Pilotprojekt der Handwerkskammer: Tagesmütter bieten Betreuungsplätze in der Schongauer Straße, um Fachkäftemangel vorzubeugen Krippenkinder im Kompetenzzentrum

27 Prozent der neuen Azubis im Handwerk sind Frauen. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wünscht sich die Branche, dass ihr Anteil weiter steigt. Ein Grund für die Handwerkskammer Bremen, ein bislang einzigartiges Projekt auf den Weg zu bringen: Ab 1. September können Handwerkerinnen und Handwerker, Meister und angehende Gesellen, ihre Kleinkinder ins Kompetenzzentrum der Kammer mitbringen. Um die "Handwerkszwerge" kümmern sich Tagesmütter.
20.07.2012, 05:00
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Krippenkinder im Kompetenzzentrum
Von Frauke Fischer

27 Prozent der neuen Azubis im Handwerk sind Frauen. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wünscht sich die Branche, dass ihr Anteil weiter steigt. Ein Grund für die Handwerkskammer Bremen, ein bislang einzigartiges Projekt auf den Weg zu bringen: Ab 1. September können Handwerkerinnen und Handwerker, Meister und angehende Gesellen, ihre Kleinkinder ins Kompetenzzentrum der Kammer mitbringen. Um die "Handwerkszwerge" kümmern sich Tagesmütter.

Bremen. Für Robert Kaluza kam die Gelegenheit gerade recht. Der Bremer besucht derzeit die Technikerschule im Kompetenzzentrum der Handwerkskammer. Seine Frau möchte ab Herbst wieder unterrichten. Der neun Monate alte Sohn soll dann gut betreut werden. Als "Handwerkszwerg" könnte er einen Platz im Kompetenzzentrum der Handwerkskammer in der Schongauer Straße ergattern. Bis zu 20 Kinder soll die Einrichtung mit dann vier Tagesmüttern aufnehmen. Damit das möglich wird, hat die Handwerkskammer sich mit dem Träger "Pflegekinder in Bremen" (PiB) zusammengetan und außerdem 225000 Euro in die Hand genommen. Mit dem Geld werden derzeit zwei ehemalige Hausmeisterwohnungen in Räume für die sogenannte externe Tagespflege umgewandelt. Den Tagesmüttern, die sich dort auf eigene Rechnung selbstständig machen, kommt die Kammer zudem mit günstiger Miete entgegen, so Peter Brandt, Leiter des Kompetenzzentrums. Fachfrauen um PiB-Abteilungsleiterin Susanne Kuhnke stehen den Kammervertretern, für die die Einrichtung Neuland ist, außerdem mit Ratschlägen zu pädagogischen, betreuungs- und baurechtlichen Fragen zur Seite und vermitteln die Betreuungskräfte. Ab 1. September sollen die ersten Kleinen kommen.

Yvonne Joho und Monica Fuentealba haben sich gestern schon einmal das künftige Domizil für ihre Schützlinge angesehen. Die beiden Frauen sind selbstständige Tagesmütter, die ab September Mädchen und Jungen im Alter bis drei Jahre betreuen können. Platz ist genug da. Es gibt einen Garten, umgeben von einer hohen Backsteinmauer. Yvonne Joho hat die ersten interessierten Familien auch schon zu Hause besucht. "Es ist wichtig, mit ihnen gut im Gespräch zu sein. So lernen sie mich kennen und die Kinder erleben mich schon einmal in ihrer vertrauten Umgebung", erklärte die gelernte Erzieherin die Bedeutung einer engen Bezugsperson. Monica Fuentealba, die eine Fortbildung bei PiB absolviert hat, wird es genauso machen. Drei Jahre hat sie in einem spanischen Kindergarten gearbeitet. Jetzt wird sie selbstständig.

Die Fragen von Robert Kaluza zum Betreuungskonzept konnten beide gestern gleich beantworten. Jeden Tag geht es für die Kleinen im eigenen Krippenwagen an die Luft. Das Frühstück wird für alle gemeinsam zubereitet. Das Mittagessen kommt direkt aus dem Kompetenzzentrum. Um Flexibilität anbieten zu können, gibt es Sharing-Plätze. Das Angebot, so Kuhnke, berücksichtige Elternwünsche und pädagogische Belange.

Dem jungen Vater, der die Zeit zwischen Unterrichtsstunden für die Beratung nutzte, ist es wichtig, nahe am Kind zu sein. "Wenn mal etwas ist, bin ich schnell da", freut er sich über die Einrichtung. "Die Nähe zum Arbeitsplatz der Eltern ist wichtig", findet auch Susanne Kuhnke.

"Das ist ein bundesweit einmaliges Projekt", sagt Thomas Dürr, Sprecher der Bremer Handwerkskammer, nicht ohne Stolz. Für die Interessenvertretung gibt es mehrere Gründe, die "Handwerkszwerge" anzubieten. Ein steigender Anteil der Auszubildenden und Beschäftigten in Handwerksberufen, so die Kammer, sei weiblich. Viele Frauen wollten nach der Geburt ihrer Kinder Ausbildungen zu Ende bringen oder sich fortbilden, um ihre Aufstiegschancen zu verbessern. Diese Klientel möchten die Betriebe nicht verlieren. Und: "Familienfreundliche Maßnahmen motivieren Mitarbeiter und verringern Fehlzeiten", sind sich Thomas Dürr und Hans-Joachim Stehr, Vizepräses der Handwerkskammer, einig. Angesprochen sind deshalb nicht nur jene Männer und Frauen, die am Kompetenzzentrum Lehrgänge und Kurse besuchen, sondern auch die Belegschaften der benachbarten Betriebe im Gewerbegebiet Bayernstraße sowie andere Mitgliedsbetriebe der Kammer und Anwohner des Stadtteils. Sogar Eltern aus dem niedersächsischen Umland, die in Bremer Betrieben arbeiten, können die Betreuungsplätze in Anspruch nehmen. "Die Landkreise bezahlen bei Kindertagespflege die Standards der wirtschaftlichen Jugendhilfe in Bremen", sagt Susanne Kuhnke.

Für Robert Kaluza hört sich das Konzept der "Handwerkszwerge gut an": Die Räume sehen schon vielversprechend aus. Das wäre eine gute Sache für uns."

Krippenkinder im Kompetenzzentrum

Pilotprojekt der Handwerkskammer: Tagesmütter bieten Betreuungsplätze in der Schongauer Straße, um Fachkäftemangel vorzubeugen

Zitat:

"Wenn mal etwas ist,

kann ich schnell

da sein."

Robert Kaluza, Vater

Krippenkinder im Kompetenzzentrum

Pilotprojekt der Handwerkskammer: Tagesmütter bieten Betreuungsplätze in der Schongauer Straße, um Fachkäftemangel vorzubeugen

Zitat:

"Familienfreundlich

Maßnahmen motivieren

Mitarbeiter."

Thomas Dürr, Handwerkskammer

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