetzt mit, dass die kommunale Bank bereit sei, Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) an Eigentümergemeinschaften weiterzureichen.

Bei der Sparkasse Bremen räumte Sprecherin Elke Häusler gestern Vorbehalte des Kreditgewerbes gegenüber dem 'gesetzlichen Konstrukt der Eigentümergemeinschaften' ein. Die Regelungen aus dem Jahr 2007 hätten unter anderem bestimmte haftungsrechtliche Fragen offen gelassen.

Die Stadtsparkasse Wuppertal scheint solche Bedenken nun - als eines der ersten öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute - hinter sich lassen zu wollen. Finanzierungsberater Rainer Faulenbach sagte gestern im Gespräch mit der NORDDEUTSCHEN, man entwickle ein auf Eigentümergemeinschaften zugeschnittenes Darlehensangebot. Der Verzicht auf Absicherung im Grundbuch werde jedoch einen Risikoaufschlag bei den Zinsen zur Folge haben.

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