Polizeiinspektion Nord Krieg leitet Zivilen Einsatzdienst

Bremen-Nord. Zielgerichtete Ermittlungsarbeit, die schließlich zum Täter führt - das ist die eine Seite polizeilicher Arbeit. Genauso wichtig ist es jedoch, gelegentlich im Trüben zu fischen, damit auch Kommissar Zufall zu seinem Recht kommt. Das ist die Stärke des Zivilen Einsatzdienstes (ZED) der Polizeiinspektion Nord. Mit Dieter Krieg steht ihm seit Kurzem ein neuer Leiter vor.
06.03.2010, 05:00
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Krieg leitet Zivilen Einsatzdienst
Von Jürgen Theiner

Bremen-Nord. Zielgerichtete Ermittlungsarbeit, die schließlich zum Täter führt - das ist die eine Seite polizeilicher Arbeit. Genauso wichtig ist es jedoch, gelegentlich im Trüben zu fischen, damit auch Kommissar Zufall zu seinem Recht kommt. Das ist die Stärke des Zivilen Einsatzdienstes (ZED) der Polizeiinspektion Nord. Mit Dieter Krieg steht ihm seit Kurzem ein neuer Leiter vor.

Der 54-Jährige verfügt über reichlich Erfahrung in Aufbau und Führung von Sondergruppen, die ein Stück weit von der Betriebsroutine der Polizei abgekoppelt sind. Schon vor 20 Jahren leitete er eine Einsatzgruppe, die gegen einen massiven Anstieg von Autoaufbrüchen in der Innenstadt vorging. Es folgten ähnliche Verwendungen in anderen Stadtteilen und dann eine bemerkenswerte Zwischenstation als Integrationsbeauftragter der Polizeibehörde, wo Krieg unter anderem Kontakte zu Moscheevereinen knüpfte.

Nach drei Jahren auf diesem Posten hat es Dieter Krieg nun in die polizeiliche Praxis zurückgezogen. 'Es macht mir Spaß, wieder auf der Straße zu arbeiten', bekennt der Hauptkommissar, dem für seinen Auftrag eine achtköpfige Mannschaft aus Schutzpolizisten zur Verfügung steht. Ihren Dienst versehen sie allerdings nicht in Uniform. Sie tauchen ein in den Nordbremer Alltag und durchstreifen mit aufmerksamem Blick ihren Beritt zwischen Rekum und Grambke. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei 'unseren Pappenheimern', wie Dieter Krieg es formuliert. Und davon gibt es ganze Kohorten - Kleinkriminelle, die sich mit zwielichtigen Geschäftchen über Wasser halten, jugendliche Gewalttäter, Drogensüchtige, die in Beschaffungsdelikte verwickelt sind.

Diese Kameraden nimmt sich der ZED immer mal wieder zur Brust. Und dann kann es sein, dass nebenbei ganz unerwartete Dinge zum Vorschein kommen. 'Vor ein paar Wochen wollten wir ein paar Jugendliche filzen, von denen wir dachten, sie hätten was mit den Kiosküberfällen im Blumenthaler Raum zu tun', erzählt Dieter Krieg. 'Als wir in das Haus kamen, stank es aus einer ganz anderen Wohnungstür so dermaßen nach Marihuana, dass wir erst mal da reingegangen sind.' Der 'Beifang', wie Krieg das nennt, bestand aus 800 Gramm Marihuana und einem gestohlenen Laptop-Computer.

Die Häufigkeit solcher Zufallstreffer unterstreicht aus Kriegs Sicht das Ausmaß der Kriminalitätsbelastung in Bremen-Nord. 'Die Situation hier ist schwierig', bekennt der erfahrene Ermittler. Probleme bereiteten insbesondere perspektivlose junge Leute aus Zuwandererfamilien, die sich auf der Straße herumtreiben und in Straftaten verstricken. 'Selbst mit doppeltem Personal hätten wir da genug zu tun', sagt der ZED-Leiter.

Mit einer Aufstockung kann er jedoch nicht rechnen, im Gegenteil: Zwei Planstellen des Einsatzdienstes sind derzeit unbesetzt, und immer mal wieder werden die vorhandenen Kräfte für Sonderaufgaben abgezogen, beispielsweise zur Absicherung von Fußballspielen oder anderen Großereignissen. Die chronische Personalknappheit der Bremer Polizei - sie ist spürbar bis ins letzte Glied.

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